Die Reise mit Eis und Feuer – der „Game of Thrones“ Trip in Nordirland


Mitten in der Nacht wachte ich auf und hatte Schweißperlen auf der Stirn: Ich hätte den Clip der „Red Wedding“ nicht noch mal vor dem Schlafengehen schauen sollen. Wer die vorherigen Staffeln gesehen hat, weiß wovon ich gerade spreche…

Die achte und damit finale Staffel von Game of Thrones wurde im Frühjahr 2019 ausgestrahlt – nach schier unendlichem Warten. Endlich gab es wieder atemberaubende Bilder von sagenhaften Schlössern, monströsen Drachen und epischen Schlachten.

Während eines Fam Trips im März 2019 nach Nordirland ins Game of Thrones Territory mit Discover Northern Ireland durfte ich einige eindrucksvolle Plätze besuchen und habe gelernt, wie akribisch die Auswahl der Drehorte erfolgte. Wollt ihr mich auf meine Reise nach Westeros begleiten?

Na klar finde ich alleine zurück!“

Ein regnerischer Tag in Belfast nach 3 langen Messe-Tagen. Eigentlich wollte ich nach dem Blick aus dem Fenster lieber in dem unglaublich gemütlichen Bett des Grand Central Hotels liegen bleiben und fernsehen. Aber irgendwie packte mich dann doch die Lust auf Abenteuer.

Unser Guide Dee Morgan erwartete die 15-köpfige Gruppe zukünftiger Anwärter auf den Eisernen Thron in der Lobby – ab diesem Zeitpunkt waren die Gedanken an dieses wundervolle Bett vollends verflogen: Eine Erscheinung einer Frau, der Umhang mit Fellkragen und ein gefährlich echt aussehendes Schwert. Wahnsinn!

Bevor ich mich versah, saß ich schon in unserem komfortablen Reisebus auf der Fahrt in den verfluchten Wald. Vielleicht finde ich ja auch einen Schattenwolf, den ich mit nach Hause nehmen kann? Der Tollymore Forest Park ist aber nicht nur für Game of Thrones Fans ein Ort, den man gesehen haben muss. Abseits von Drehorten, wo die weißen Wanderer ihren Marsch ins Reich der Menschen begannen, findet man beispielsweise uralte Mammutbäume und verwunschene Brücken über einen wilden Bachlauf. Wundervoll für einen Spaziergang – Apropos! Den haben wir auch gemacht, im Regen. Es gibt ja auf den britisch-irischen Inseln nie schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung.

Eine fehlende Mütze zwang mich leider dazu nach etwa einer halben Stunde umzukehren. Alle fragten: „Findest du allein zurück?“ und ich antwortete (retrospektivisch betrachtet vielleicht etwas leichtsinnig) „Na klar finde ich alleine zurück!“.

Gut, ohne die Pointe jetzt vorweg nehmen zu wollen… ich habe es natürlich nicht alleine geschafft. Nach 20 Minuten Spaziergang retour fragte ich mich an einer Weggabelung (Klassiker!), wo ich denn nun abbiegen muss. Ich ging links, dann wunderte ich mich unter ansteigender Panik, dass ich den Weg gar nicht kenne und drehte wieder um. Nur um dann 5 Minuten später den selben Weg wieder zurück zu laufen. Die Minuten vergingen und so langsam wurde ich immer nervöser: Ein kurzer Blick auf mein Handy ließ nichts Gutes vermuten – kein Netz! Irgendwann schaffte ich es dann mit Etwas Empfang unseren Guide anzurufen, die mir versicherte ich sei auf dem richtigen Weg.

Ich traf etwa zeitgleich (und etwa genauso nass) mit dem Rest der Gruppe am Bus ein.

Verflucht war der Wald schon in der Serie – für mich aber jetzt irgendwie auch. Ich komme trotzdem bestimmt wieder zurück, dafür ist es dort einfach zu schön.

Doors of Thrones – entlang der Drehorte

Die Dark Hedges, oder auch der Königsweg für die Bewohner von Westeros, wurde im Januar 2016 vom Sturm Gertrude heimgesucht. Aus dem Holz der zwei umgestürzten Bäume wurden zehn aufwändige und wunderschöne Türen geschnitzt, die ihr in Pubs, Gasthäusern und Cafés in ganz Nordirland finden könnt. Von Cairncastle, Cushendun Caves oder den Glens of Antrim befindet sich jede Tür in der Nähe eines der legendären Drehorte und erzählt die Handlung einer Episode der 6. Staffel. Wenn ihr also so eine Tür entdeckt, befindet ihr euch im Land von Game of Thrones.

Am Ende meiner Reise sollte ich 5 von 10 Stempeln in meinem Pass haben. Diesen offiziellen Pass von HBO erhält man in jedem Pub, in dem sich auch eine der Türen befindet.

Winterfell Castle – das Zuhause der Stark Familie

Ein großer Tipp für jeden, der in der Nähe ist, ist der Pub Percy French (Pssst… hier findet man auch eine der Türen!). Er gehört zum imposanten Slieve Donard Hotel in Newcastle. Wir hatten ein tolles Mittagessen dort und konnten endlich unsere nassen Jacken trocknen, bevor es wieder an die frische Luft ging.

Burg Winterfell, dessen realer Name Castle Ward ist, ist in der Erfolgsserie der alte und eindrucksvolle Sitz der Familie Stark. Nun, als neue Anwärter auf den Eisernen Thron muss man sich auch verteidigen können. Doch nicht ohne standesgemäße Gewandung! Mäntel mit Fellkragen schmückten die ganze Gruppe, denn der Winter naht… und außerdem bringt es einem noch mehr Game of Thrones-Feeling. Adäquat gekleidet nahm William von Winterfell Tours uns unter seine Fittiche, er brachte uns das Bogenschießen und Axtwerfen bei. Für alle Fälle gerüstet sozusagen… es macht unglaublich Spaß! Das müsst Ihr auch mal ausprobieren.

Nachdem wir alle als (relativ) geeignet befunden wurden, nahm William uns mit zu Audley’s Castle, welches auch als Drehort in Staffel 2 diente. Greenscreening war mir bis dato noch kein großer Begriff, jedoch wurde uns an diesem Beispiel gezeigt, wie diese Technik eingesetzt wird. Mal baut man mit dem Computer während der Nachbearbeitung der Aufnahmen ein paar Türme an eine Burg ran, es kommen weitere Anbauten oder sogar Waffen hinzu… man kann den Ursprung danach kaum noch erahnen.

Zurück am Winterfell Castle, konnten wir unseren Augen kaum trauen: Echte Schattenwölfe erwarteten uns schon sehnsüchtig!

Naja okay, echt nicht… aber es ist eine besondere Kreuzung verschiedener Rassen, die Wölfen sehr ähnlich sehen. Aber seht selbst, ich konnte meine Freude kaum zurückhalten!

Die beiden Schattenwölfe, die im echten Leben Odin und Thor heißen, spielten sogar in einigen Folgen mit. Noch als kleine Welpen wurden Sie im verfluchten Wald gefunden und gehörten Bran und Robb Stark.

Sightseeing aus einer anderen Perspektive

Samstagmorgens wurde ich von Sonnenstrahlen an der Nase gekitzelt und sprang direkt aus dem (ebenfalls sehr gemütlichen) Bett des Bullitt Hotels in Belfast. „Endlich! Das wird ein toller Tag an der Antrimküste!“

Die ganze Gruppe war schon voller Vorfreude, denn für den Vormittag durften wir aus drei Optionen wählen: Bei „Game of Thrones on the Run“ joggten die Teilnehmer entlang einiger Drehorte und trainierten gleichzeitig noch das (viel zu) gute Essen der letzten Tage ab. Eine weitere Möglichkeit war „Hang out with Hodor“, eine Fahrt im Kleinbus entlang der Antrimküste, bei der man ebenfalls einige der Drehorte besichtigt. Der Clou dabei: Flip von Giant Tours Ireland war das Double einer der Charaktere, Hodor.

Meine Wahl fiel auf die Sea Safari der Aquaholics. Mit 5 anderen Mitreisenden ging es Vollgas auf’s Meer und wir konnten beispielsweise die Carrick-a-Rede Hängebrücke oder den berühmten Giant’s Causeway aus einer ganz anderen Perspektive sehen. Das war einfach unbeschreiblich!

Unser Guide erzählte uns, dass das Filmteam wochenlang Aufnahmen vom Meer machte, um den perfekten Ort für die Drehs zu finden. Das ist schon Wahnsinn, oder?

Als uns der Kapitän fragte, ob wir Lust haben auch mal zu fahren, wussten wir erst mal nicht genau, ob er uns auf den Arm nehmen wollte. Aber was soll ich sagen? Ich bin das erste Mal selber Steuermann auf einem Boot gewesen! Eine andere Teilnehmerin durfte das Boot sogar in den Hafen zurücklenken, was sie wirklich gut gemeistert hat.

Von freundlichen Geistern und riesigen Steaks in einem beeindruckenden Schloss

Als Abschluss der Reise verbrachte unsere Reisegruppe einen gemütlichen Abend im eindrucksvollen Ballygally Castle Hotel. Wir wurden zu einem mittelalterlich angehauchten Bankett im Game of Thrones-Stil geladen: Im Hintergrund lief stimmungsvolle Musik, die lange Tafel war mit echten Schwertern und Ketten eingedeckt und den Kopf der Tafel schmückten zwei schwere Holz-Throne aus dem Mittelalter. Wow!

Jeder Gang war ein Genuss, das kann ich Euch sagen. Das Highlight war ein gewaltiges Tomahawk Steak, was die meisten gar nicht aufessen konnten. Solche Gelage muss es auf Burg Winterfell auch gegeben haben, wenn es etwas zu feiern gab!

Doch was war das? Ab und an flackerte das Licht der Leuchten an der Wand und so langsam aber sicher konnte dies kein Zufall mehr gewesen sein…

Der reizende Manager des Hotels, Norman, erzählte uns, dass im Turm über uns ein freundlicher (!) Geist seit knapp 400 Jahren wohnt. Sein… oder wohl eher ihr Name ist Lady Isabella Shaw und man kann sie sogar in ihrem „Ghost Room“ besuchen. Was es mit der Geschichte auf sich hat und welchen Spuk sie im Hotel treibt, müsst Ihr allerdings selber in Erfahrung bringen. Am besten während eines Aufenthalts in diesem wundervollen Schloss-Hotel, wenn ihr Euch traut.

In nur 35 Minuten waren wir zurück in Belfast, hier gab es für uns auf der einzigartigen Rooftop-Bar „Babel“ noch einen Cocktail, bevor wir uns leider alle voneinander verabschieden mussten.

Noch mehr Lust auf Game of Thrones?

Wusstet ihr, dass im Herbst 2020 die Game of Thrones® Studios  südlich von Belfast eröffnen?
Für alle Fans ist das ein Must-See: Dort werden die Kostüme der Darsteller und viele Requisiten ausgestellt, es gibt viele Möglichkeiten auch selber in die Sets zu schlüpfen und Fotos zu machen. Ähnlich der Harry Potter Studios in London wird mit einem hohen Besucheraufkommen gerechnet.

Und, habt ihr jetzt Lust auch auf den Spuren der Familie Stark, den Schattenwölfen und der weißen Wanderer auf Entdeckungsreise zu gehen?

Meldet Euch bei mir – es gibt noch so viel mehr zu entdecken!

Liebe Grüße,

Pia-Marlen Veit | Profi für Einkauf Großbritannien und Irland