Afternoon Tea & Edinburgh Castle


Stellt euch vor, ihr seid jung, wollt die Welt entdecken, und stürzt euch in das Abenteuer Auslandssemester. Große Städte, wundervolle Natur, Sommer, Sonne, Meer…. – was reizt euch? Große Stadt, wundervolle Natur und Meer hat geklappt und dennoch war mein Start ins Auslandssemester ein bisschen anders, denn ich kam im Januar in Edinburgh an. 😀 Statt schönstem Sonnenschein erwartete mich Regen, Frost und Schnee. Trotzdem habe ich die schottische Hauptstadt schnell lieben gelernt, denn sie geht einfach ins Herz! Und im Frühling und Sommer konnte auch ich dort viele schöne Sonnenstunden genießen.

Besonders die Schotten mit ihrer super umgänglichen Art haben mir den Einstieg in ein fremdes Land und eine neue Kultur sehr leicht gemacht. Sie sind nicht nur stets freundlich und hilfsbereit, sondern auch unheimlich interessiert, sobald sie merken, dass man von außerhalb kommt. Egal, ob man – so wie ich damals – für längere Zeit in der Stadt ist oder nur einen kurzen Trip durch Schottland macht, ihr werdet auf jeden Fall die Gelegenheit bekommen, neue Bekanntschaften zu schließen. Auch deshalb fühle ich mich bei den Schotten immer willkommen! 

Neben den Menschen hat mich die Geschichte Edinburghs gleich gefesselt. An der Napier University, wo ich mein Auslandssemester absolviert habe, liegt der Fokus des Tourismus Studiums auf dem sogenannten „Heritage Tourism“, also Tourismus, der sich den Überlieferungen und dem Erbe eines Landes oder Ortes widmet. Das passt prima zu Edinburgh, denn die Menschen sind hier sehr stolz auf ihre Wurzeln.

Meine Empfehlung lautet, dass ihr bei einer Reise nach Edinburgh unbedingt das imposante Schloss besuchen solltet und vor allem genügend Zeit dafür einplant. Mir ist es nicht nur einmal passiert, dass ich Familie oder Bekannte auf eine Tour durchs Edinburgh Castle geschickt habe und mir nach der vereinbarten Zeit sagen lassen musste: „Wir sind noch nicht fertig, es ist voll interessant hier!“ 😀 Wenn ihr euch die Kronjuwelen, den „Stone of Destiny“, auf dem jahrhundertelang die Krönung der schottischen und teils auch der englischen Könige stattgefunden hat, den Nachbau eines Gefängnisses und vieles mehr intensiv anschauen wollt, solltet ihr auf jeden Fall drei bis vier Stunden einkalkulieren. Wenn euch das in Sachen Historie noch nicht reicht, könnt ihr anschließend noch das National Museum of Scotland besuchen. Hier erfährt man alles rund um die Themen Natur, Wissenschaft, Technologie, Kunst, Design und Mode Schottlands. Es ist ideal für einen Regentag und das beste ist: Der Eintritt ist frei!

Auf den Straßen Edinburghs wird die Geschichte der Stadt am besten beim Vergleich der Old Town und New Town sichtbar. Die Old Town ist ganz ohne Planung und deshalb auf natürliche Art und Weise im Mittelalter gewachsen und so gibt es hier und da auch mal einen komischen Straßenverlauf oder eine sehr enge und verwinkelte Gasse. Sehr faszinierend finde ich übrigens, dass die Schotten hier vor so vielen Jahrhunderten schon fünf- oder sogar sechsstöckige Gebäude errichtet haben. In der New Town dagegen erscheint alles geordneter, denn dieser Teil der Stadt ist am Reißbrett entstanden. Dabei wurden überall großzügige Gärten und viel Freifläche eingeplant. So haben beide Teile der Stadt eine ganz eigene Atmosphäre und es macht unheimlich viel Spaß einfach zwischen den Gassen zu wandeln. Wundert euch aber nicht, dass in der New Town manche Fenster zugemauert oder anderweitig verbaut wurden: Das hat mit der schottischen Kreativität beim Geldsparen zu tun. Bevor es eine Art Einkommenssteuer gab, wurde in Edinburgh versucht durch eine Fenstersteuer die wohlhabenden Bürger steuerlich mehr zu beteiligen. So viel sei gesagt, Kerzen waren zu dieser Zeit ein Verkaufsschlager. 😉

Mein kleiner Geheimtipp für euch ist übrigens das „Dean Village“, das ich erst nach einigen Jahren als Schottland-Fan entdeckt habe. In diesem ehemaligen Dorf, heutigen Viertel, gab es in der Blütezeit bis zu elf aktive Getreidemühlen, die die Menschen der Region versorgt haben. Da der Weg dorthin nicht ausgeschildert ist, ist es gar nicht so leicht zu finden. Am westlichen Ende der Princess Street biegt ihr in die Queensferry Street ein, die anschließend in den Lynedoch Place übergeht bis zur Dean Bridge an den Fluss „Water of Leith“.. Wo früher viele Mühlen waren, muss natürlich auch Wasser gewesen sein. 😉 Hier nehmt ihr links ab die Bells Brae und schon seit ihr in einer anderen Welt. Man kann dem Fluss einfach folgen und erlebt eine wunderschöne Reise durch ein Dorf mitten in der Stadt.

Neben dem Dean Village gibt es noch weitere Orte, die ich während eines Besuchs in Edinburgh immer besuche. Einer davon ist die St. Giles Kathedrale, die sich auf der Royal Mile befindet. Obwohl das wunderschöne Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert schon für sich eine absolute Sehenswürdigkeit ist, rate ich euch, mal einen Blick um die Ecke in die kleine Seitenkapelle zu werfen, die Heimat des „Order of the Thistle“ ist. Sie ist zwar nicht immer geöffnet und kostet wenige Pfund Eintritt, aber wenn Ihr die Möglichkeit habt, solltet ihr sie erfreifen. An den Seiten des Gebäudes könnt ihr zahlreiche Stühle mit tollen Schnitzereien und Wappen sehen, und auch die aus Stein gemeißelte Deko an der Decke ist wunderschön. Bei einem meiner letzten Besuche hatten wir auch großes Glück, denn zufällig hat ein kostenloses Konzert in der Kathedrale stattgefunden, dessen Atmosphäre einfach nicht zu überbieten ist. Es lohnt sich also definitiv die Augen offen zu halten und spontane Möglichkeiten wahrzunehmen.

Ein weiterer Stopp, der bei keiner Edinburgh-Reise fehlen darf, ist Kaffee und Kuchen in Clarinda’s Tearoom. Wie an so vielen meiner Lieblingsorte in Edinburgh fühlt ihr euch auch hier, als wärt ihr in eine andere Zeit katapultiert worden. In Clarindas Teestube sieht es aus wie in einem Sammelsurium von vielen älteren Damen, die Hals über Kopf der Sammelleidenschaft verfallen sind. An den Wänden hängen viele bunte Tellerchen, auf den Tischen liegen Spitzendeckchen und kein Gedeck passt zum anderen. Schon das Ambiente ist einfach toll, aber die Kirsche auf dem Sahnehäubchen sind die köstlichen, selbstgebackenen und immer frischen Kuchen, von denen es einen ganzen Tisch voll gibt. Weil es hier so toll ist, ist auch immer einiges los. Meistens muss man einen Moment warten, bis ein Plätzchen frei geworden ist. Ich verspreche euch allerdings, dass es sich lohnt!

Wo wir gerade beim Essen sind: Wofür wäre Schottland bekannt, wenn nicht für sein Nationalgericht Haggis? Für mich war es ehrlich gesagt nicht einmal etwas großartig Neues, als ich es zum ersten Mal probiert habe, denn in Norddeutschland, wo ich herkomme, gibt es ein ganz ähnliches Gericht. Es nennt sich Knipp und wird statt aus Schaf, aus Schwein und Rind hergestellt. Wenn Haggis nichts für euren Geschmack ist, könnt ihr ja mal die vegetarische Version probieren 😛 . Ihr findet aber auch andere traditionell schottische oder britische Gerichte in so gut wie jedem Pub. Als Anlaufstellen könnt ihr euch die Rose Street, hier gibt es viele traditionelle Kneipen, oder das Viertel Leith merken. Seit gut zehn Jahren entwickelt sich hier am Hafen eine Szene mit vielen Clubs, Pubs und Restaurants, bei der ich sehr gespannt bin wohin die Reise in den kommenden Jahren führen wird.

Habt ihr nun Lust bekommen Edinburgh auch mal für eure Reisegäste anzubieten? Dann schaut doch bei den vielfältigen Gruppenreiseideen meiner Kollegen aus der UK-Abteilung vorbei. Etwas ganz Besonderes ist aber auch ein Besuch beim sogenannten „Military Tattoo“, das ist eine Militärparade mit Dudelsackspielern, Tänzern und einzigartigen Lichteffekten vor der bezaubernden Kulisse des Edinburgh Castle (schaut euch nur mal dieses Video an!) – dafür haben wir natürlich Tickets für eure Gruppe. Sprecht uns gern an. 🙂 Und wenn dafür der Weg nicht ganz so weit werden soll, gibt es auch eine schöne „Festlandvariante“ in Basel. Hierfür ruft mich einfach an.

Bis bald,

Claudia Rempe | Reiseprofi für Benelux und Kreuzfahrten