Störtebeker, Kaiserbäder und das Meer


„Ahoi ihr Landratten!“, heißt es jedes Jahr im Freilichttheater in Ralswiek auf der Insel Rügen, denn dort finden mit über 150 Schauspieler, Pferden, Kanonen und echten Schiffen die Störtebeker Festspiele statt. Ich war nun schon sieben Mal dabei und jedes Mal hat mich eine neue Geschichte um den legendären Seeräuber, der zum Ende des 14. Jahrhunderts gelebt haben soll, in ihren Bann gezogen. Dabei könnten sich Teile der Aufführungen genau hier, genau so abgespielt haben. Schließlich war der Ort Ralswiek im Mittelalter eine der wichtigsten Hafenstädte in der Ostsee. Hier wurden Überreste von Specksteinschalen aus Norwegen, Keramik aus Schweden und sogar Münzen aus dem arabischen Raum gefunden – kein Wunder also, dass die Seeräuber da auch mit von der Partie waren.

Wenn ihr die Störtebeker Festspiele besucht, empfehle ich euch, auch das Vorprogramm zu besuchen. Das besteht immer aus einer atemberaubenden Greifvogel-Flugshow mit Adlern, Bussarden sowie Falken und 2019 wird vom 22. Juni bis zum 07. September auf der Theaterbühne gespielt. Tickets solltet ihr auf jeden Fall schon jetzt reservieren, besonders wenn ihr gute Plätze haben möchtet. Mein Top Tipp ist die Platzgruppe 2. Hier seid ihr nicht zu nah dran, aber auch nicht zu weit weg. Vergesst außerdem eure Regenjacke nicht! Sicher ist sicher. 😉 Natürlich haben wir auch eine Reiseidee zu den Störtebeker Festspielen im nächsten Sommer für euch.

Seeräuber Klaus Störtebeker hat seine Spuren allerdings nicht nur in Ralswiek hinterlassen. Eine der Legenden, die sich um ihn ranken, hat mit den spektakulären Kreidefelsen Rügens zu tun. Die berühmteste der Kreidefelsformationen ist definitiv der Königsstuhl, den viele sicher auch durch das berühmte Gemälde des Malers Caspar David Friedrich kennen. In der unmittelbaren Region um den Königsstuhl, die Stubbenkammer genannt wird, soll Störtebeker seinen Schatz von enormem Wert versteckt haben. Gefunden wurde natürlich nie etwas. Ihr solltet die Kreidefelsen unbedingt besuchen, auch wenn ihr nicht auf Schatzsuche gehen wollt. Ihr könnt zwar mit dem Auto oder dem Bus in Richtung des Königsstuhl fahren, direkt vor Ort parken könnt ihr allerdings nicht. Aktuell wird außerdem viel auf Rügen gebaut, vor eurem Besuch könnt ihr euch hier informieren, wie ihr am besten zum Königsstuhl kommt. Vom Parkplatz bis zur Küste sind es circa 30 Minuten zu Fuß. Dann steht ihr schon auf der Aussichtsplattform, der wunderbare Geruch des Salzwassers steigt euch in die Nase und ihr habt einen atemberaubenden Blick über das Meer.

Wenn ihr euren kleinen Störtbeker-Trip abrunden wollt, müsst ihr unbedingt noch das Störtebeker Bier aus Stralsund probieren. Am besten passt es zu einem leckeren Fischbrötchen, dass ihr auf Rügen eigentlich an jeder Ecke bekommt. Meiner Meinung nach isst es sich allerdings an der Strandpromenade des größten Orts auf Rügen, in Binz, am besten.

Wenn ihr gerne Schlösser und Museen besucht, könnt ihr in diesem Zug auch gleich noch das Jagdschloss Granitz besuchen, welches nur eine etwa viertelstündige Fahrt vom Binzer Ortskern entfernt liegt. Da sich das Schloss in staatlicher Hand befindet, wurde es Ende der 80er Jahre umfassend restauriert und zum Museum umgebaut. Spektakulär ist der Blick vom 38 Meter hohen Mittelturm. Von hier aus könnt ihr die ganze Insel überblicken. Auch schön stelle ich mir die Mondscheinwanderungen zum Schloss vor, die ich selbst allerdings noch nicht ausprobiert habe. Falls ihr bei der Mondscheinwanderung schon mal dabei wart, lasst mir doch gerne einen Kommentar da, wie es euch gefallen hat.

Echtes Ostseeflair könnt ihr aber nicht nur auf Rügen, sondern auch auf der zweitgrößten deutschen Ostseeinsel Usedom erleben. Besonders schön sind hier die drei Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Im ehemaligen deutschen Kaiserreich waren die Ostseeinseln und besonders Usedom bei Schauspielern, Industriellen und Staatspersönlichkeiten sehr beliebt und deshalb wurden hier so viele wunderschöne und extravagante Villen als Ferienhäuser gebaut. Sie sind der Beginn von dem was wir heute als Bäderarchitektur kennen und mit großen Fenstern, Veranden, kleinen Türmchen auf dem Dach und weißen Fassaden verbinden. Zum Erkunden der legendären Kaiserbäder empfehle ich euch diese Reiseidee.

Wenn ihr ein bisschen mehr Trubel, Möglichkeiten zum Einkaufen und Buden an der Strandpromenade mögt, dann seid ihr auf Usedom in Zinnowitz am besten aufgehoben. Das einzige Problem ist, da hier eigentlich immer etwas los ist, kann es manchmal schwierig sein einen Parkplatz zu finden. Mein Tipp für euch ist der Sportplatz, der nur etwa 10 Minuten zu Fuß von der Strandpromenade entfernt ist. Hier könnt ihr für zwei Stunden kostenlos parken, was in Zinnowitz genug Zeit für einen kleinen Spaziergang und ein leckeres Essen ist. Im Strandhotel Preussenhof oder im Garni Komoran bekommt ihr immer ein tolles Fischgericht serviert.

Meine letzten beiden Tipps sind für diejenigen unter euch, die Usedom zu ganz besonderen Zeitpunkten besuchen. Am 3. Oktober zum Beispiel, dem Tag der Deutschen Einheit, findet auf der Ostseeinsel das längste Feuerwerk über die Ländergrenzen hinweg statt, denn wie ihr sicher wisst, gehört ein Teil der Insel Usedom zu Polen. Jedes Jahr beginnt das Feuerwerk im westlichsten Ort der Insel, in Peenemünde, und schlängelt sich dann weiter von Stadt zu Stadt über die deutsch-polnische Grenze bis nach Międzywodzie ganz im Osten. Mindestens genauso schön ist es in Heringsdorf, wenn es mal wieder Zeit für eine Fußballweltmeisterschaft ist, denn hier am Ostseestrand wird eine riesige Leinwand im Meer aufgebaut, sodass sich eine herrliche Public Viewing Arena mit Sand unter den Füßen ergibt. Der Ursprung dieses Spektakel ist übrigens die Fußball WM 2006, bei der das ZDF hier sein Expertenstudio untergebracht hatte.

Ihr merkt, die deutschen Inseln in der Ostsee sind unheimlich vielfältig und ihr könnt die verschiedensten Abenteuer erleben. Egal, ob ihr auf Schatzsuche gehen wollt und gerne den Sagen um den legendären Seeräuber Klaus Störtebeker lauscht oder, ob ihr euch lieber in den Trubel der Ostseebäder stürzt und die unzähligen wunderschönen Strandpromenaden erkundet – an der Ostsee ist für jeden etwas dabei!

Bis bald,

Steffi Träger | Profi für Marketing und Vertrieb Deutschland