Ländlich, lieblich, lebenslustig – das Elsass


Meiner Meinung nach ist das Elsass die perfekte Region, wenn ihr mal einen kurzweiligen Ausflug über ein verlängertes Wochenende machen möchtet. Hier habt ihr alles, was einen Kurztrip gelingen lässt: Leckeres Essen und guten Wein, eine vielfältige Landschaft und Architektur mit verspielten Winzerhäuser und Bauernhöfen auf dem Land sowie prunkvoll dekorierten Markthallen und Rathäuser in der Stadt und obendrauf ein fantastisches kulturelles Angebot. Kein Wunder also, dass meine Familie und ich uns im Frühsommer diesen Jahres überlegt haben, unser gemeinsames „Weihnachtsgeschenk“ in eine Fahrt hierher zu verwandeln.

Von Gießen aus ist man in nur drei Stunden mit dem Auto in Straßburg. Dort haben wir das Auto am Hotel abgestellt, sind rasch eingecheckt und haben uns dann auf den Weg in die Innenstadt gemacht. Übernachtet haben wir übrigens im Holiday Inn Express, dass wir auch häufig unseren Kunden anbieten, da es nur circa zehn Fußminuten vom Stadtzentrum entfernt liegt. Im Zentrum angekommen, könnt ihr die Straßburger Sehenswürdigkeiten am besten bei einer Schifffahrt erkunden. Unter anderem habt ihr vom Wasser aus einen wunderschönen Blick auf die Grande Île, eine Insel in der Mitte des Flusses, auf der ihr historische Bauwerke der deutschen und französischen Kultur bestaunen könnt; den Rhein-Palast, die Oper, den Universitätspalast und das Europaviertel mit dem Europäischen Parlament, dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und dem Europarat.

Was ihr vom Wasser aus nicht sehen könnt, ist die Kathedrale Straßburgs, die solltet ihr nach einer Bootstour unbedingt zu Fuß besuchen, denn das Liebfrauenmünster zu Straßburg gehört zu den größten Sandsteinbauten der Welt. Mehr als 200 Jahre lang war das Gotteshaus bis zum Jahre 1847 sogar das höchste Gebäude der Welt und kann vom Schwarzwald auf der anderen Rheinseite aus noch gesehen werden. Neben den wunderschönen bunten Fenstern wird die Kathedrale auch durch die astronomische Uhr zu einem ganz besonderen Bauwerk. Diese mechanische Uhr zeigt außer der Zeit auch die Lage der Sonne am Horizont und in den Tierkreisen sowie die Mondphase an.

Nach so viel Architektur möchte ich nun aber endlich mal über das leckere französische Essen sprechen. Bei unserem Abendessen im Straßburger Restaurant „Le Gruber“ haben wir alle die berühmte französische Zwiebelsuppe zur Vorspeise gegessen. Der Klassiker aus gedünsteten Zwiebeln wird meistens mit einem kleinen Boot aus schwimmendem Weißbrot serviert, das mit Käse im Ofen überbacken wird. Im „Le Gruber“ haben wir unser überbackenes Käsebaguette zwar nicht in der Suppe, sondern auf einem separaten Teller bekommen, dadurch war das Baguette besonders knusprig. 🙂

Den obligatorischen Flammkuchen, von dem es immer mehr verschiedene Varianten – zum Beispiel mit Tomate und Mozarella, Spinat und Rote Beete oder Schnecken – gibt, haben wir dann in Riquewihr im Restaurant Le Relais de Riquewihr gegessen. Mir schmeckt die klassische Version mit Schmand, Speck, roten Zwiebeln und ein bisschen gutem Käse immer noch am besten. Der Ort hat einen sehr kleinen und idyllischen Stadtkern, der größtenteils noch original mittelalterlich erhalten ist. Die Fachwerkhäuser, in denen viele Restaurants und Souvenirläden zuhause sind, sind allerdings oft knallbunt angestrichen, wodurch sich eine tolle Mischung aus modern und altertümlich ergibt. Nach unserem Mittagessen haben wir mit einer Bimmelbahn einen Ausflug durch die Weinberge des Ortes gemacht. Die Fahrt mit der kleinen Bahn dauert circa 35 Minuten. Mit Kopfhörern ausgestattet erfahrt ihr währenddessen viel über den Weinbau, das Klima und die Ernte der Trauben im Elsass. Auf dem höchsten Punkt des Berges gab es dann sogar einen kurzen Fotostopp, bei dem ihr tolle Bilder der romantischen Landschaft knipsen könnt.

Ein weiterer toller Stopp im Elsass ist die Stadt Colmar. Eines meiner absoluten Highlights, die man dort unternehmen kann, sind die Stocherkahnfahrten. Dabei sitzt ihr mit circa acht bis zwölf Personen in einem kleinen hölzernen Bötchen und müsst bei der ein oder anderen Brücke und je nach Wasserstand auch mal den Kopf einziehen, doch genau diese Ursprünglichkeit macht den ganz besonderen Charme aus. Herrlich ist auch, dass die Fahrt euch nicht nur durch die Stadt, sondern auch ein bisschen raus ins Grüne führt.

Weitere Sehenswürdigkeiten in Colmar, die ihr euch nicht entgehen lassen solltet sind für mich die Markthalle, in der ihr sogar frische Austern schlürfen könnt, das Pfisterhaus in der Rue des Marchands, das mit seinen Türmen und Holzbalkonen wie aus einem Märchen aussieht, und das Bartholdi-Museum, in dem zahlreiche Stücke des Bildhauers ausgestellt sind, der die New Yorker Freiheitsstatue gestaltet hat.

Der krönende Abschluss unserer Reise war dann der Besuch beim Royal Palace Kabarett in Kirviller. Vor der eigentlichen Show gab es ein 4-Gang Menü zum Abendessen, bei dem die typischste aller französischen Vorspeisen, das Foie Gras, also die Stopfleber einer Gans, nicht fehlen durfte. Ich selbst bin nicht der größte Fan von diesem Gericht und weil ich es schon sooft probiert hatte, habe ich mich vorher beim Veranstalter gemeldet und eine vegetarische Vorspeise bestellt. Das war kein Problem, denn auf spezielle Essgewohnheiten oder Unverträglichkeiten und Allergien aller Art wird immer gerne Rücksicht genommen, solange ihr euch vorher mit dem Veranstalter in Verbindung setzt. Nach dem Essen wechselt man dann den Raum und kommt zur Showbühne. Während des Kabaretts wird vor allem gesungen, getanzt und musiziert, sodass ihr euch keine Gedanken machen müsst, wenn ihr kein Französisch sprecht. Es gibt zwar einige kleine Einlagen, bei denen die Charaktere auch sprechen, aber alles ist immer mit vielen Gesten untermalt, sodass ihr den Kontext auf jeden Fall verstehen werdet. Jedes Jahr hat die Show ein anderes Thema, dieses Mal haben uns Magier mit ihren Tricks verzaubert und ich war wirklich beeindruckt, weil ich mir bis heute den Kopf zerbreche, wie das alles nur funktioniert haben soll!

Wenn ihr nun auch Lust bekommen habt das Elsass und den Royal Palace zu besuchen, dann schaut doch mal bei diesen Reiseideen vorbei!

Bis bald,

Ann-Christin Vogel | Reiseprofi für Frankreich