Auf der Insel der Vulkane und glücklichen Kühe – Teil 2


Im ersten Teil meines Reiseblogs über São Miguel habe ich euch schon von kulinarischen Besonderheiten, malerischen Seen und Vulkanlandschaften, meinem Besuch auf einer Ananasplantage und idyllischen Orten ganz ohne Autos oder Straßen erzählt. Falls ihr das noch nicht gesehen habt, lest gerne nochmal reinHeute will ich euch zu Delfinen, heißen Quellen, den einzigen Teeplantagen Europas und auf eine Rundreise entlang der schönsten Aussichtspunkte im Westen São Miguelmitnehmen. Lasst euch überraschen!

Von Teeplantagen und Delfinen

Da nur auf den Azoren das geeignete Klima für den Teeanbau herrscht, ist Chá Gorreana, (neben Chá Porto Formoso) die einzige Teeplantage Europas. Früher wurden hier Orangen angebaut, doch nachdem durch eine Plage die Ernte verdorben warsuchten die Azorer nach neuen Möglichkeiten. Mit Hilfe eines chinesischen Teemeisters wurden die Plantagen eröffnet und sind nun seit der Eröffnung in 1883 eine verlässliche Einnahmequelle. Der Tee wird komplett ohne Pestizide angebaut; ein Besuch ist kostenlos und nur zu empfehlen. Ihr könnt nicht nur sehen, wie der Tee angebaut wird, sondern ihn auch probierenVon April bis Oktober wird hier alle zwei Wochen Tee geerntet und in den anderen Monaten haben die Pflanzen Ruhezeit, in der sie dann sogar blühen! Besichtig werden kann die Plantage also das ganze Jahr über, unter der Woche von 8 bis 18 und am Wochenende von 9 bis 18 Uhr. Ich fand den Tee übrigens wirklich lecker, obwohl ich eigentlich kein Schwarztee-Fan bin. Im angrenzenden Shop habt ihr die Möglichkeit, ein wundervolles Andenken oder Souvenir zu kaufen und eure Liebsten mit köstlichen Teesorten zu überraschen.

Eine Sache, die euch auf São Miguel auffallen wird, ist dass überall kleine Hüttchen stehen, die früher genutzt wurden um Ausschau zu halten und den Schiffen, mit denen Walfang betrieben wurde, Signale zu geben. Heute werden natürlich keine Wale mehr gefangen, aber die Hütten sind immer noch in Betrieb, um Whale Watching zu ermöglichen. Von dort aus werden die Boote zu den Walen geschickt. Auch wir haben so eine vierstündige Tour mitgemacht, die uns 40€ pro Person kostete. Zwar haben wir keine Wale gesehen, dafür aber Delfine! Das war wirklich unglaublich spannend, denn die Tiere sind extrem schnellWir haben sicher fast eine Stunde damit verbracht, den Delfinen zuzuschauen und ihnen hinterherzufahren. Mit meiner Kamera habe ich einfach Serienbilder gemacht und gehofft irgendwie ein paar Tiere abzulichten. Obwohl auf den allermeisten Bildern nur Wasser zu sehen war, sind letztendlich doch ein paar gute Fotos entstanden – seht selbst 🙂 Es war definitiv ein tolles Erlebnis, dass ich euch nur empfehlen kann, solltet ihr nicht leicht seekrank werden.

Noble Häuser und heiße Quellen in Furnas

Früher war Furnas der Ort der Reichen auf São Miguel. Hier bauten die „Orangen-Barone“ ihre Villen, und noch heute ist es ein Ort mit schicken Häusern und süßen Straßen. Zum beliebten Reiseziel macht es heute seine heiße Quelle, die Entspannung in der Natur verspricht. Der Furnas-See liegt in einem kleinen Tal umgeben von Bäumen und erinnert von der Landschaft sehr an Schottland. Es gibt sogar ein Seemonster, ähnlich wie Nessi in diesem See! Die portugiesische Version heißt Furni und am See könnt ihr eine Statur der Kreatur sehen.

An der Stelle, wo der noch heute aktive Vulkanismus dafür sorgt, dass der Boden heiß ist und heißes Wasser aus der Erde blubbert, gibt es etwas Kurioses zu beobachten: Zwei Mal am Tag werden hier Töpfe in die Erde gelassen! Die umliegenden Restaurants kochen hier das traditionelle Cocido – eine Art Eintopf mit verschiedenstem Fleisch (Schwein, Rind, Huhn oder Hase), Blutwurst, Kohl und allen möglichen Gemüsesorten – für sechs Stunden im heißen Untergrund. Auf den Töpfen sind die Telefonnummern der Restaurants vermerkt und wir riefen bei einem Lokalan, um uns für den Abend einen Tisch zu reservieren und das Cocido zu probieren. Es war wirklich köstlich und reichlich. Wir bestellten eine Portion, die für zwei Personen gedacht war und mit Reis serviert wurde, und schafften diese gerade so zu dritt. Ich kann es nur empfehlen!

Doch natürlich werden die heißen Quellen nicht nur zum Kochen verwendet, sondern bieten auch die Möglichkeit zu baden und zu entspannen. Im Park Terra Nostra gibt es ein Thermalbecken, in dem ihr bei 38°C baden könnt. Der Park hat außerdem einen riesigen wunderschönen botanischen Garten und ist das Einzige, für das wir während unserer Reise Eintritt bezahlt haben (8€ pro Person, Stand 09/2019). Bringt am besten genügend Zeit mit, denn im botanischen Garten könnt ihr locker zwei Stunden verbringen ohne dass euch langweilig wird. Die Seerosen, die bunte Blumenpracht, Palmen, tropische Pflanzen und Formgärten laden zum Träumen und Erkunden ein– es ist ganz einfach, hier die Zeit zu vergessen. Beim Thermalbecken solltet ihr euch nicht davon abschrecken lassen, dass das warme Wasser braun aussieht. Das liegt an Eisen und Schwefel, was im Wasser vorhanden sind und es fühlt sich gar nicht schlammig an, wie ich zuerst vermutet hatte, sondern einfach wie normales Wasser. Ihr solltet allerdings beachten, dass eure Badeklamotten und Handtücher vom Wasser verfärbt werden und am besten dunkle Schwimmsachen anziehen und alles nach dem Baden waschen. Dann könnt ihr euch ins warme Nass begeben und richtig entspannen.

Inselrundfahrt im Westen São Miguels

Was ich euch nur empfehlen kann ist, mit dem Auto entlang der wunderschönen Aussichtspunkte der Inselzufahren, Bilder zu machen und die Landschaft zu genießen. Das haben wir für einen Tag im Westen São Miguels gemacht und ich kann euch nun einige Empfehlungen geben, damit ihr die perfekte Tour machen könnt!

Unser erster Anlaufpunkt war Farol da Ponta da Ferraria. Hier steht ein süßer kleiner Leuchtturm an einer Klippe und ihr habt einen atemberaubenden Blick über den Atlantik. Unter euch seht ihr die Felsen, an denen die Wellen brechen und über euch den strahlend blauen Himmel, an dem Seevögel entlangziehen. Wirklich traumhaft!

Ein etwas größerer Ort im Nordwesten ist Capelas. Hier sollte es laut unserem Reiseführer einen „wild romantischen alten Fischerhafen“ geben, was uns sofort angesprochen hat. Dieser stellte sich letztendlich als eine kleine Ansammlung von alten, verschlossenen Fischerhütten heraus, also ganz anders, als wir uns das vorgestellt hatten. Trotzdem hat unsCapelas nicht enttäuscht – ganz im Gegenteil, wir waren hellauf begeistert! Von den Klippen von Capelas aus bot sich uns eine der schönsten Aussichten, die wir während unseres Urlaubs zu Gesicht bekamen! Das Wassers schimmerte strahlend hellblau und grün, was im Zusammenspiel mit den schwarzen Felsen und roten Blumen einfach unglaublich schön aussah. Ich habe hier einige meiner allerliebsten Fotos der Reise geschossen.

Allgemein kann ich sagen, dass die Azoren und São Miguel ein wundervolles Reiseziel für alle, die gerne Outdoor-Urlaub machen, sind. Die Menschen sind total herzlich und gastfreundlich und auch wenn spanisch von Vorteil ist, könnt ihr euch meistens mit Händen und Füßen verständigen. Wir haben viele junge Leute, Pärchen und Familien gesehen, sowie einige Rucksacktouristen, die von einer Insel auf die nächste gereist sind und so noch mehr von den Azoren sehen konnten. Diese Art von Reise kann ich mir auch sehr gut für mich vorstellen. Ich würde liebend gerne nochmal auf die Azoren reisen und dann „Insel-Hopping“ machen.

Wenn ihr nun auch Lust auf eine Reise nach Portugal oder speziell auf die Azoren habt, dann schaut gerne bei unseren Gruppenreiseideen vorbei.

Bis bald,

Claudia Rempe | Reiseprofi für Benelux und Schweiz