Auf der Insel der Vulkane und glücklichen Kühe


Eine Woche auf den Azoren heißt eine Woche voller tropischer Pflanzen, malerischer Landschaft und wundervollen Outdoor Aktivitäten.
Im Juni bereiste ich gemeinsam mit zwei Freundinnen São Miguel, die Hauptinsel der Azoren. Dazu kam es eigentlich durch Zufall. Ursprünglich hatten wir geplant nach Südengland zu fahren und wenn ihr den Blog verfolgt, wisst ihr vielleicht, dass ich für mein Leben gerne Großbritannien bereise. Ich habe euch in früheren Beiträgen schon von EdinburghUrlaub im Hausboot in Schottland und von meinen Abenteuern in Wales erzählt. Leider wurde die direkte Flugverbindung nach Cornwall aufgehoben und so wäre es uns etwas zu umständlich geworden. Spontan musste also ein neues Reiseziel her und letztendlich stießen wir auf die Azoren, zu denen wir auch einen günstigen Flug fanden. Ohne lange zu überlegen, buchten wir eine Ferienwohnung und Flugtickets und reisten nach Portugal. Ein Glück, denn São Miguel ist einfach wunderschön und ich bin so froh, da gewesen zu sein!

Zuerst sei gesagt, dass ein Urlaub auf der Insel ein absoluter Outdoor Urlaub ist. Wer Städte-Trips oder Strandurlaub erwartet, ist hier eher falsch. Es gibt viele kleine Orte und keine allzu großen Sandstrände. Zum Wandern, Erkunden und Natur genießen ist es aber perfekt! Da die Insel so klein ist, könnt ihr mit einem Mietwagen innerhalb einer Woche eigentlich fast alles erkunden. Ich würde euch auf jeden Fall empfehlen, ein Auto zu mieten, da ihr dadurch einfach viel mobiler seid. Allerdings ist es wichtig, zu beachten, dass die Straßen oft sehr schmal sind und man daher langsam und konzentriert fahren sollte. Seid also vorsichtig, und wenn ihr euch das nicht zutraut, überlegt vielleicht mit einer Gruppenreise auf die Azoren zu fahren, dann spart ihr euch natürlich das Selbstfahren 😉 Wir hatten perfektes Wetter – während es in Deutschland um die 40°C heiß war, hatten wir angenehme 20-26°C und häufig Sonnenschein. Morgens war es oft wolkig und da es eine Insel im Atlantik ist, kann sich das Wetter stets sehr schnell ändern. Nehmt euch also am besten eine Regenjacke oder einen Schirm mit, dann seid ihr für alles gerüstet.

Fisch, Ananas und vieles mehr – Günstig schlemmen und genießen

Unsere Ferienwohnung lag in der Nähe des Zentrums von Ponta Delgada, der größten Stadt der Insel. Hier gibt es viele Restaurants, Geschäfte und Cafés und besonders der historische Stadtkern mit seinen engen Gassen, winzigen Läden und Gebäuden im barocken Stil ist wirklich sehenswert. Wie überall in den Orten auf der Insel gibt es kleine Parks mit strahlendem Grün und bunten Blumen. 

Wir hatten eigentlich geplant in der Ferienwohnung öfters unser eigenes Essen zu kochen, in der Hoffnung, so etwas Geld zu sparen, aber dazu kam es gar nicht. Die Preise der Lebensmittel in den Supermärkten unterscheiden sich nicht allzu sehr von denen in Deutschland, doch in den Restaurants ist das Essen preiswert! Morgens starteten wir mit einem leckeren Frühstück im Garten der Ferienwohnung in den Tag und abends gingen wir lecker essen. Unser absoluter Favorit war das Taberna Açor, das wir letztendlich drei Mal besucht haben! Hier gibt es köstliche Tapas und himmlische Fisch- und Fleischgerichte, alles zum kleinen Preis und sehr guter Qualität. Besonders kann ich euch Speisen vom heißen Stein empfehlen, für die ihr rohen Fisch oder Fleisch bekommt, das ihr dann selbst mit verschiedenen Gewürzen und Dipps marinieren und auf dem heißen Stein am Platz brutzeln könnt. An einem Abend haben wir uns hier ein richtiges Festmahl gegönnt, mit Vorspeisen, Hautgang, Nachtisch, Wein und Getränken, bis wir absolut nichts mehr essen konnten und haben am Ende trotzdem nur rund 20€ pro Person bezahlt. Die gleiche Erfahrung haben wir überall auf der Insel gemacht. Egal wo ihr hingeht, ihr könnt richtig günstiges, frisches und köstliches Essen zum kleinen Preis bekommen – ein Espresso kostet zum Beispiel nur 60 bis 90 Cent!

Kulinarisch gesehen, gibt es auf den Azoren natürlich überall Fisch. Besonders frischer Thunfisch ist sehr beliebt und schmeckt auch einfach himmlisch. Besonders beliebt ist auch Ananas, die auf der Insel in Gewächshäusern angebaut wird (dazu später noch mehr) und zu köstlichem Saft oder als Beilage zu herzhaften Gerichten verarbeitet wird. Traut euch ruhig und probiert das traditionelle Gericht Blutwurst mit Ananas. Mir hat die ungewöhnliche Kombi wirklich gut geschmeckt! São Miguel wird auch die Insel der glücklichen Kühe genannt und ihr werdet viele Tiere grasen sehen, weshalb es auch viel frische Milch und vor allem exzellenten Käse gibt. 

Auf Vulkanen wandern und den Osten São Miguels erkunden

Für mich war das Schönste an São Miguel die traumhafte und vor allem abwechslungsreiche Landschaft. In einem Moment fühlt ihr euch, von riesigen Grünflächen umgeben, wie in Irland oder Wales, im anderen seid ihr von tropischen Pflanzenumringtund im nächsten erinnert die Landschaft eher ans Sauerland. Generell ist es eine alte Vulkanlandschaft, in der es zahlreiche Krater gibt, an denen ihr entlangwandern und das unglaubliche Panorama genießen könnt.

Unsere erste Wanderung führte uns über den Kraterweg entlang des Lagoa das Sete Cidades. Das ist portugiesisch für „See der sieben Städte“ und ist ein traumhaft schöner See inmitten eines Kraters, wo früher ein 1200m hoher Vulkan thronte. Der steile Auf- und Abstieg ist nicht zu unterschätzen und ich würde die Wanderung wirklich nur für fitte, geübte Wanderer empfehlen. Wenn ihr oben angekommen seid, werdet ihr allerdings mit einem unglaublichen Ausblick auf den See und die umliegende Landschaft belohnt. Eine absolute Empfehlung und genug Programm für einen Tagesausflug! Mit vielen Pausen und unzähligen Fotos haben wir ungefähr 5 bis 6 Stunden dort verbracht.

Dank unseres Mietwagens konnten wir an einem Tag eine Rundfahrt durch den Osten der Insel machen und einige spannende Orte erkunden. In der Nähe von Ponlta Delgada liegt die Santo Antonio Ananas Plantage, deren Besuch komplett kostenlos ist. Wir haben eine kleine Führung durch die Gewächshäuser bekommen und konnten sehen, wie die Früchte je nach Größe und Alter von einem Ort an den nächsten verlegt und umgetopft werden. Von winzigen Baby-Ananas bis hin zu großen reifen Früchten könnt ihr hier alles sehen und im anliegenden Shop das Obst sowie selbstgemachte Produkte erwerben.

Unser nächster Halt warder schöne kleine Ort Vila Franco da Campo, in dem ihr süße Häuser und enge Straßen sehen könnt. Das Besondere: Hier werden die köstlichen Queijadas de Vila hergestellt, die ihr auf der ganzen Insel erwerben könnt. Sie sind eine Art Muffin und perfekt als Nachspeise oder Leckerei zum Kaffee geeignet. Probiert sie auf jeden Fall, wenn ihr die Möglichkeit dazu habt!

In der Nähe der Kleinstadt Vila Franca liegt eine kleine Kirche, etwas außerhalb auf einem Berg. Die Ermida de Nossa Senhora da Paz ist eine beliebte Pilgerstädte. Ganz idyllisch sieht sie aus, mitten in der grünen Landschaft. Das Besondere an ihr sind die Kachelbilder – sogenannte Azulejos –, die auf der großen Treppe in blauer Farbe auf weißem Grund verschiedene biblische Szenen und Heilige darstellen. Neben dem wunderschönen Blick auf die Kirche habt ihr vom Berg aus auch einen unglaublichen Ausblick aufs Meer und die Küste. Lasst euch das nicht entgehen!

Wanderung in die Stadt ohne Straßen

Früher war die östliche Region São Miguels eine eher arme Region. Hier gibt es hauptsächlich kleine Orte und so gut wie keine Städte. Dafür befinden sich an den Straßenrändernüberall Aussichtspunkte und tolle Picknickplätze (– es sind wirklich unzählige)! Manchmal gibt es hier nur Bänke, auf denen ihr Rast machen könnt, teilweise sind die Picknickplätze aber auch mit fließendem Wasser und steinernen Grills ausgestattet, die von jedem genutzt werden können. Wenn ihr also eine Wanderung macht, werdet ihr so stets einen schönen Platz finden, um euren Proviant zu verzehren.

Apropos Wanderung! Eines meiner Highlights war als ich mich morgens aufmachte, während um mich herum noch alles schlief, und in die Nähe von Relva fuhr. In den Ort selbst kann man nicht fahren, da keine Straße hinführt. Es liegt auf einem schmalen Küstenstreifen zwischen Meer und hohen Felsen und ist nur durch einen steilen Weg zu erreichen, den die Bewohner entweder zu Fuß, mit Esel oder Pferd zurücklegen müssen. Der Weg ist nur teilweise gepflastert aber wirklich malerisch. Ihr könnt tropische Pflanzen am Wegesrand sehen, die bei uns nur in Blumentöpfen wachsen, zum Beispiel Hibiskusblüten! In Relva angekommen gibt es winzige Fischerhütten zu bestaunen, die an den Fels geschmiegt stehen und das idyllische Bild prägen. Allerdings gibt es weder ein Café noch Restaurant, es sind alles Provathäuser. Und seid euch bewusst, dass ihr den steilen Weg auch wieder komplett hochlaufen müsst, was wirklich anstrengend war! Aber da ja in der Nähe keine Straßen sind, war es komplett still, bis auf das Meeresrauschen und den Gesang der Seevögel. Während ich immer wieder anhalten, kurz ausruhen und Luft holen musste, konnte ich den unglaublichen Ausblick genießen. Ich kann euch sagen, das war wirklich Balsam für die Seele. Ich würde für den Besuch zwei bis drei Stunden einplanen.

Wie ihr seht, habe ich wirklich viel erlebt – viel zu viel um alles auf einmal zu berichten. Was ich noch so erlebt habe, mit Delfinen, Tee und heißen Quellen, das erzähle ich euch ein anderes Mal. Seid gespannt auf den nächsten Teil und falls ihr in der Zwischenzeit Lust bekommen habt auf die Azoren oder nach Portugal zu reisen, schaut doch mal bei unseren Gruppenreiseideen vorbei!

Bis bald,

Claudia Rempe | Reiseprofi für Benelux und Schweiz