Sarah in London – Christmas in England


Tis the season! Es weihnachtet sehr – auch bei mir in London! Wenn man erstmal im Ausland lebt, fallen einem erst die typisch deutschen Weihnachtsbräuche richtig auf. Vieles an Weihnachten in England ist schon anders. Klar, es gibt andere Traditionen und Bräuche aber vor allem das Weihnachtsfest an sich unterscheidet sich in einigen Punkten. Aber der Reihe nach.

Ähnlich wie bei uns, erhellen auch in England in der Vorweihnachtszeit viele schöne Lichter die Straßen. Die kalten und dunklen November- und Dezembertage werden so deutlich schöner und gemütlicher, wenn es aus allen Ecken heraus funkelt. Zum Glück konnte ich meinen Adventskalender problemlos kaufen, die gibt es hier auch im Einzelhandel, allerdings wurde ich etwas schräg angeschaut, als ich von meinem Adventskranz erzählte – das scheint eher typisch deutsch zu sein.
Eine andere schöne Tradition, die langsam zu uns überschwappt, ist der Mistelzweig-Kuss. Bestimmt habt ihr in Filmen schon Mal gesehen, dass sich Pärchen in der Weihnachtszeit unter einem Mistelzweig küssen. Das ist eine Tradition in England, die bereits seit dem 17. Jahrhundert besteht!

Was mir jedoch am meisten aufgefallen ist, sind die Weihnachtsmärkte. Ich vermisse deutsche Weihnachtsmärkte! Fast jede Stadt hat zumindest irgendwann einen noch so kleinen Weihnachtsmarkt und sobald man in Weihnachtsstimmung kommen möchte, kann man ganz einfach dorthin gehen und einen Glühwein trinken. In London gibt es einen großen Weihnachtsmarkt – einen echten „German Christmas Market“! 😀 Da war ich neugierig, wie hier die Weihnachtsmärkte aussehen und muss dann feststellen, dass unsere Märkte ein weiterer Exportschlager sind! Die Stadt London lädt extra deutsche Schausteller ein, für einen Monat in die Hauptstadt zu kommen, um diesen Markt so originalgetreu wie möglich zu gestalten – es ist also gut möglich, dass ihr euren Glühwein auf deutsch bestellen könnt.
Was am ehesten an ein typisches Weihnachtsgetränk durchgehen kann, und bei meinen Freunden für Weihnachtsstimmung sorgt, sind die Starbucks Christmas Drinks mit Cranberries oder Fudge. Da es die Getränke heiß und kalt gibt, konnte ich mich damit bisher noch nicht anfreunden. Ich habe auch gelernt, dass es so etwas wie Dominosteine und Marzipankartoffeln auch nur typisch bei uns gibt. Schon komisch, wie einem manche Dinge erst auffallen, wenn es sie nicht gibt.

Am 14. Dezember ist der Christmas Jumper Day, an dem alle witzige, kitschige und oftmals absichtlich hässliche Weihnachtspullis tragen. Das ist schon komisch, wenn die ganzen Kollegen, die normalerweise so business-mässig aussehen, auf einmal mit Rudolph dem Reentier-Pullovern zur Arbeit kommen. Organisiert wird das Ganze von der Save The Children Foundation, die gleichzeitig Spenden für gute Zwecke sammelt. Für so einen Zweck macht man den Spaß doch gern mit.
Eine sehr witzige Aktion, die ebenfalls Geld für gute Zwecke sammelt, sind die „Santa Runs“, die in verschiedenen Städten veranstaltet werden. Um an dem Spendenlauf mitzumachen, ist die einzige Bedingung sich von Kopf bis Fuß (inklusive Bart) als Weihnachtsmann zu verkleiden. Es sieht einfach so witzig aus, wenn hunderte Menschen als Santa verkleidet durch die Gegend rennen!

Einer weiterer wichtiger Tag ist der „Stir Up Sunday“, an dem der traditionelle Christmas Pudding gekocht wird. Dieser findet schon vor der Adventszeit statt, am letzten Sonntag vorm ersten Advent, um genau zu sein. Danach hat der Pudding dann ganze vier bis fünf Wochen Zeit um richtig durchzuziehen, bevor er als Teil des traditionellen Weihnachtsessens verspeist wird. Das finde ich wiederum eine schöne Tradition in die Weihnachtszeit zu starten.

Wo wir schon beim Weihnachtsessen sind – die Briten nehmen ihr „Christmas Dinner“ sehr ernst. Dieses findet an Heiligabend statt und traditionell gibt es Truthahn mit Kartoffeln und Gemüse und natürlich den Christmas Pudding zum Nachtisch. Es handelt sich hierbei übrigens nicht um das, was wir uns unter Pudding vorstellen, sondern um ein Früchte- und Nussbrot mit etwas Brandy. Es ist eher wie ein kleiner Kuchen, der oftmals feierlich angezündet wird, da der Alkohol das Ganze nochmal schön flambiert. Im Laufe des Abends kommen die „Christmas Crackers“ zum Einsatz. Die kleinen Knallbonbons, die mit Freunden oder Familie geöffnet werden, beinhalten zum Beispiel Witze und Papierhüte, die während des Abends getragen werden. So etwas kennen wir höchstens von Silvesterfeiern.

Bei all den schönen Traditionen und Bräuchen gibt jedoch keinen Nikolaus. Santa kommt nur einmal, und zwar am morgen des 1. Weihnachtsfeiertages. Erst nach dem Weihnachtsessen – über Nacht – kommt Santa Claus und füllt die Strümpfe am Kaminsims und legt Geschenke unter den Weihnachtsbaum. Als Stärkung stellen die Kinder Santa einige Mince Pies und ein Glas Brandy – oder Whisky in Schottland – bereit… ein bisschen etwas anderes als die Kekse mit Milch, die Santa in Amerika bekommt 😀 Mince Pies sind kleine fruchtig gefüllte Mürbteigküchlein, nicht größer als ein Plätzchen.
Am nächsten Morgen werden die Geschenke dann mit der Familie teils noch im Schlafanzug ausgepackt und der 25. Dezember wird als „Christmas Day“ gefeiert.

Am 26. Dezember folgt auch in England ein weiterer Feiertag, der sogenannte „Boxing Day“. Hier bekamen Angestellte früher von ihren Arbeitgebern Geschenke, die natürlich in Geschenkboxen verpackt waren, daher der Name.
Dass andere Länder andere Bräuche haben, war mir ja klar. Dass es jedoch so zahlreiche Unterschiede gibt, hätte ich irgendwie nicht gedacht. Eins ist jedoch länderübergreifend gleich: der Christmas Spirit. Die ganze Atmosphäre von Weihnachten kommt auch für mich trotz aller Unterschiede auf das Fest mit meiner Familie.

Ganz egal wo und wie ihr dieses Jahr Weihnachten feiert,
ich wünsche euch eine wunderschöne Weihnachtszeit mit euren Lieben.

Frohe Weihnachten und Merry Christmas,

Sarah Hentschel, „Außenstelle“ London