Zu Besuch auf den Schafsinseln


Beeindruckende Landschaften, atemberaubende Klippen, riesige Grünflächen und mehr Schafe als Menschen – das sind die Färöer Inseln. Die insgesamt achtzehn einzelnen Felsinseln gehören zur dänischen Krone, liegen zwischen Norwegen und Island und haben ihre eigene Sprache und Währung. Hier leben ungefähr 50.000 Einwohner und 70.000 Schafe!

Im Mai ging es für mich, im Rahmen eines Fam-Trips, auf die Inseln und ich habe mich im Vorhinein schon riesig auf die Landschaft gefreut und darauf, einmal aus dem Alltag und dem Stress rauszukommen. Dafür sind die Inseln auf jeden Fall perfekt! Schon als ich in Vágar landete, habe ich mich gefühlt, wie in einer ganz anderen Welt. Alles ist ruhig und scheint irgendwie verlassen, ganz friedlich und im Einklang mit der Natur.

Stellt euch auf jeden Fall auf das immer wechselnde Seeklima ein! Das Wetter ändert sich ständig und an einem Tag ist es fast, als würde man alle Jahreszeiten nacheinander erleben. Wetterfeste Kleidung ist also ein Muss, am besten im „Zwiebel-Look“, mit mehreren Schichten, die ihr über den Tag hinweg, an und ausziehen könnt.

Geflogen bin ich mit Altantic Airways, von Kopenhagen nach Vágar, was ungefähr zwei einhalb Stunden dauerte. Von Deutschland aus gibt es keine Direktflüge, weshalb ich von Frankfurt zunächst in die dänische Hauptstadt geflogen bin und dort übernachtete, bevor es am nächsten Tag auf die Inseln ging. Eines meiner absoluten Highlights der Reise war schon der Landeanflug: Als wir die Wolkendecke durchbrachen bot sich mir ein atemberaubender Ausblick von unendlichem Grün, durchzogen von felsiger Landschaft und als wir dem Boden näher kamen, konnte ich auch die ersten Schafherden sehen. Es war wunderschön!

Am Flughafen wurden wir dann von unserem Guide begrüßt. Die Kleingruppe, mit der ich fortan unterwegs war, bestand aus zwölf Personen und war total international, mit Reisenden aus Norwegen, Belgien, Frankreich, England, Deutschland, Italien, Australien und den USA.

Von Vágar aus ging es für uns nach Tórshavn, der Hauptstadt von Färöer. Bei einer Stadtführung zeigte uns unser Guide die wunderschöne historische Altstadt. Es gibt die klassischen roten Häuser, wie ihr sie sicher aus Astrid Lindgren Verfilmungen kennt. Auf vielen Dächern wächst Moos und auf Grund des stürmischen Wetters wurden die Häuser ganz nah aneinander gebaut. Hier könnt ihr euch fühlen wie bei den Kindern aus Bullerbü oder bei Michel aus Lönneberga – wie in einer ganz anderen Zeit.

Trotz der urigen Atmosphäre ist Tórshavn für die Bewohner hier eine Großstadt und das merkt man auch: Es gibt überall Cafés, Restaurants und ein Shopping Center. Wie ihr später noch sehen werdet, ist das hier eher eine Besonderheit.

Die Insel Sandoy hat nur etwas über Eintausend Einwohner. Im Vergleich zu anderen Inseln ist das immer noch eher viel. Hier befindet sich auch das Drei Sterne Hotel Skálavik, in dem ihr unterkommen könnt, wenn ihr die einzigartige Natur der Insel erleben wollt. Hier hatten wir auch ein ganz besonderes Abendessen: Ihr könnt mit eurer Gruppe in einer kleinen Hütte, den „BBQ Cottages“ total gemütlich zusammen sitzen und gemeinsam lecker grillen. Das war wirklich ein wunderschöner Abend und ist nur zu empfehlen!

Mit der Fähre braucht ihr ungefähr eine halbe Stunde von Sandoy auf die Insel Skúvoy. Die hat eine Fläche von 10km² und nur 22 Einwohner! Dennoch gibt es hier einiges zu sehen. Zunächst haben wir eine Dorfführung durch Skúvoy (der Ort heißt wie die Insel) bekommen, von einem einheimischen Guide. Nachdem er uns herumgeführt hat und wir die wenigen, aber wunderschönen, Häuser von außen bestaunen konnten, lud er uns auch noch bei sich zum Mittagessen mit anschließendem Kaffee und Waffeln ein. So saßen wir plötzlich mit ihm und seiner Frau in ihrem Wohnzimmer und haben die gemütliche und entspannte Lebensweise hautnah erlebt.

Total spannend war es auch, das Economusée —North Atlantic Basalt zu besuchen. In 2013 kauften Heini und Høgni Tausen die Firma Grótvirkið í Skopun. Hier wird Stein unter anderem zu Tischen, Grabmälern oder kleinen Alltagsgegenständen hergestellt. Mit dem Gedanken, dass die Kultur der Färöer Steinarbeit erzählt werden solle, fingen die Brüder an, Führungen anzubieten. Bei einer einstündigen Tour könnt ihr viel über die lokale Arbeit und ihre Geschichte erfahren. Außerdem könnt ihr natürlich etwas im Shop kaufen und als Andenken mitnehmen. Neben den Steinarbeiten gibt es hier auch Sjósalt zu kaufen – handgeerntetes Meersalz von den Färöer Inseln – eine wahre Besonderheit! Besonders ist auch der Briefkasten in Skuvoy, das ist nämlich die größte Postbox der Welt. In strahlendem Blau ragt sie in die Höhe und bietet ein witziges Fotomotiv, das sie sicher drei bis vier mal so groß ist wie ihr.

Direkt am Meer liegt das Café Mølin, das im Stil der 80er Jahre und unglaublich gemütlich eingerichtet ist. Die Besitzer sind total freundlich und Kaffee, Kuchen und der Mojito, den ich hier getrunken habe, sind super lecker. Das Café wurde erst in 2018 eröffnet und ihr solltet ihm auf jeden Fall einen Besuch abstatten.

Auf der Insel Streymoy liegt Kirkjobøur, eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Färöer Inseln. Hier könnt ihr die Sankt-Olav-Kirche besichtigen, die um das Jahr 1250 errichtet wurde und die älteste erhaltene Kirche auf den Inseln ist. Von außen ist sie wirklich schön anzusehen und, ganz im skandinavischem Stil, weiß und mit einem nicht sonderlich hohem Turm – ganz anders als Kirchen bei uns. Auch von Innen könnt ihr sie besichtigen. Im Gegensatz zu den meisten Kirchen dort ist diese nämlich immer geöffnet.

Für die Adrenalin-Junkies unter euch habe ich einen ganz besonderen Tipp: eine Highspeed Boot Tour von Streymoy auf die Insel Hestur. Zu Beginn der Tour werdet ihr mit Drysuit und Helm ausgestattet und dann geht es los – blitzschnell saust ihr übers Meer und es macht riesig Spaß! Nachdem ihr einmal um Hestur herum gefahren seid, fährt das Boot auch in die bunten Höhlen an der Insel, die ein malerisches Bild bieten, geprägt von buntem Stein und strahlend blauem Wasser. Das war definitiv eines der Highlights der Reise. Manchmal sind die Höhlen sogar Location für Konzerte: schaut mal bei diesem Video, wie toll es in den Höhlen aussieht und klingt, wenn ein „Concerto Grotto“ stattfindet. Die Höhlenkonzerte sind Teil des jährlich stattfindenden Musikfestivals Summartónar und mit etwas Glück findet eines von ihnen auch während eures Aufenthalts statt!

Bevor es für mich wieder zurück in die Heimat ging, konnte ich in Tórshavn an einem Workshop teilnehmen, der mit einer Dinner & Dance Party endete. Ein wirklich schöner Abschluss für eine wundervolle Reise. Beim Singen und Tanzen wurde mir erneut die Sorglosigkeit der Färinger bewusst und die traditionellen Tänze, die wir sehen und lernen konnten, haben mir die Kultur noch ein Stückchen näher gebracht.

Eine Reise auf die Schafsinseln kann ich jedem nur empfehlen. Die Leute sind unglaublich herzlich, die Landschaft ist atemberaubend und solch Ruhe und Seelenfrieden kann man nicht an vielen Orten der Welt finden. Ich will auf jeden Fall nochmal zurück und auch die anderen Inseln erkunden, die ich bisher noch nicht besuchen konnte. Wenn ihr Lust habt noch mehr von der Insel zu sehen, könnt ihr euch diesen Wunsch über Sheep View erfüllen. Angelehnt an „Google Street View“, was es auf den Inseln bis vor einiger Zeit noch nicht gab, wurde ein System entwickelt, bei dem Schafe Kameras umgebunden wurde – so ist es wie beim Programm von Google, dass ihr die Straßen und Orte des Landes per Video erkunden könnt. Eine super witzige Idee! 😀

Selbstverständlich könnt ihr die Insel auch hautnah mit eurer Gruppe erleben. Schaut doch mal bei unserer ganz besonderen Gruppenreiseidee für Färöer vorbei.

Bis bald,

Seline Schachta | Reiseprofi für Skandinavien