Im Land der mystischen Burgen und Drachen


Eigentlich habe ich mein Herz ja an Schottland verloren. In früheren Beiträgen habe ich euch schon von meinem Auslandssemester und meinem Urlaub im Hausboot in Schottland erzählt. Doch diesmal ging es für uns in ein neues Land: nach Wales!

Das kam eigentlich ganz zufällig: Meine Eltern und ich haben vor gut zwei Jahren einen Beitrag im Fernsehen gesehen, in dem es um Wales, genauer gesagt um die Region rund um den Berg Snowdon, ging. Wir haben uns sofort in die Landschaft verliebt! Es sah bezaubernd aus, und wenn ich ehrlich bin, hat es mich ein wenig an Schottland erinnert. Nach kurzem Überlegen beschlossen wir unser typisches Reiseziel einmal zu ändern. Wir begannen unsere Rundreise durch Nordwales, und damit ein ganz neues Abenteuer, zu planen.

Ich bin so froh, dass ich damals zur richtigen Zeit das richtige Fernsehprogramm geguckt habe, denn sonst wären mir so viele wundervolle Erfahrungen verwehrt geblieben. Das typisch britische Wetter blieb uns hauptsächlich erspart und wir hatten fast ausschließlich Sonnenschein und Temperaturen um die 20 Grad. Das hat dazu geführt, dass die Briten im Hochsommermodus waren, in Shorts herumliefen und im (immer noch sehr eisigen) Meer badeten 😀

Doch auch wir konnten das herrliche Wetter genießen, mit Wanderungen durch die traumhafte Landschaft, Picknicks am Strand und Tea Time auf Café-Terrassen. Wenn ich nur daran denke, würde ich am liebsten sofort zurück!
Wie startet man einen Urlaub besser, als bei strahlendem Sonnenschein und einem Picknick auf einem Berg mit Aussicht aufs Meer und den angrenzenden Strand? In Llandudno konnten wir genau das erleben. Wir haben den Pier erkundet und die himmlische walisische Atmosphäre, fernab von Tourismus und Stress, genossen.

Der Anblick der Menai Suspension Bridge ist beeindruckend. Im Hintergrund überall saftiges Grün und, zumindest während der Flut, spiegelt sich die Sonne im Wasser. Die Brücke verbindet das Festland von Wales mit der Insel Anglesey. Hier sind wir einem Rundwanderweg am Wasser entlang gefolgt. Es gibt keine schroffen Felsen, die Küstenlinie ist ganz seicht, geradezu lieblich und sieht aus wie gemalt. Im Sonnenschein am vollen Strand haben wir ein weiteres Mal gepicknickt und, wer hätte das gedacht, sogar unter Palmen gesessen!

Den Tag haben wir in einem typisch walisischen Pub mit einem „Sundowner“ ausklingen lassen. Das ist ein Getränk zu Sonnenuntergang, in unserem Fall Bier und Whiskey.

Mein absolutes Highlight auf der Isle of Anglesey waren jedoch die „Hidden Gardens“. Ein Teil des Gartens sieht fast schon verwildert aus, grünes Moos, Pflanzen aller Art und Blumen in bunten Farben erstrecken sich über Hügel und es gibt sogar Wasserfälle. Der andere Teil ist ein Walled Garden mit viel Formschnitt. Ich glaube, die Bilder sprechen für sich! Im Tea Room könnt ihr auch typisch britische Scones mit Marmelade essen und einen Tee trinken. Einfach herrlich.

Übrigens, falls ihr nach einem neuen Zungenbrecher sucht: Auf Anglesey gibt es ein Dorf mit dem zweit-längsten Ortsnamen der Welt: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch! Versucht mal das auszusprechen 😀

Von Penmon Point bietet sich euch vom steinigen Strand aus eine wunderschöne Aussicht aufs Meer. Hier warnt ein schwarz-weiß gestreifter Leuchtturm Schiffe vor der Küste und man fühlt sich total mit der Natur verbunden. Genießt einfach die Meeresluft und die Sonne – ruhig auch mit einem Cappuccino im Pilot House Café. Mit fantastischem Ausblick auf den Leuchtturm lässt es sich hier super entspannen und die Seevögel beobachten.

Wenn ihr schon mal in Penmon seid, solltet ihr unbedingt auch noch Penmon Priory besuchen. Efeu rankt entlang der groben Steinwände der alten Kirche aus dem 15. Jahrhundert und lässt sie geradezu mystisch aussehen. Eine Besichtigung lohnt sich sehr und mich hat vor allem auch der Taubenschlag beeindruckt, in dem früher über 500 Vögel lebten. Das war richtig irre zu sehen, wie sie damals für die Menge an Tauben gebaut haben!

Ganz in der Nähe von Anglesey befindet sich Caernarfon. Wundert euch nicht, wenn ihr hier nichts mehr versteht. Die Stadt ist bekannt dafür, dass sehr viele Leute noch als Muttersprache Walisisch sprechen. Das Dorf ist total süß mit seinen kleinen, bunten Reihenhäusern und Schiffen, die am Hafen anliegen.

Vor allem das Caernarfon Castle solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Die große Burg liegt direkt am Wasser und ihre Türme ragen hoch in den Himmel. König Eduard I. ließ sie um 1280 erbauen, um Feinde einzuschüchtern und um Wales Macht zu demonstrieren. Noch heute schafft sie es einzuschüchtern und zu beeindrucken. Ein bisschen fühlt man sich zwischen den steinernen Wänden, wie im Märchen oder als wäre man auf einer echten Ritterburg. Und keine Sorge, hier gibt es auch Info-Schilder in anderen Sprachen als Walisisch. 😉

Einer meiner Lieblingsorte unserer Reise war Portmeirion. Stellt euch ein bunt zusammengewürfeltes Fantasiedorf vor: Farbenfrohe Häuser, hohe Türme und Bauwerke aus allen möglichen Orten und Epochen. Mitten in der Gegend Snowdonia setzte sich der Architekt Sir Bertram Clough Williams-Ellis das Ziel, zu zeigen, dass eine landschaftlich wunderschöne Ecke durch Architektur noch eindrucksvoller gestaltet werden kann. Und das ist ihm auf jeden Fall gelungen! Vor allem der Stil von italienischen Küstendörfern diente als Inspiration für die eindrucksvollen Gebäude, die Türme, Kuppeln und Häuser in allen möglichen Farben. Bei eurem Besuch in Portmeirion könnt ihr mit einem kleinen Bähnchen durch die Straßen fahren oder einen der Rundwanderwege entlang spazieren und euch in eine andere Welt entführen lassen.

Wales ist das Land der „Great Little Trains“. Durch ganz Wales ziehen sich zahlreiche Bahnstrecken, manche für große und manche für kleine Eisenbahnen. Früher wurden diese beim Bergbau genutzt, heute dient es eher als Touristenattraktion. Hauptsächlich werden die Strecken von Ehrenamtlichen in Stand gehalten, die für dieses Hobby mit Leib und Seele brennen und in ihre Arbeit unglaublich viel Leidenschaft und Herzblut stecken.

In Tywyn besuchten wir die ortsansässige Schmalspurbahn und das dazugehörende kleine Eisenbahnmuseen. Der winzige Bahnhof in Tywyn ist total niedlich und auch die tolle Landschaft mit leichten Hügeln, strahlendem Grün und grasenden Schafen ist den Besuch wert. Wir wollten auch unbedingt mit der kleinen Schmalspurbahn, in den teils 100 Jahre alten Waggons, fahren und haben dabei die liebliche Landschaft in uns aufgesogen. Es war wundervoll 🙂

Natürlich haben wir es uns auch nicht nehmen lassen, eines der absoluten Hauptattraktionen der Region zu erleben und mit der einzigen Zahnradbahn Großbritanniens zu fahren. Leider hatten wir das schlechteste Wetter und viel Nebel und Regen an dem Tag, an dem wir mit der Bahn auf den Snowdon, den höchsten Berg in Wales, fuhren. Zunächst hat man aus dem Waggon heraus fast gar nichts gesehen.

Trotzdem war es schön mit der Bahn zu fahren, mit der es relativ steil immer weiter hinauf ging, denn er Gipfel liegt auf 1085 Metern Höhe. Plötzlich passierte aber ein kleines Wunder – der Himmel klarte auf, der Nebel verschwand und mit einem Mal kam die Sonne heraus. Der Moment war fast schon surreal. Auf einmal konnten wir die atemberaubende Landschaft sehen: Grüne Wiesen, von Steinen durchzogen und nicht so seicht, wie im Rest von Wales, sondern eher rau, so wie ich es in Schottland liebe. Es war wirklich ein einmaliger Anblick. Auf der Bergspitze angekommen, stiegen wir aus der Bahn und hatten etwas über eine halbe Stunde, bevor wir wieder zurückfahren würden – genug Zeit um ein wenig zu wandern und die Gegend zu genießen! 

Besonders beeindruckt war ich auch vom Pontcysyllte-Aquädukt. Es ist seit 2009 UNESCO-Weltkulturerbe und sieht wirklich toll aus, ein bisschen wie riesige aneinandergereihte Torbögen. Doch das Besondere ist, dass man auf einer Seite des Aquädukts ganz normal als Fußgänger entlang spazieren kann, während sich auf der anderen Seite ein Kanal befindet. Wenn ihr also einfach auf dem Fußweg lauft, kann euch jeden Moment ein Boot entgegenkommen! So etwas habe ich noch nie gesehen und ich würde euch einen Besuch wärmstens empfehlen.

Der letzte Stopp unserer Rundreise war Llangollen, ein Dorf am Fluss Dee. Hier wäre ich am liebsten noch viel länger geblieben – es ist so ein süßer kleiner Ort. Am Bahnhof kann man in einem ausrangierten Waggon einen Kaffee oder Tee trinken, was eine wirklich originelle Idee ist. Mitten durch die Stadt führt der Fluss, der auch zum Wild Wasser Rafting genutzt wird, so dass es schon mal vorkommen kann, dass ihr durch die Straßen lauft und plötzlich Kajaks oder Schlauchbooten neben euch auftauchen 😀 Ein herrliches Spektakel und im Sommer sicherlich allein schon eine Attraktion.

Wir hatten eine sehr nette Begegnung mit einem jungen Mann, der in einem Café arbeitete, das wir besucht haben. Er hat uns Deutsch sprechen gehört und es stellte sich heraus, dass er selbst aus Mönchengladbach kam! Wir haben uns dann den Abend über sehr gut mit ihm unterhalten. Er war, wie viele andere, die wir trafen auch, sehr überrascht, dass wir als Deutsche in dieser Gegend Urlaub machten. Hauptsächlich wurden die Touristenangebote in Wales nämlich von Walisern selbst oder Engländern in Anspruch genommen. Viele Einheimische schienen freudig überrascht, dass wir uns ihre Heimat als Urlaubsziel ausgesucht hatten.

Im Nachhinein war das ein Grund, warum unsere Reise so schön war. Nichts hat sich touristisch angefühlt, sondern wir hatten eine vollkommen authentische Urlaubserfahrung. Ich würde die Rundreise sofort nochmal machen, vielleicht sogar mit genau den gleichen Reisezielen, einfach weil es dort noch so viel zu entdecken gibt, wofür wir einfach keine Zeit mehr hatten. Wales ist kein typisches Urlaubsziel vieler Deutscher, anders als Schottland, Irland oder England. Ich würde euch allerdings empfehlen, Wales einfach mal eine Chance zu geben und das wunderschöne Land selbst zu erkunden.

Wenn ihr nun genau darauf Lust bekommen habt, schaut doch mal bei unseren Gruppenreiseangeboten vorbei.

Viel Spaß und bis bald,

Claudia Rempe | Reiseprofi für Benelux und Schweiz