Wo die wilden Esel wohnen


Urlaub. Ein Zauberwort für viele. Doch was tun, wenn man mal dringend eine Woche Pause braucht? Wir haben zufällig ein grandioses Angebot für eine Woche Zypern gefunden – ein super Preis und das Programm las sich auch gut: Kloster, Hafenstädte, Panoramaausflug, Hotels mit vier bis fünf Sternen. Eine Woche Rundreise mit fünf Tagesausflügen – das ist eigentlich nicht unsere übliche Form von Urlaub. Sonst haben wir zumeist All Inclusive-Urlaube gemacht oder eine Ferienwohnung gemietet und von dort die Umgebung erkundet, aber man will ja auch mal was Neues ausprobieren! Also haben wir es gewagt und wenn ihr wissen wollt, was wir alles erlebt haben und was es mit den „wilden Eseln“ auf sich hat, solltet ihr nun weiter lesen!

Morgenmuffel haben es bei diesem Urlaub wohl schwer: Fast jeden Morgen war bereits um 8:00 Uhr Abfahrt! Das frühe Aufstehen hat sich aber gelohnt. Wir sind im Februar gefahren und obwohl es noch Winter war, gilt das als die grüne Jahreszeit, in der Zypern mit seiner vielfältigen Fauna und Flora beeindruckt. Rund 1000 Kilometer waren wir in den fünf Tagen Rundreise im Norden des Landes, dem türkischen Teil Zyperns, unterwegs. Ein paar Highlights wollen wir euch hier vorstellen.

Einer der schönsten Orte war für uns Famagusta. Ein kleiner verträumter Ort, der mit seinen engen Gassen und hübschen Häusern bei einem gemütlichen Spaziergang sehr sehenswert ist. Man kann auf die hohe Festungsmauer steigen und von einem der Türme auf den Hafen sehen oder im Ort einen Kaffee trinken und leckeres Gebäck dazu essen.

Die Reiseleitung zeigte uns die Lala Mustafa Pascha Moschee, eine ehemalige christliche Kirche, die nun als Moschee genutzt wird und erklärte uns einige islamische Traditionen. Das Gebäude ist von innen und außen wirklich wunderschön. Obwohl es nun als Moschee genutzt wird, erinnert der Stil an typische Kirchen der französischen Gotik. Wir waren absolut beeindruckt!

Das Andreas Kloster ist ein Wallfahrtsort nahe des Fischerdörfchens Karpaz an der nordöstliche Spitze Zyperns. Ein sehr sehenswertes und noch von Mönchen bewohntes griechisch-orthodoxes Kloster, das dem Apostel Andreas gewidmet ist. Er soll dort bei einer seiner Missionsreisen mit einem Stab auf einen Felsen geschlagen haben und plötzlich kam Wasser aus dem Gestein. Der Legende nach wurde den fast verdursteten Seefahrern auf diese Weise geholfen. Dem Wasser wird auch heilende Wirkung nachgesagt, denn der fast blinde Kapitän konnte plötzlich wieder sehen, nachdem er seine Augen mit dem Wasser benetzt hatte. Auch heute sprudelt die Quelle noch und bei eurem Besuch habt ihr die Möglichkeit, euch selbst etwas vom Wunderwasser abzufüllen.

Nun können wir euch auch endlich erzählen, was es mit den „wilden Eseln“ auf sich hat. Auf unserem Weg zum Kloster bot sich uns immer wieder folgendes Szenario: Einer der wilden Esel stellte sich scheinbar todesmutig mitten auf die Straße und ließ den Reisebus einfach nicht weiterfahren! Die Busfahrer sind dafür ausgestattet und haben allesamt Karotten dabei und erst nachdem der Esel vom Busfahrer gefüttert worden war, ging er aus dem Weg! Angst vor den Bussen kennen diese Tiere nicht mehr und es ist wirklich witzig, was für Tricks sie sich einfallen lassen. Auch am Kloster laufen die Esel neben den wilden Katzen und Hunden herum und beschweren sich lautstark, falls sie von den Touristen mal nicht genug zu Fressen bekommen.

Nikosia, die geteilte Hauptstadt Zyperns, ist ein gutes Beispiel für die Widersprüche des Landes. Zum einen die Selimiye-Moschee: Einst eine gotische Kirche, die von den Franzosen im 15. Jahrhundert gebaut wurde, wird auch sie heute als islamische Gebetsstätte genutzt. Beeindruckend waren die Größe und die gotische Architektur. Auch hier ist die Inspiration an der französischen Gotik erkennbar, anders als gotische Bauwerke in Europa hat die Selimiye aber flache Dächer. Im Zusammenspiel mit dem hellen Sandstein stellt sie so ein typisches Bild der zyprischen Gotik dar und das sieht einfach zauberhaft aus!

In Nikosia bot sich uns auch die erste Möglichkeit, über die „grüne Grenze“ in den griechischen Teil Zyperns zu gelangen. Diese heißt so, weil ein britischer Admiral einst die Grenze mit einem grünen Stift auf die Landkarte gemalt hat. Wenn ihr nach Südzypern wollt gibt es eine Passkontrolle, die allerdings nur wenige Minuten dauert. Hier wurden uns die Unterschiede zwischen dem ärmeren türkischen Norden und dem reicheren griechischen Süden sehr deutlich. Wirkt der türkische Teil eher beschaulich, taucht man gleich nach Überschreiten der Grenze in eine moderne europäische Fußgängerzone ein. Und plötzlich findet man Starbucks, Mc Donalds und H&M und statt Kebab-Läden gibt es Gyros. Kaum zu glauben, wie räumlich nah sich diese Kulturen sind und doch hat man das Gefühl, man tritt in eine ganz andere Welt ein.

Als nächstes möchten wir euch noch Bellapais empfehlen, ein wunderschön auf einer Anhöhe über dem Meer gelegenes Kloster, das im 15. Jahrhundert von Kreuzrittern gegründet wurde. Heute ist die Klosterruine als Freilichtmuseum zugänglich und überzeugt unter anderem mit ihrer Lage zwischen Obst- und Olivenhainen und gleichzeitigem Blick aufs Meer. Es gibt sogar ein kleines Café, in dem ihr es euch bei eurem Besuch gemütlich machen und die absolut friedliche Atmosphäre genießen könnt.

Auch der Hafen in Kyrenia ist sehr sehenswert. Man kann an den Fischerlokalen entlang schlendern und den Blick aufs Meer genießen. Nicht verpassen sollte man die imposante alte Festungsanlage. Die dicken Mauern beherbergen ein circa 300 Jahre vor Christus gesunkenes Schiffswrack. Im Schiffswrack-Museum könnt ihr viel über die Bergung dieses Zeitschatzes erfahren und die Ausstellung ist sehr sehenswert, allein schon weil das Schiff wirklich beeindruckend ist!

Am letzten Tag war eigentlich nur Relaxen vorgesehen. Wir entschieden uns aber, einen weiteren Ausflug zu buchen, der uns nach Larnaka in den griechischen Teil Zyperns gebracht hat. Neben dem Besuch eines Nonnenklosters, der kleinen Moschee Hala Sultan Tekke und einem Rundgang durch Larnaka war das Beeindruckendste der Besuch der Lazarus-Kirche. Lazarus ist in der orthodoxen Kirche ein Heiliger, dem viele Ikonenbilder gewidmet sind. In der Bibel wird Lazarus von Jesus wieder zum Leben erweckt. Er lebte später in Zypern und soll dort mindestens zweimal von Maria, der Mutter Jesu, besucht worden sein. In der Kirche gab es die größte Apostelwand, die wir auf unserer Reise gesehen haben. Die prunkvolle, goldene Ausgestaltung der Kirche ist sehr imposant und hat uns wirklich beeindruckt!

Wir haben unseren Urlaub sehr genossen und werden bestimmt wieder an einer Rundreise teilnehmen. Der große Vorteil ist, dass man sich wenig Gedanken machen muss und zu vielen sehenswerten Orten gebracht wird. Man unternimmt viel und muss sich nicht selber Gedanken um Ausflugsziele machen oder mit dem Leihwagen fahren (zumal der Linksverkehr sicher sehr gewöhnungsbedürftig ist).

Wenn ihr Lust auf eine Reise dieser Art im wunderschönen Zypern habt, dann schaut mal bei den SERVICE-REISEN Gruppenangeboten vorbei!

Bis dann,

Ruth Martin-Weigang und Peter Weigang