USA – Mein Traum vom Wilden Westen


Wie beginne ich einen Blogpost über meine bis dato schönste, emotionalste und eindrucksvollste Reise? Über eine Reise, bei der so viele Wünsche in Erfüllung gegangen sind, dass ich mein Glück, auch jetzt wieder beim Schreiben und Erinnern, nicht fassen kann (sorry, für diese sehr dramatischen Anfangsworte^^)? Über eine Reise, von der ich am liebsten jeden einzelnen Moment mit euch teilen würde?

Let’s start with the basics: Im September 2017 ging es für meinen Freund und mich für 16 Tage in den Westen der USA. Anders als die meisten Pauschalrundreisen, die ab/bis Los Angeles laufen, haben wir uns dazu entschlossen unseren An- und Abreiseort nach San Francisco zu verlegen. Mit dem Uhrzeigersinn haben wir uns dann in Richtung Osten des Landes bewegt, um am Ende wieder in „Fog City“ zu landen. Uns war wichtig, die Reise mit vier Aufenthaltstagen in „San Fran“ zu beenden – wie sich am Ende herausstellte: eine absolut richtige Entscheidung! We love SF!

Mit dem heutigen Post nehme ich euch zunächst mit zu den Naturhighlights auf der Etappe zwischen Bryce und Grand Canyon und verrate euch natürlich auch die wichtigsten Tipps.

 

 

Solltet ihr eine ähnliche Reise machen, empfehle ich euch beim ersten Nationalpark nicht den normalen Eintritt zu bezahlen, sondern den America the Beautiful Annual Pass zu kaufen. Für $80 (Stand 09/2017) könnt ihr damit ein ganzes Jahr lang in so gut wie alle Nationalparks der USA. Bei vier Parks, von denen wir einen an zwei Tagen besucht haben, war das günstiger als die einzelnen Eintrittspreise.

Bevor ihr euch zu einem der Parks aufmacht, prüft unbedingt auf den offiziellen Webseiten, ob es wichtige Meldungen gibt! Besonders Straßensperrungen könnten eure Tagesplanung ganz schön durcheinander werfen. Wir mussten zum Beispiel auf den besten Aussichtspunkt im Yosemite Nationalpark verzichten, da die Straße wegen eines Waldbrands dicht war… die Erlebnisse der nächsten Tage haben uns dennoch sehr gut darüber hinweg getröstet. 😉

Nun aber mitten rein in den Wilden Westen!

Bryce Canyon

Hier hat es uns das erste – und nicht letzte – Mal so richtig den Atem verschlagen! Als wir den Blick in das sogenannte Amphitheater werfen konnten, überraschten uns unzählige Felstürmchen, die majestätisch anmutend von der Sonne angestrahlt wurden und uns so die schönsten Facetten ihrer rot-beigen Farbkleider präsentierten. Diese als „Hoodoos“ bezeichneten Türmchen ragen an einigen Stellen bis zu 60 Meter in die Höhe und machen den Bryce Canyon zu einem einzigartigen Nationalpark. Von den Aussichtspunkten Sunrise Point, Sunset Point, Inspiration Point und Bryce Point eröffneten sich für uns immer wieder neue und abwechslungsreiche Perspektiven, die uns weitere kleine Details der „Hoodoo“-Formationen entdecken ließen – auf die Sichtweise kommt es eben an.

Der Bryce ist übrigens gar kein echter Canyon, da er nicht von einem Fluss ausgewaschen wurde. Die vielen Felsspitzen entstanden und entstehen durch gefrierendes und auftauendes Wasser, denn hier können die Temperaturen in der Nacht selbst im Sommer unter null Grad sinken.

Wichtig: Plant den Besuch nicht zu spät am Tag ein, da der Canyon ab ca. 17 Uhr immer weiter in den Schatten rückt – und erst die Strahlen der Sonne verleihen dem Bryce seinen besonderen Farbenzauber.

 

Monument Valley

Stellt euch vor, ihr träumt seit Jahren davon das Monument Valley zu besuchen. Dann, auf der Autofahrt dorthin, bricht ein unglaubliches Unwetter über euch herein. Eure Hoffnung, endlich die beeindruckenden Felsformationen vor strahlend blauem Himmel zu sehen (geschweige denn, sie überhaupt zu sehen), werden von Unmengen an Regen und Hagelkörnern einfach so weggespült. Wegen der turbulenten Fahrt im Schneckentempo haben wir schließlich auch noch unsere Tour verpasst, für die wir uns schon angemeldet hatten – na prima. 🙁 Aber hier wurde uns eines bewusst: Alles passiert aus einem bestimmten Grund! Unser Glück war, dass wir uns im Vorfeld für Dineh Bekeyah Tours entschieden haben. Trotz unseres „viel-zu-spät-Kommens“ hat die Besitzerin Charlene Johnson nach unserem Eintreffen alle Hebel in Bewegung gesetzt, noch einen Guide für uns zu organisieren. Kaum ging die Tour los, hörte es auf einmal auf zu regnen. Besser noch: der Himmel riss auf und die Sonne hieß uns auf unserer Fahrt willkommen. Wir konnten einfach nicht glauben, dass der Wettergott uns tatsächlich erhört hatte.

Unser Fahrer Stephen Holiday war einfach super: Er hat uns nicht nur alles Wissenswerte zum Monument Valley erklärt und jede Frage humorvoll beantwortet, sondern auch von seinem eigenen Leben als Native American erzählt. Wir hatten von der ersten Minute an das Gefühl, mit einem guten Kumpel unterwegs zu sein, der seine Leidenschaft für Fotografie mit uns teilte und immer wieder Tipps für gute Aufnahmewinkel und Kameraeinstellungen gab. Absolutes Highlight und Gänsehaut-Moment zugleich war, als er uns auf seiner indianischen Flöte etwas vorgespielt hatte, während wir ganz alleine mit ihm in dem ausgehöhlten Felsen „Big Hogan“ saßen. WOW!

Nun noch ein paar Tipps und Hinweise zum Monument Valley: Das Gebiet gehört dem Navajo Stamm, weshalb ihr $20 Eintritt pro Fahrzeug (Stand 09/2017) bezahlt. Wir würden euch davon abraten, die Route durch das Valley mit dem eigenen Mietwagen zu fahren, es sei denn, ihr habt einen vier-Rad-Antrieb und seid geübte Off-Road-Fahrer! Lasst euer Auto besser auf dem Besucherparkplatz stehen und macht auch eine der geführten Touren mit. Der erste Streckenteil ist noch relativ befestigt, aber später wird es in dem Wüstensand ganz schön holprig. Vor Ort könnt ihr die Touren übrigens bei der winzigen blauen Holzhütte buchen, dort ist von jedem Anbieter ein Vertreter zu finden. In dem großen Gebäude befindet sich das Visitor Center und ein Hotel – muss man auch erst einmal wissen.

 

Lower Antelope Canyon

Man fühlt sich fast wie auf einem anderen Planeten, wenn man zwischen den roten, vom Wasser geschliffenen Sandsteinfelsen läuft! Die Formen und Farben sind so unglaublich atemberaubend, dass man alle paar Schritte eine Ewigkeit lang verweilen könnte, um alles in sich aufzunehmen. Die Betonung liegt hier aber auf könnte, denn wer den Antelope Canyon besucht, muss sich im Klaren darüber sein, dass es sich hier um Massentourismus handelt! Die Guides treiben die Besucher im Prinzip wie ihre eigene kleine Herde durch den schmalen Spalt in der Erde und erinnern alle paar Minuten daran, nicht länger als fünf Sekunden stehenzubleiben. Hier geht es zwar vor allem um die Sicherheit der Touristen, damit es nicht zu einem Stau und so vielleicht zu Panik auf dem engen Raum kommt, dennoch ist es schade, dieses Naturschauspiel nicht in Ruhe bestaunen zu können. Ob wir den Besuch dennoch empfehlen würden? Auf jeden Fall! Dieser außergewöhnliche Canyon ist es trotz der beschriebenen Umstände allemal wert. Die Fotos sprechen doch für sich, oder?

Auch dieses Highlight liegt im Navajo Reservat, weshalb eine Eintrittsgebühr von $8 (Stand 09/2017) fällig wird. Der Canyon darf nur mit einem Guide betreten werden, was $40 für ca. eine Stunde kostet. Ihr solltet die Tour auf jeden Fall im Vorfeld (am besten mehrere Wochen vorher) online reservieren und dürft nicht vergessen, die Buchung einen Tag vorher noch einmal zu bestätigen. Im Sommer raten wir euch zum Besuch am Morgen / frühen Vormittag, denn man sollte nicht vergessen – man ist hier in der Wüste! Und da wird es knackig heiß…

Bei schlechtem Wetter wird der Canyon übrigens geschlossen, da er sich bei Regen mit Wasser füllt und zur tödlichen Gefahr wird. Hätten wir unsere Führung am Tag davor geplant, wären wir wegen des oben genannten Unwetters also gar nicht in den Genuss dieser Erfahrung gekommen. Behaltet also die Wettervorhersagen im Auge!

 

Horseshoe Bend

Irre sieht sie aus, die hufeisenförmige Schleife, die der Colorado River bei Page macht. Das grüne Wasser bildet einen tollen Kontrast zu den roten Felsen und der Flussverlauf scheint wie mit einem Zirkel gezogen. Für Leute mit Höhenangst gilt zu bedenken: Aktuell gibt es nirgends Geländer oder sonstige Absperrungen und ihr könnt überall direkt bis an den ca. 300m tiefen Abgrund gehen. Alles ist naturbelassen – asphaltierte Aussichtsplattformen oder ähnliches gibt es nicht. Festes Schuhwerk ist deshalb ein Muss! Im Sommer solltet ihr den zehnminütigen Fußweg vom Parkplatz bis zur Observation Area nicht unterschätzen und unbedingt ausreichend Getränke mitnehmen, denn die Sonne brennt unerbittlich. Der Besuch ist übrigens komplett kostenfrei (Stand 09/2017) und liegt direkt auf dem Weg zum Grand Canyon.

 

Grand Canyon

Seinen Namen hat er absolut zu Recht, denn er ist wirklich gigantisch!

Wir sind den südlichen Canyon-Rand abgefahren und haben an den verschiedenen Aussichtspunkten angehalten. Los ging es mit „Desert View“, der mit dem alten Desert View Watchtower, auf den man auch hoch kann, wunderschön ist. Im unteren Raum des Turmes hing auch ein Infoblatt zur aktuellen Wetterlage, den Temperaturen und, was für uns besonders interessant war, zu den Zeiten von Sonnenauf und -untergang. Gut gefallen hat uns auch der Lipan Point, da hier nicht alles befestigt ist und wir über kleine Trampelpfade auf dem Gestein laufen konnten.

Am Klassiker Mather Point sollte man auch auf jeden Fall vorbei schauen. Hier haben wir uns den Sonnenuntergang und am nächsten Morgen den Sonnenaufgang angesehen. Machen wir uns nichts vor – im Urlaub um 04:.30 Uhr aufzustehen, ist kein Spaß, aber wir sind froh, dass wir uns so früh aus dem Bett gequält haben. Wie die Sonne sich ganz langsam hinter dem Canyon erhob und die Felsen in sanftes, warmes Licht hüllte, war ein einmaliges Erlebnis. Übrigens, in aller Herrgottsfrühe ist es eiskalt am Grand Canyon, also zieht euch so viele Schichten wie nur möglich an!

Besonders in Erinnerung bleiben wird uns auch der Yavapai Point. Es war gegen 07:30 Uhr, die Sonne war inzwischen komplett aufgegangen und wärmte uns langsam wieder auf, während wir absolut ungestört vor diesem unglaublichen Panorama gefrühstückt haben. Es fiel uns echt schwer, uns irgendwann loszureißen, aber wir hatten an diesem Tag noch eine sechsstündige Fahrt vor uns.

Das waren sie nun, unsere ersten Naturhighlights im Wilden Westen. Gerne hätten wir auch den Zion Nationalpark besucht und wären noch weiter nordöstlich bis zum Arches Nationalpark gefahren, aber das war zeitlich leider nicht machbar. Wenn ihr noch mehr von unserer Reise erfahren wollt, kann ich gerne noch von anderen Etappen berichten 🙂

Liebe Grüße
Sabine Pasch | Grafik und Andreas Kandzia | Osteuropa-Abteilung