Sagenhaftes Südafrika – Teil 2


Nachdem ich euch im ersten Teil von Sagenhaftes Südafrika bereits von unserer Tour über die sogenannte „Garden Route“, vorbei an einer Pinguin-Kolonien, 18 Kilometer langen Stränden und 800 Jahre alten Bäumen berichtet habe, geht es nun im zweiten Teil unserer Reise durch das Landesinnere auf der berühmten Route 62 zurück nach Kapstadt. Obwohl man auf dieser legendären Straße, die ähnlich der U.S. amerikanischen Route 66 ist, nicht allzu weit von der Küste entfernt ist, verändert sich die Landschaft rasend schnell und ehe man sich versieht, ist man zwischen vielen hohen Bergen oder in einer Halbwüste gelandet. Besonders der Weg in die Stadt Oudtshoorn war für mich total spannend. Wenn ihr mit dem PKW unterwegs seid, solltet ihr auf jeden Fall den Montague-Pass durch das kleine Karoo fahren. Die Straße ist hier recht schmal und unbefestigt, dadurch kommt richtiges Abenteuerfeeling auf und der Ausblick zwischen den Bergen hindurch ist einfach bezaubernd. Auf den Bildern könnt ihr sehen, wie ich hier schon im Vorfeld mit dem PKW unterwegs war, denn für den Bus ist der Pass leider nicht geeignet.

In Oudtshoorn selbst seid ihr dann im Straußenzucht-Zentrum Südafrikas angekommen. Weil die Stadt dafür weit über ihre Grenzen bekannt ist, mussten wir uns hier natürlich eine Straußenfarm anschauen. Auf der „Highgate Ostrich Farm“ durften wir uns ansehen, wie die Straußenküken erst in Brutkästchen aufgezogen werden und dann auf ein weitläufiges Freigehege dürfen, sobald sie ein bisschen größer sind. Auf den Fotos könnt ihr sehen, dass die kleinen Kerlchen ihren Eltern gar nicht mal so unähnlich sind, aber noch recht kurze Beine haben. 😀 In den goldenen 20er Jahren gehörten Straußenfedern zum extravaganten Aufputz in der Modewelt in Europa und machten die Straußenbarone hier unermesslich reich, was man an den „Federpalästen“ um Oudshoorn noch sehen kann. Wusstet ihr, dass ihr Niedergang der Verbreitung des Automobils zugeschrieben wird? Die Damen passten mit ihren pompösen Hüten einfach nicht in die Wagen. 😀 Auf einer Straußenfarm gehört es dann natürlich auch dazu, Straußenfleisch zu probieren. Ich würde den Geschmack des Filets, dass wir mit Gemüse der Saison und Süßkartoffeln serviert bekamen, als ganz ähnlich zu dem von Rindfleisch beschreiben. Es ist vielleicht noch ein klein bisschen süßlicher, aber sehr, sehr zart!

Eine weitere südafrikanische Spezialität ist Trockenfleisch in allen erdenklichen Variationen. Das sogenannte „Biltong“ bekommt ihr an jeder Tankstelle und in jedem Supermarkt aber auch an kleinen Verkaufsständen entlang der Straßen in der 50 oder 100 Gramm Packung. Meistens besteht es aus Rind- oder Straußenfleisch und ist unterschiedlich gewürzt. Mit der Geschmacksrichtung „BBQ“ – oder „spicy“, wenn ihr er scharf mögt – liegt ihr immer richtig.

Etwas außerhalb von Oudtshoorn befinden sich die berühmten Cango Caves. Dabei handelt es sich um ein riesengroßes Höhlensystem, das sich über fast vier Kilometer erstreckt. In jeder der drei Kammern gibt es faszinierende Tropfstein-Formationen, die gleichzeitig respekteinflößend und wunderschön sind. Beeindruckt hat mich außerdem, dass hier auch regelmäßig deutschsprachige Touren angeboten werden. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Höhle auch für Menschen mit Platzangst oder für Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, prima zugänglich ist, da sie sehr groß, hell und wirklich gut ausgebaut ist. Es gibt nur wenige Engstellen und die kann man auch einfach auslassen ohne etwas zu verpassen.

Einen weiteren Stopp in der Nähe von Oudtshoorn solltet ihr bei der Buffelsdrift Game Lodge einlegen, denn wenn ihr nicht genug Zeit habt, um eine größere Safari z.B. im Kruger Nationalpark zu machen, ist diese Safari Range eine wunderbare Alternative. Mit kleinen, offenen Jeeps und einem Guide könnt ihr auf 18 Hektar Giraffen, Nashörner, Antilopen und allerlei andere afrikanische Tiere bewundern. Eine solche Mini-Safari dauert circa drei bis vier Stunden und eignet sich somit wunderbar für den Nachmittag.

Wenn ihr der Route 62 von hier aus weiter in Richtung Kapstadt folgt, werdet ihr kurz vor Barrydale an einer wahren Legende vorbei kommen, denn dort steht mitten in der Pampa „Ronnies Sex Shop“, der eigentlich eine Kneipe ist. Der Geschichte nach hat sich Ronnie mit einem schnuckeligen, kleinen Supermarkt selbstständig gemacht, der allerdings nicht so recht laufen wollte. Ronnies hilfsbereite und einfallsreiche Freunde haben daraufhin in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das Wort „Sex“ neben das schon existierende „Ronnies Shop“ gepinselt, und plötzlich konnte Ronnie sich vor Kundschaft kaum noch retten. 😀 Mittlerweile ist Ronnies Bar wohl eine der außergewöhnlichsten, die es gibt. Jeder, der hier einkehrt, hinterlässt ihm ein Andenken, sei es eine Unterschrift, ein Foto, eine Visitenkarte oder auch „mal“ einen BH. Mittlerweile hängen Wände und Decken voll und man fühlt sich wie in einem kleinen Museum.

Genauso außergewöhnlich wie Ronnies Sex Shop, ist das Geschäft „Hardys Memories of African Art and Curios“ in Barrydale. Hier könnt ihr euch richtig austoben, was das Einkaufen von Souvenirs angeht. Ihr findet viele geschnitzte Figuren, Schmuck, Staubwedel aus Straußenfedern, Bilder, Masken, Geschirr, Teppiche und alles was euch sonst noch einfällt. Die Auswahl ist einfach riesig und man könnte sich hier stundenlang aufhalten. Obwohl das Geschäft wahnsinnig viele Touristen anzieht, ist es trotzdem preisgünstig. Für euch zum Vergleich: Auf der Straußenfarm müsst ihr für einen Staubwedel aus Straußenfedern circa 80 Rand (circa 5,10 €) bezahlen, auf einem Straßenverkauf könnt ihr die Händler wahrscheinlich auf um die 45 Rand (circa 2,90 €) runterhandeln, in Hardys Geschäft bekommt ihr den Staubwedel dagegen schon für 20 Rand (circa 1,30 €). Da kann man wirklich nicht meckern.

Bevor wir Südafrika wieder verlassen mussten und unsere Rückreise angetreten sind, durfte eine Tour durch Kapstadt nicht fehlen. Das Wahrzeichen der Stadt ist natürlich der 1018 Meter hohe Tafelberg. Wenn ihr mit der Seilbahn auf den Tafelberg fahren wollt, solltet ihr dafür genug Zeit einplanen. Wenn man Glück hat und er nicht von Wolken verhangen ist, was man natürlich auch schon von unten prüfen kann, gibt es hier oben einen herrlichen Spazierweg, ein Café und einfach atemberaubende Ausblicke über Kapstadt, die Strände von Clifton und Camps Bay, die 12 Apostel, den zweiten Hausberg Lions Hill und die dicht besiedelten Cape Flats. Tickets könnt ihr auch online kaufen und euch so das anstehen am Ticketschalter ersparen. Diese sind sieben Tage gültig und können – sollte die Seilbahn aufgrund schlechten Wetters geschlossen sein – rückerstattet werden. Die Fahrt mit der Cable Car kostet hin und zurück ca. 20 Euro. Wer sich das sparen will, geht zu Fuß und wem das zu anstrengend ist oder ihr eure Zeit schon anders verplant habt, der mag vielleicht einen Hubschrauberflug über den Berg als tolle Alternative lieber. So bekommt ihr nämlich einen atemberaubenden Rundumblick in nur 20 Minuten. Weitere Sehenswürdigkeiten, zwischen denen ihr ein bisschen lustwandeln könnt, sind der Company’s Garden mit seinen unzähligen Baumarten mitten in der Stadt, das afrikanische Museum, das Parlamentsgebäude und die alte Bibliothek.

Zwei der wohl bekanntesten Stadtteile von Kapstadt, in denen sich ein Besuch auf jeden Fall lohnt, sind die Victoria & Alfred Waterfront und das Viertel Bo-Kaap. An der Victoria & Alfred Waterfront findet ihr ein wundervoll restauriertes Hafengelände mit dem ikonischen Riesenrad der Stadt und unglaublich vielen Restaurants in allen Preislagen. Meine Restaurantempfehlung für euch ist das Karibu Restaurant, denn es ist auch bei Einheimischen sehr beliebt und ihr könnt typisch afrikanische Gerichte mit Karibu-, Straußen- oder Springbock-Fleisch probieren. Auch das Personal war hier ausgesprochen freundlich und zuvorkommend. Natürlich gibt es im alten Hafen aber auch europäische oder asiatische Restaurants – für wirklich jeden Geschmack ist hier etwas dabei.

Den Stadtteil Bo-Kaap ist vor allem wegen den vielen bunten Häusern, die dort stehen, bekannt. Wieso die Fassaden so kunterbunt angemalt sind, das weiß keiner so recht. Vornehmlich sind zwei Theorien über ihren Ursprung in Umlauf: Die erste handelt von einem Arzt, der sich durch etwas mehr optische Auffälligkeit seiner Praxis auch mehr Patienten versprach und das dazugehörige Haus deshalb knallig pink anstrich. Den anderen Bewohnern des Viertels, so heißt es, hätte der Farbtupfer so gut gefallen, dass sie mit strahlendem gelb, kräftigen blau und saftigem grün direkt hinterher zogen. Die zweite Erklärung hält die ehemaligen Sklaven der Stadt für den Ursprung der bunten Häuser. Nachdem Sie aus der Sklaverei, während der sie nur grau und braun tragen durften, befreit wurden, kamen sie seit dem 17. Jahrhundert nach Bo-Kaap und konnten sich dort endlich auch farblich wieder frei ausdrücken. Somit stünden die Häuser auch noch heute für die zurückgewonnene Freiheit dieser Menschen.

Ich hoffe euch hat nun auch die Lust gepackt, dieses wahnsinnig vielfältige Land am südlichsten Zipfel Afrikas zu besuchen. Mit folgenden Reiseideen heißt es vielleicht auch schon bald für euch und eure Gruppe: „Kommt mit – Wir fliegen nach Südafrika!“

Bis zum nächsten Mal,

Thorsten Hardtmann | Abteilungsleitung Flug und MENA