Hippies, Seelöwen und internationale Kulinarik


Hügel rauf, Hügel runter, Hügel rauf, Hügel runter. So in etwa hat sich meine Reise nach San Francisco abgespielt. 😀 Ich wusste natürlich, dass die Stadt nicht auf einer ebenen Fläche entstanden ist, sonst wären schließlich auch die berühmten Cable Cars gar nicht nötig gewesen – zu denen komme ich später noch einmal ganz ausführlich. Dass ich die meisten Meter zu Fuß horizontal statt vertikal hinter mich bringen würde, hätte ich aber trotzdem nicht gedacht. Mein erster Tipp für euch lautet also: Unbedingt festes Schuhwerk einpacken! 😀 Was mich allerdings sehr fasziniert hat, ist, dass trotz (oder vielleicht auch gerade wegen?) dieser hügeligen Landschaft unglaublich viele Menschen auf den Straßen unterwegs sind. Viele Einheimische laufen hier einfach von A nach B, statt sich mit Bus oder Bahn fortzubewegen. Das kannte ich aus amerikanischen Städten so noch nicht und fand ich sehr schön.

San Francisco ist übrigens eine sehr grüne Stadt, aber nicht, weil es besonders viele Grasflächen gibt, sondern aus ökologischer Sicht. Mülltrennung ist zum Beispiel verpflichtend – anders als in anderen amerikanischen Städten. Aber auch ein grüner und gesunder Lebensstil wird im Bundesstaat Kalifornien im Allgemeinen großgeschrieben. Die Menschen achten darauf, dass sie Bioprodukte zu sich nehmen, legen viel wert auf eine nachhaltige Wirtschaft und treiben oft Sport. Das merkt man natürlich auch als Reisender, denn fast jeden Tag gibt es einen anderen „Farmer’s Market“ also Bauernmarkt, auf dem man frische Lebensmittel einkaufen oder direkt verspeisen kann. Einer meiner Lieblinge ist der „Ferry Building Marketplace“ rund um das alte Fährterminal, der immer dienstags, donnerstags und samstags stattfindet und bei dem es sogar Kochkurse im Freien gibt. Das Gebäude des Fährterminals selbst hat sogar täglich geöffnet und beherbergt viele tolle Läden, in denen authentische Speisen aus aller Welt verkauft werden. Der Bauernmarkt im Viertel „The Castro“, der jeden Mittwoch um 16:00 Uhr beginnt, bietet dagegen ein besonders gemütliches Ambiente, weil er viel kleiner und gemütlicher ist. Wenn ihr mit Einkaufen, Essen oder Bummeln fertig seid, könnt ihr es euch auf der blühenden Terrasse des Café Flore gemütlich machen und einen Kaffee trinken.

Auch abends lohnt sich ein Besuch im Viertel „The Castro“, denn hier hat sich die GLTB (Schwulen, Lesben, Transgender und Bisexuellen) Gemeinde der Stadt angesiedelt und auch ein gleichnamiges Museum über die soziale und rechtliche Geschichte dieser Minderheiten ist hier entstanden. Wer denkt, dass es auf der Hamburger Reeperbahn schon ein paar bunte Vögel zu sehen gibt, der wird hier wahrscheinlich vom vielen Glitzer auf der Straße geblendet. 😀 Vor einigen Jahren wurden einige Straßenabschnitte aufwendig umgebaut, sodass der Kern des Viertels von einer riesigen Regenbogenflagge geziert wird. Auf einigen Kreuzungen findet man zum Überqueren nicht die üblichen weißen Zebrastreifen, sondern stattdessen dünne, bunte Linien auf der Straße – selbstverständlich auch hier nach Regenbogenschema geordnet – und die Rolltreppe zur U-Bahn leuchtet ebenfalls kunterbunt. Viele Bars haben ihre eigene Deko entsprechend angepasst und auch die Straßenlaternen zieren bunte Fahnen. Es lohnt sich definitiv hier vorbei zu schauen und sich das bunte Treiben anzusehen. Doch auch für den Gaumen kann ich euch zwei gute Adressen empfehlen: Bei „Super Duper Burgers“ gibt es frische Bio-Burger, die ihr nach eurem Geschmack belegen lassen könnt. Probiert hier unbedingt auch die hausgemachte Limonade! Zum Nachtisch könnt ihr dann bei „Castro Ice Cream & Dessert“ vorbei schauen.

Um’s Essen dreht es sich auch bei einem der absoluten Highlights meiner Reise. Wie einige sicher wissen, haben die mittlerweile rund um die Welt beliebten Food Truck Festivals ihren Ursprung in San Francisco gefunden. Im Juni 2010 hat die erste Veranstaltung der Organisation „Off the Grid“, des Gründers Matt Cohen, stattgefunden. Mittlerweile gibt es feste Standpunkte an denen die Food Trucks wöchentlich zum Schlemmen einladen. Immer freitags von 17:00 – 22:00 Uhr findet ihr sie genau dort, wo sie 2010 ihr Debüt gegeben haben, im „Fort Mason Centre“ direkt am Wasser mit Blick auf die Golden Gate Bridge. Auf der Homepage könnt ihr euch aber auch anschauen, wo die Küchen auf Rädern an den restlichen Tagen der Woche unterwegs sind und welche Wagen euch an einem bestimmten Tag erwarten werden. Schon vorher hatte ich gelesen, dass „KojaKitchen“ einer der beliebtesten Verkäufer sein soll, deshalb war für mich klar, dass ich die koreanischen Speisen dort unbedingt probieren muss – und meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen! Das Aushängeschild von KojaKitchen ist eine Art koreanischer Burger. Das etwas schärfer gewürzte Fleisch und das Gemüse sind allerdings nicht von zwei Brötchenhälften, sondern von kreisrunden Reis-Bratlingen umgeben (wenn ihr auf den Link klickt, seht ihr auf der Homepage der Firma ein tolles Bild vom Burger, denn selbst eins zu schießen habe ich vor lauter Aufregung ganz vergessen). Das Gefühl dort hinein zu beißen kann ich nicht in Worte fassen, gerade deshalb solltet ihr es unbedingt selbst erleben. 🙂 Doch auch alle anderen Speisen, die ich dort probiert haben waren köstlich, von pazifischen Reisgerichten in einer halben Ananas über mexikanische Burritos bis hin zu belgischen Pfannkuchen war wirklich alles dabei.

Ich denke, kulinarische Tipps habe ich euch mittlerweile genug gegeben, deshalb kommen wir zu den Sehenswürdigkeiten. Als aller erstes dürft ihr natürlich die Cable Cars nicht verpassen, die noch auf drei unterschiedlichen Routen durch die Stadt fahren. Eine Fahrt kostet sieben Dollar, falls ihr jedoch schon wisst, dass ihr mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein werdet, rate ich euch eine Tages- oder Wochenkarte zu kaufen, denn diese sind verhältnismäßig günstig und auch für die Cable Cars gültig. Wenn es ans Einsteigen geht, dann solltet ihr darauf verzichten, das auf einem der großen „Turntables“, also Drehtische, zu tun, an dem die Wagen, die nur in eine Richtung fahren können gedreht werden, denn dort ist unheimlich viel los und man muss sehr lange anstehen. Besser ist es, wenn ihr zwei bis drei Stationen an der Strecke entlanglauft und dann einsteigt, denn am Anfang der Strecke werden die Wagen nicht vollständig aufgefüllt, damit auf dem Weg auch noch Passagiere einsteigen können. Besonders schön ist es natürlich, sich an einer der Außenstangen festzuhalten und sich „rauszuhängen“ – aber Achtung: es kann manchmal sehr ruckeln, also haltet Tasche, Jacke und Kamera immer gut fest! 😀 Besonders ans Herz legen möchte ich euch dann noch das Cable Car Museum, in dem sich der Antrieb, eines der ältesten Cable Cars überhaupt und viele Infos zur mittlerweile noch einmalig funktionierenden Funktionsweise befinden. Wenn man etwas Glück hat, kann man sogar sehen, wie die Wagen repariert werden.

Genauso typisch wie die Cable Cars sind für San Francisco natürlich die Hippies! Sie werden vor allem mit der Gegend rund um die Kreuzung der beiden Straßen „Haight“ und „Ashbury“ verbunden, denn hier soll der Summer of Love begonnen haben. Ihr solltet euch unbedingt Zeit nehmen, hier durch die Straßen zu schlendern, denn besonders in der Haight Street gibt es so einige Kuriositäten zu sehen und auch zu kaufen. In Läden, die es hier schon seit Ewigkeiten gibt, wie z.B. „Rasputin Records“ oder „Earthsong“ gibt es jeden erdenklichen Schnick Schnack. Es gibt aber auch noch sehr viele Klamottenläden, in denen ihr Vintage-Stücke finden könnt, für die euch alle beneiden werden! Generell sind die Häuser sehr bunt und fröhlich, so wie ich es mir vorgestellt habe. Negativ überrascht hat mich allerdings, dass es mittlerweile auch an einigen Ecken etwas moderne und minimalistisch gehaltene Geschäfte und Cafés gibt, was meiner Meinung nach die tolle Atmosphäre etwas unterbricht. Aber ich denke damit kann man sich arrangieren, wenn man sich einfach umso mehr in das bunte Getümmel stürzt.

Viele Touristen habe ich in der Hippie-Gegend nicht getroffen, denn die haben sich wahrscheinlich alle an der „Fisherman’s Wharf“ aufgehalten. Diese Küstenpromenade ist so beliebt, dass hier immer sehr viel los ist. Wenn ihr allerdings sehr früh morgens oder etwas später abends hier unterwegs seid, könnt ihr dem Ansturm zum Mittagessen ein bisschen aus dem Weg gehen. Auf leckere Fischgerichte müsst ihr natürlich trotzdem nicht verzichten, denn die Restaurants haben an den Piers im Vergleich zu denen in der Innenstadt sehr lange geöffnet und außerdem gibt es auch viele Verkaufsbuden auf der Straße für einen schnellen Snack auf die Hand. Das Highlight ist allerdings unangefochten der Pier 39, an dem sich eine große Gruppe Seelöwen angesiedelt hat. Man vermutet, dass sie sich hier so wohl fühlen, weil es in der San Francisco Bay so viele Fische gibt und sie dadurch leicht an Futter kommen. Dementsprechend wurde der Pier 39 als Touristenmagnet mit zahlreichen Essensmöglichkeiten und Souvenirläden ausgestattet, sodass man sich schon fast ein bisschen wie in Disneyland fühlt. In der Mitte gibt es auch ein tolles altes Karussell. Am längsten habe ich mich allerdings auf den Aussichtserhöhungen bei den Seelöwen aufgehalten. Manchmal wusste man gar nicht so recht, wer hier eigentlich wen beobachtet! 😀

Wenn ihr auch mal in San Francisco seid und einige meiner Empfehlungen ausprobiert habt, dann schreibt mir doch gerne einen Kommentar, wie es euch gefallen hat. Ich würde mich freuen!

Bis zur nächsten Reise,

Anna Lena Rupp | Werkstudentin im Marketing