Sommer – Sonne – Schären


Woran denkt ihr, wenn jemand von den schönsten Küsten Europas spricht? An die Felsbuchten der Algarve, an die Westküste Norwegens mit ihren majestätischen Fjorden oder die mondäne Côte d’Azur? Klar, das passt, aber kennt ihr auch die Küste von Bohuslän, nördlich von Göteborg? Falls nicht, bekommt ihr hier einen ersten Eindruck von diesem wunderbaren Landstrich mit seinem Schärenarchipel, einem malerischen Mosaik aus kleinen, felsigen und zumeist flachen Inseln. Hier kleben die farbenfrohen Holzhäuschen regelrecht an den Felswänden, unzählige Boote tummeln sich in den kleinen Häfen und Inseln aus rosafarbenem Gestein leuchten im tiefblauen Meer.

Schon bei meinem ersten Besuch an der schwedischen Westküste, der schon einige Jahre her ist, war ich total begeistert und wusste: Das wird nicht mein letzter sein! Im Juni 2018 war es dann soweit. Ich schipperte mit dem Veteranschiff „M/S Nya Skärgarden“ drei Tage entlang der großartigen Küste von Göteborg nach Strömstad. Das Schiffchen aus dem Jahre 1915 bietet Platz für etwa 100 Personen und da wir bei dieser Tour nur 28 waren, hatten wir viel Platz und eine besonders entspannte Atmosphäre. Tagsüber waren wir an Bord und zur Übernachtung an Land, in Hotels direkt am Meer – in den schnuckeligen Orten Fiskebäckskil und Grebbestad. Da ich hier nicht über alles berichten kann, was wir gesehen und erlebt haben, suche ich mal einige besonders sehenswerte Orte für euch heraus.

Der Ort Marstrand, der auf einer autofreien Insel liegt, ist bekannt für seine hübschen Holzhäuser und die Festung Carlsten. Das Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert thront fotogen über dem Ort und hat uns aus der Ferne beeindruckt, auch wenn wir es leider nicht besucht haben. Bei einer Führung durch die idyllischen Gassen gab es aber natürlich ebenfalls viel zu sehen und zahlreiche schöne Fotomotive – seht selbst!

Am zweiten Tag an Bord war das Wetter eher trüb und viele dunkle Wolken tummelten sich am Himmel. Aber selbst bei diesem Licht machte die Fahrt Spaß und die winzigen, unbewohnten Inseln mit ihren abgeschliffenen Felsen wirkten geradezu dramatisch.

Besonders gut gefallen hat mir Smögen, der bekannteste Ort der Region. Nicht einmal 1500 Menschen leben hier, aber im Sommer herrscht ein reges Treiben. Dann bummeln Einheimische und Besucher auf der knapp 1 Kilometer langen Smögenbryggan am Meer entlang, stöbern in den Geschäften oder genießen in einem der Cafés eine Fika – eine typisch schwedische Kaffeepause. Dazu essen die Schweden gerne etwas Süßes, zum Beispiel eine Zimtschnecke (Kanelbullar). Natürlich kann man auch etwas Deftiges zu essen bekommen, es gibt diverse Imbiss-Lokale sowie Restaurants. Bekannt ist die Region für guten Fisch und Meeresfrüchte. Wie wäre es also mit einer Portion Garnelen, ein paar Austern oder einem Fischbrötchen mit Blick aufs Meer? Mein Tipp: Wenn ihr danach bis zum Ende der Smögenbryggan entlang spaziert seid und die fast schon berühmten, bunten Bootshäuschen fotografiert habt, geht noch ein Stück weiter nach oben zur Straße. Von dieser führt euch eine Treppe zunächst in eine kleine Schlucht und der Weg dann in eine fantastische Küstenlandschaft: rosafarbene Felsen, so weit das Auge reicht – wie in einer anderen Welt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele Fotos ich dort gemacht habe… 😉

Habe ich euch schon Lust auf die Schärenküste von Bohuslän gemacht? Es gibt allerdings noch eine gute und eine schlechte Nachricht. Zuerst die schlechte: Die „alte Dame“ M/S Nya Skärgarden wurde inzwischen verkauft und daher wird die Schiffstour inzwischen nicht mehr angeboten. Ab diesem Frühjahr wird das Schiff im Schärenarchipel vor Göteborg eingesetzt – jedoch nur für kurze Tagestouren. Und nun die gute Nachricht: Die Region lässt sich wunderbar von Land aus erkunden und auch kürzere Bootsausflüge sind möglich. Da die Preise der Hotels direkt an der Küste ziemlich hoch sind, würde ich euch als Standort eher Göteborg oder einen Ort im Landesinneren empfehlen.

Wir hatten nach unserer „Kreuzfahrt“ noch einige Tage Zeit und haben das genau so gemacht: Von Göteborg fuhren wir mit dem Auto in rund einer Stunde über eine Autobrücke auf die Insel Tjörn. Hier findet man pittoreske Dörfer mit farbenfrohen Holzhäusern, eine malerische Natur und etwas ganz Besonders für Kunst-Interessierte. Aber auch Kunstbanausen sollten jetzt bitte weiterlesen 😉 ! Zuerst schauten wir uns den Skulpturenpark Skulptur I Pilane im Norden der Insel an. Es handelt sich hierbei nicht wirklich um einen Park, sondern eher um eine Naturlandschaft, in der großartige, teils riesige Skulpturen aufgestellt wurden. Vor einigen Jahren wurde er von einer bedeutenden britischen Zeitung sogar zu einem der zehn schönsten Skulpturenparks Europas gezählt! Besonders gut gefielen mir eine Figur, die hoch oben auf einer Art Reck – quasi auf dem Sprung – zu sehen ist und der riesige, schneeweiße Kopf, der auf einer Anhöhe thront. Von dort hatte man auch einen tollen Ausblick auf das Areal und auf das Meer in der Ferne. Die meisten Kunstwerke wechseln übrigens von Jahr zu Jahr. Wenn der Kopf mal ausgetauscht wird, ist das vermutlich eine größere Aktion…

In Skärhamn, einem wunderschönen Dorf an der Küste, schauten wir uns das Nordische Aquarellmuseum an. Es ist nicht sonderlich groß, aber die Gemälde und Kunstwerke sind wirklich abwechslungsreich. Ich fand es sehr interessant und war überrascht, wie farbenfroh und modern Aquarelle sein können. Witzig fand ich die kleinen Häuschen am Wasser, die gerne (aber nicht nur) an Künstler vermietet werden. Inspirierend ist die Umgebung ganz bestimmt! Wenn ihr dann von euren Besichtigungen Hunger bekommen habt, oder mal wieder eine Fika nötig ist: Das Museum hat auch ein modernes, schönes Restaurant mit einer Terrasse direkt am Wasser. Von dort habt ihr einen wunderbaren Ausblick aufs Meer.

Danach solltet ihr unbedingt über die kleine Fußgängerbrücke hinter dem Museum, gehen, hinüber zu einer kleinen Insel. In ein paar Minuten seid ihr oben auf dem Hügel und habt einen grandioses Panorama mit Schäreninseln und den schnuckeligen, meist roten Holzhäusern von Skärhamn. Was für ein Glück, dass der Akku der Kamera noch fast voll war 😉

An dieser Landschaft, ihren Dörfchen und Farben kann ich mich kaum sattsehen, hier, an einer der (für mich) schönsten Küsten Europas. An der Algarve, der Côte d’Azur und im Westen Norwegens war ich übrigens auch schon, ich habe also einen Vergleich 😉

Wenn ihr nun neugierig geworden seid – ich habe gerade letzte Woche eine passende neue Reise für euch „gebastelt“. Schaut mal vorbei, wenn ihr mit eurer Gruppe Lust habt, all das selbst zu erleben!

Bis bald,

eure Petra Laux | Reiseprofi für Skandinavien