Wie im Bilderbuch – Urlaub in Südschweden


Eine Reise nach Skandinavien ist für mich immer wie Heimkommen. Ich liebe die Mentalität der Leute, die Landschaft und das Lebensgefühl. Deshalb war meine Rundreise in der Provinz Schone, bei der ich in einer Woche Malmö und viele der umliegenden Städte besuchen konnte, ein wundervolles Erlebnis für mich.

Mit der Fähre fuhr ich zunächst von Travemünde nach Malmö. Die Hafenstadt mit ihrer typisch schwedischen Altstadt, den malerischen Holzhäuschen und dem Kopfsteinpflaster ist unfassbar schön. Die Innen- und Altstadt ist fußläufig super zu erkunden und überall findet ihr kleine Cafés und Restaurants, die zu einer Pause einladen. Ich hatte totales Glück mit dem Wetter und es war richtig viel los – in der ganzen Stadt herrscht eine lebhafte Atmosphäre.

Gleich zu Beginn will ich euch von einem meiner absoluten Highlights erzählen: Dem „Disgusting Food Museum“ – hier dreht sich, wie der Name schon sagt, alles um ekliges Essen! Es geht um Essgewohnheiten aus aller Welt, von denen viele für uns ungewöhnlich, befremdlich und oftmals eklig wirken. Super spannend und informativ war, dass es auch um Aspekte unserer westlichen Esskultur ging, zum Beispiel um Themen wie Nachhaltigkeit und Massentierhaltung, die ebenfalls „widerlich“ sind. Im Museum könnt ihr das eklige Essen mit allen Sinnen wahrnehmen – sehen, riechen und sogar schmecken! An der Bar gibt es zum Beispiel fermentierten Hai oder Insektenlarven zu probieren. Letzteres schmeckt gar nicht mal so schlecht, fast wie Chips.

Das Ganze verlangt einen starken Magen, den scheinbar nicht jeder Gast hat. Die Eintrittskarte ins Museum ist eine Kotztüte und hinter der Bar informiert ein Schild darüber, wie lange es her ist, seit sich der letzte Gast übergeben musste. Seid also gewarnt! Am besten hat mir am Museum gefallen, wie lustig der Besuch war. Es ist wirklich eine Aktivität, die mit Freunden oder einer Reisegruppe einen riesen Spaß macht. Trotzdem lernt man viel und geht auch ein wenig nachdenklich gestimmt hinaus.

Während meiner Reise war ich mit einem Mietwagen unterwegs und ich kann euch sagen: Autofahren in Schweden ist viel entspannter als in Deutschland. Ich fahre selbst gerne schnell auf der Autobahn, aber in Schweden herrscht ein Tempolimit von 110km/h und keine Toleranzgrenze, weshalb die meisten eher um die 100 km/h fahren – sonst wird es nämlich ganz schön teuer. Anders als in Deutschland rasen die Leute hier nicht, oder fahren euch auf und drängeln. Ich musste mich erst daran gewöhnen, aber dann habe ich es lieben gelernt. Auch das Parken ist unkompliziert: Es gab immer irgendwo Parkplätze und häufig konnte ich das Auto problemlos in der Stadt abstellen und diese dann zu Fuß besichtigen.

Für mich ging es von Malmö aus nach Süden in Richtung Küste. Nach einem kleinen Zwischenstopp in Kristianstad, bei dem wir die große Fußgängerzone mit ihren süßen Cafés und zahlreichen Geschäften besuchen konnten, ging es weiter nach Karlshamn. Dort angekommen stellt ihr euer Auto am besten am Rand der Stadt ab und geht zu Fuß. Die Stadt ist so gut wie autofrei und es herrscht eine ganz ruhige, entspannte Stimmung. Es ist perfekt um das „alte“, traditionelle Schweden zu erleben. Die Altstadt mit ihren urigen Häusern ist super erhalten und unbedingt einen Besuch wert. Bei Sonnenschein lädt die Stadt dazu ein, durch die Straßen zu schlendern und in einem der winzigen Cafés zur Ruhe zu kommen. Oftmals ist dort nur Platz für ungefähr fünf bis sechs Personen und es ist total gemütlich, mit super leckeren hausgemachte Kuchen. Man fühlt sich wie in einer anderen Zeit, wenn man durch die alten Fußgängerzonen geht, in denen es noch traditionelles Handwerk, wie Nähereien oder Schmieden, die ihren eigenen Schmuck herstellten, gibt. Für mich ist Karlshamn eine der schönsten schwedischen Städte.

Wie eine typische Arbeiterstadt in Schweden aussieht, könnt ihr in Växjö herausfinden. Hier hat mich das Smalandmuseum beeindruckt. Die Region lebt von der Glasindustrie, deren Geschichte ihr hier kennenlernen könnt. Neben der Historie seht ihr auch, wie Glasbläserei funktioniert und in einer Ausstellung gibt es die handgemachten Arbeitsprodukte zu bestaunen. Wusstet ihr, dass Glasverarbeitung in Schweden schon seit der ersten Besiedelung des Landes durch die Wikinger existiert? Noch heute befinden sich rund 1800 Glashütten in Schweden und wenn ich euch neugierig gemacht habe, solltet ihr dem Museum auf jeden Fall einen Besuch abstatten.

Eksjö ist eine von drei schwedischen Holzstädten, die nationales Kulturerbe sind und die Altstadt steht fast komplett unter Denkmalschutz. Sie entspricht immer noch dem mittelalterlichen Stadtplan und die historischen Holzhäuser sind unglaublich gut erhalten und sehen wunderschön aus. Bestaunt doch bei einem Stadtspaziergang über den großen Marktplatz die Architektur und erlebt einen unvergesslichen Tag in der Stadt.

Ein wenig außerhalb, in der Provinz Mariannelund, gibt es die Möglichkeit sich auf die Spuren Astrid Lindgrens zu begeben – im Filmdorf Småland!  Schaut euch Szenen aus Klassikern wie „Michel aus Lönneberga“, „Wir Kinder aus Bullerbü“ und „Pippi Langstrumpf“ und die Originalfilmrequisiten an oder singt Filmmusik mit nicht nur für Astrid Lindgren Fans ist das ein großer Spaß. Ganz in der Nähe sind auch Originaldrehorte, wie zum Beispiel Bullerbü!

Ebenfalls in Mariannelund liegt meine ganz besondere Empfehlung für alle Naschkatzen: Die Süßigkeitenfabrik Marinnelunds Karamellkokeri. Schon seit 1929 werden hier köstliche Süßigkeiten hergestellt und ein Besuch lohnt sich allemal. Probiert Köstlichkeiten wie Lakritz, Marzipan oder Mandelspezialitäten und seht, wie die Süßigkeiten immer noch von Hand hergestellt werden. Etwa 200 Tonnen Godis werden pro Jahr produziert und das, obwohl es in der ganzen Manufaktur nur eine Knetmaschine und einen Mixer gibt – der Rest wird in Töpfen gemischt, mit großen Holzlöffeln gerührt und von Hand geknetet. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes, wenn ihr das Schweden von früher hautnah erleben wollt.

Ein ganz schönes Gegenteil dazu ist Jönköping am Vänersee. In der hippen Studentenstadt mit zahlreichen Restaurants, Bars und Museen könnt ihr das moderne Schweden erleben – das wird auch durch die andere Architektur deutlich. In Jönköping findet ihr ebenfalls immer wieder alte Häuser; diese sind nicht, wie häufig bei uns in Deutschland, abgegrenzt in einem Altstadtbereich, sondern befinden sich zwischen modernen Hochhäusern und Neubauten. Dieser ganz bewusste Stilbruch war für mich total beeindruckend und ich liebe den deutlichen Kontrast von Altem und Neuem.

Abgerundet wird das Stadtbild durch den Vänersee. Bei schönem Wetter ist ein Besuch am öffentlichen Strand einfach perfekt. Sonnt euch und lasst die Seele baumeln oder geht eine Runde schwimmen und genießt die Abkühlung.

Wenn ihr bei all der Auswahl an Museen in der Stadt nicht wisst wo ihr anfangen sollt, kann ich euch das Tändsticksmuseet nur empfehlen – das Streichholzmuseum! Ich hätte gar nicht erwartet, dass sich dahinter so eine spannende Geschichte verbirgt, aber die Erfindung der Streichhölzer von zwei schwedischen Brüdern im 19. Jahrhundert und die Weiterentwicklung bis zur heutigen Form wird total interessant aufbereitet. Im weltweit einzigen Streichholzmuseum könnt ihr auch viel über Jönköpings Stadtgeschichte erfahren, zum Beispiel, dass die Streichholzindustrie über Jahre hinweg so gut wie der einzige Arbeitgeber war. Bis zum ersten Weltkrieg wurden 70% der weltweiten Streichhölzer in Schweden hergestellt!

Am letzten Tag ging es für mich nach Wallåkra, wo ich eine über 150 Jahre alte Keramikfabrik besuchen konnte. Das schwedische Kulturerbe wurde vor dreißig Jahren von der jetzigen Besitzerin wiederbelebt, die nun gemeinsam mit einer Kollegin das ganze Jahr lang töpfert und die handgemachten Produkte in einem Nachbau des Originalofens brennt. In einem kleinen Geschäft werden wunderschöne Schüsseln und andere Kunstwerke verkauft und es gibt außerdem Führungen und Töpferkurse. Die beiden Töpferinnen sind total freundlich und freuen sich darüber von ihrer Arbeit zu erzählen. Das Essen in dem kleinen Restaurant, das zum Betrieb gehört und Snacks sowie regionale Hausmannskost anbietet, ist einfach vorzüglich!

Zum Schluss möchte ich euch noch einige Hinweise für euren Schwedenurlaub mit auf den Weg geben. Ab diesem Sommer gibt es ein neues Rauchergesetz, das besagt, dass man in einem Umkreis von 100 Metern vom Eingang eines öffentlichen Gebäudes nicht rauchen darf. Auch in Parks, Biergärten oder Hotelterrassen ist das Rauchen untersagt und wird streng mit Geldstrafen durchgesetzt. Das sollte euch vor eurer Reise bewusst sein.

Ebenfalls ist es wichtig zu wissen, dass Schweden auf dem Weg ist komplett bargeldlos zu werden. Ihr könnt zwar an vielen Orten immer noch mit schwedischen Kronen zahlen, die Schweden selbst tun dies aber kaum und ihr werdet eventuell schräg angeguckt, wenn ihr bar zahlen möchtet. Viele Hotels und auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind schon jetzt bargeldlos und ihr solltet daher auf jeden Fall eine Kreditkarte dabeihaben.

Südschweden hat mich wirklich begeistert und besonders in Karlshamn habe ich mich verliebt. Ich hoffe, dass ich euch die Region etwas näher bringen konnte. Wenn ihr nun auch Lust auf Schweden bekommen habt, findet ihr bei uns genau die passenden Gruppenreiseideen!

Bis zum nächsten Mal,

Jessica Klauer | Senior Reiseprofi für Skandinavien