Sarah in London – 1 Jahr an der Themse


Wie schnell doch die Zeit vergeht – ein ganzes Jahr bin ich nun schon in London! Die Frage „Wie lange bleibst du denn jetzt noch dort?“ höre ich ständig, und deshalb werde ich versuchen euch heute eine adäquate Antwort darauf zu geben. Soviel kann ich schon mal vornweg nehmen, heiraten und eine Familie gründen, das möchte ich hier nicht. 😀 Dafür herrscht in London einfach viel zu viel Trubel, den ich im Moment allerdings sehr genieße.

Im vergangenen Jahr habe ich die Menschen in London vor allem als unheimlich weltoffen kennen gelernt. Die britische Hauptstadt wurde schon immer durch Einwanderer aus aller Welt geprägt, und so hat sich eine bunte Musik-, Kunst-, Museen- und Straßenkünstlerszene entwickelt, die Einflüsse aus den verschiedensten Kulturen aufgreift und miteinander vermischt. Die verrückteste und lebhafteste Straßenkünstlerszene findet ihr im Stadtteil Camden Town, hier ist einfach alles bunt, verrückt und schräg. Meine drei Lieblingsmuseen sind das Natural History Museum, die National Gallery und das Tate Modern Museum. Von London direkt aufs Land zu ziehen, kann ich mir also auch nicht mehr vorstellen, denn all die kulturellen Angebote, die es in London nicht nur ab und an mal, sondern täglich gibt, würde ich vermissen!

Das heißt aber nicht, dass ich gar nicht mehr aus der Stadt raus will, manchmal wird es einem auch zu viel, man braucht Abwechslung und will gute frische Landluft schnuppern. 😀 Mit meiner Mama habe ich in Dover im Dover Marina Hotel & Spa ein tolles Spa Wochenende gemacht. Wenn ihr schon mal da seid, solltet ihr euch unbedingt auch das Dover Castle anschauen. Noch mehr Ideen für einen entspannten Ausflug in den Süd-Osten Englands bekommt ihr im Blog meiner Kollegin Julia Szalkowski. Die berühmt berüchtigte „Rush Hour“ zum Beispiel herrscht in London nicht nur zwei mal am Tag, wenn die Menschen zur Arbeit kommen und dann wieder nachhause unterwegs sind, sondern eigentlich durchgängig. Wenn ich wirklich mal alleine sein möchte, dann ist das oft schwierig. Ihr dürft das nicht falsch verstehen, ich bin froh über meine Mitbewohner, mit denen ich auch super klar komme, und ohne sie hätte ich auch nicht so schnell Anschluss in dieser riesigen Stadt gefunden. Wenn man jedoch die vorherigen vier Jahre alleine gewohnt hat, ist das schon eine große Umstellung, nur ein kleines Zimmer für sich alleine zu haben.

Neben der Landluft vermisse ich natürlich auch meine Familie. Auch in Gießen habe ich ein paar Autostunden von meinem Elternhaus entfernt gewohnt, dennoch ist es schon etwas anderes, immer erst in den Flieger steigen zu müssen, um meine Lieben zu sehen. Wie ihr in den vorherigen Blogs lesen konntet, kommen mich Freunde und Familie aber auch regelmäßig besuchen. So kann ich ihnen zeigen, wie ich in London lebe, und was ich in dieser großen Stadt so toll finde, wie zum Beispiel die vielen Musicals. Falls ihr diesen Blog verpasst habt, könnt ihr hier noch mal alles über die Londoner Show-Welt nachlesen. Am schönsten ist es für mich zu sehen, wie sich alle Daheimgebliebenen wahnsinnig viel Mühe geben, um mit mir in Kontakt zu bleiben. Meine Oma zum Beispiel hat nun Whats App und ein Instagram Profil, um zu sehen und nachzufragen, wie es mir geht, und was ich so treibe. Wenn ihr in England unterwegs seid und mit eurer Familie Kontakt halten wollt, müsst ihr euch dank der Abschaffung der Roaming Gebühren keine großen Gedanken. Es gibt allerdings auch alte Verträge die von der Abschaffung ausgenommen sind, deshalb seid ihr immer auf der sicheren Seite, wenn ihr euch vorher noch einmal bei eurem Anbieter informiert.

Wenn ich so auf mein Jahr hier in London zurückblicke, fällt mir außerdem auf, dass sich mein Englisch wahnsinnig verbessert hat. Meine Sprachkenntnisse waren vorher zwar nicht schlecht aber dadurch, dass in der Firma eigentlich niemand Deutsch spricht, und ich mit zwei Briten in einer WG wohne, spielt sich nun alles auf Englisch ab. Mittlerweile sind auch meine ersten Gedanken, Reaktionen und sogar Träume nicht mehr auf Deutsch. Ein bisschen komisch wird es immer, wenn ich zu Besuch in Deutschland bin und mich z.B. im Restaurant mit „thank you“ statt mit „Dankeschön“ bedanke. 😀 Da wir in der Firma auch viele andere Kollegen aus dem Ausland haben, habe ich aber nicht nur mein Englisch verbessert, sondern auch ein wenig Russisch, Italienisch, Spanisch etc. gelernt. Danke kann ich nun schon auf mindestens sechs Sprachen sagen. 😉

Neben der Sprache habe ich auch viel über den Tourismus vor Ort gelernt. Ihr kennt das sicher selbst, sobald man eine Person mal getroffen und mit ihr gescherzt hat, hat man direkt ein ganz anderes Verhältnis zueinander, als wenn man sich nur per Telefon oder E-Mail kennt. Plötzlich ist man nicht mehr nur ein Gesicht, eine Stimme oder ein Text – man lernt sich als Personen kennen und das finde ich unheimlich schön. Nachdem ich nun schon eine Weile in London lebe, weiß ich wie die Engländer ticken, und wie man mit ihnen umgehen muss. Deshalb würde ich allen, die sich in der Tourismusbranche weiterentwickeln wollen, empfehlen, eine Zeit ins Ausland zu gehen und sich das Leben vor Ort anzuschauen. Ihr werdet es sicher nicht bereuen!

Abschließend kann ich sagen, London ist zwar nicht meine Endstation aber ich möchte auf jeden Fall noch länger bleiben, vielleicht noch ein oder zwei Jahre, und meine Reise auch weiterhin mit euch teilen. Lasst mich wissen, welche Themen euch interessieren und über was ich in meinen nächsten Blogbeiträgen berichten soll.

Bis bald,

Sarah Hentschel | „Außenstelle“ London