Kenia – Wo der Kontrast nicht stärker sein könnte


Wenn ihr nach Afrika reist, dann besucht ihr nicht einfach nur einen anderen Kontinent, ihr taucht in eine komplett andere Welt ein. Ich war nun schon das zweite Mal mit meinem Mann in Kenia und bin von der Natur und der Vielfalt der wilden Tiere restlos begeistert. Bei unserem ersten Besuch haben wir den östlichen Teil des Tsavo Nationalparks erkundet, der aus administrativen Gründen in Ost und West geteilt wurde. Gemeinsam haben beide Parks eine Gesamtfläche von 21.812 km² – das entspricht etwas der Fläche von ganz Hessen.

Noch größer ist die Serengeti, die wir während unserer zweiten Reise besucht haben. Der Name leitet sich aus der Sprache eines der indigenen Völker, der Massai, ab und bedeutet soviel wie „das endlose Land“, was bei einer Fläche von circa 30.000 km² nun wirklich nicht übertrieben ist. Ich finde es fällt schwer, sich diese unglaublichen Weiten überhaupt vorzustellen – selbst dann, wenn man sich mittendrin aufhält. Genau diese unvorstellbare Weite, in der manchmal nichts auf die Existenz der Menschen hindeutet, ist für mich das allerschönste an der Savanne.

Von Mombasa aus, der zweitgrößten Stadt des Landes und der wichtigsten Hafenstadt ganz Ostafrikas, könnt ihr den Tsavo Nationalpark in einigen Stunden mit dem Auto erreichen. In die Serengeti, genauer gesagt in das Masai Mara Naturschutzgebiet, in dem wir waren, solltet ihr aber mit dem Flugzeug fliegen, da ihr sonst mindestens zwei Tage im Auto unterwegs wärt. Beide Routen in die jeweiligen Parks waren ein großes Abenteuer für uns. Hier solltet ihr auf eine gute Touragentur achten, wir waren bei Neslo Tours unter sehr guter Betreuung. Ausgangspunkt zu unserer Safari in den Tsavo Nationalpark sowie der Masai Mara ist der wunderschönen Badeort Diani Beach mit dem weißesten Sandstrand, den ich jemals gesehen habe. Dort waren wir Gäste im Diani Sea Resort sowie in der Diani Sea Lodge. Beide Hotels sind unter der Führung einer deutschen Familie und absolut empfehlenswert. Auf dem Weg zu den Safaris ging es dann durch die Hafenstadt Mombasa, deren Wahrzeichen, die Elefantenstoßzähne, aus der Fernsehserie „Daktari“ bekannt sind. 😉 Gerade die Slums in den Randgebieten der Stadt haben einen prägenden Eindruck hinterlassen und sind der stärkste Kontrast zur unberührten Natur, den man sich nur vorstellen kann. Wie wir dort mit dem Auto im Verkehr feststeckten und rund um uns herum ausschließlich Elend, Armut und Müll gesehen haben, hat es uns fast erschlagen.

Sehr beeindruckend ist für mich war allerdings, wie die Menschen hier mit dieser Lebenssituation umgehen. Nick*, ein als Kellner arbeitender Angestellter, den wir bereits 2017 kennen gelernt haben, hatte uns dieses Jahr zu sich in ein typisches „Zuhause“ am Rand der Hotelanlagen eingeladen. Mit seiner Frau und seinen drei Kindern wohnt er in einer zehn Quadratmeter großen Hütte. Gekocht wird übrigens draußen auf dem Gemeinschaftsplatz. Toilette haben die Hütten auch nicht, für alle in der Siedlungen lebenden Familien gibt es einen gemeinsam Waschplatz.

Doch zurück zur Safari: Auch unser Weg in den Masai Mara Nationalpark war abenteuerlich, denn wir sind mit einer kleinen Cessna hingeflogen, die maximal 6, 8, 14 oder 16 Passagiere transportieren kann. Dementsprechend wackelig war unsere Reise – wer unter Reiseübelkeit leidet sollte definitiv mit einer Tablette vorsorgen. 😉 Im Gegensatz zu unserem Start in Ukunda, einem Ort direkt am Diani Beach, hatten wir bei der Landung im Reservat selbst keine asphaltierte Landebahn mehr unter uns, sondern nur noch eine kleine Schotterpiste. Mal abgesehen davon, war der Flug einfach herrlich, denn wir hatten eine atemberaubende Aussicht auf den Kilimandscharo und den Viktoria See.

In der Masai Mara lag unser Camp in diesem Jahr direkt in der Kurve eines Flusses, sodass man immer das Wasser und die darin lebenden Nilpferde im Blick hatte (mal ehrlich: wahrscheinlich hatten die Nilpferde uns eher im Blick, als wir sie :D). Traditionell schläft man während einer Safari im Zelt. In unserem Camp, dem Fig Tree Camp, hat sich an das Zelt mit unseren Betten allerdings noch ein kleines gemauertes Häuschen mit Bad angeschlossen. Sobald die Sonne untergeht, darf man sein Zelt im Camp übrigens nicht mehr alleine sondern nur noch in Begleitung eines Rangers verlassen. Ein Schloss oder einen Schlüssel gibt es übrigens auch nicht, denn falls ein wildes Tier sich wirklich mal entschließen sollte, das Camp zu besuchen, müssen alle schnell geweckt werden können. Um ein „wildes Tier“ für dieses Szenario zu definieren gelten allerdings etwas andere Regeln: Paviane zum Beispiel flitzen ständig durch das Camp – in Acht nehmen solltet ihr euch vor ihnen trotzdem, denn sie haben keine Angst den Menschen auch mal ein bisschen näher zu kommen.

Die meisten Tiere werdet ihr allerdings bei den vielen Pirsch-Fahrten sehen. Aus unserer Erfahrung kann ich euch empfehlen zu Beginn der ersten Regenzeit des Jahres hin zu fahren. Von Mai bis Juli herrscht in Kenia zwar Dauerregen, aber im April erwischt ihr genau die richtige Balance sodass ihr Sonnenschein genießen könnt, die Pflanzen aber schon überall sprießen und blühen. Außerdem ist es die beste Zeit, um Tierbabys zu sichten, denn die werden in (unserem) Frühling dort geboren. Wir hatten dieses Mal besondern viel Glück und durften 3-4 Wochen alte Elefanten-Kinder sowie eine Geparden-Mama mit ihrem Kleinen beobachten. Da in dieser Zeit für alle Tiere genug Futter und Wasser zur Verfügung steht, sind sie weniger aggressiv und zeigen sich häufiger. Besonders in der Masai seid ihr auch darauf angewiesen. Weil es hier sehr viel Buschland gibt, können sich die Tiere ganz schnell verkriechen, wenn ihnen der Rummel um sie zu groß wird. Obwohl es für viele Touristen zu einer Safari dazu gehört, haben wir uns ganz bewusst gegen den Besuch in einem Masai Dorf entschieden. Das richtige Leben dieser Völker besteht aus dem Jagen wilder Tiere und dem Versorgen ihrer Familien statt dem anfertigen von Souvenirs.

Anfangs dachte ich, dass sich in Kenia innerhalb der letzten Jahrzehnte nicht viel verändert hat, denn vor allem in der Steppe sieht es noch genauso aus wie im berühmten Kinofilm „Serengeti darf nicht sterben“ von 1959. In Wahrheit hat sich allerdings besondern in den letzten Jahren sehr viel getan, denn durch die Angst vor Ebola oder Terroranschlägen gehen die Zahlen der Besucher jährlich stark zurück. Deshalb musste gut die Hälfte der Wildhüter im Land entlassen werden, was Wilderern Tür und Tor geöffnet hat. Ich möchte euch versichern, dass ich mich hier genauso sicher gefühlt habe, wie an jedem anderen Ort der Welt und hoffe, dass ich euch mit meinem Blogbeitrag zeigen konnte, was für ein vielfältiges und wunderschönes Land Kenia ist. Packt eure Koffer und seht selbst: In echt ist es noch viel schöner als auf den Fotos!

Bis bald,

Sabine Haus | Profi für die Finanzbuchhaltung

*Name geändert