Alles außer Eisbären


Vielfalt ist das erste Wort, das mir durch den Kopf schwirrt, wenn ich an Südafrika denke, denn daran mangelt es diesem tollen Land nun wirklich nicht. Ich hatte das große Glück, sechs Monate in Kapstadt zu leben, um dort das Praxissemester für mein Studium zu absolvieren. Für meine Arbeit in einer lokalen Reiseagentur war ich bei unzähligen Hostels, Vermittlungsstellen von Freiwilligenarbeit, Ausflugszielen und Sprachschulen zu Besuch, sodass ich viel durch das Land reisen konnte, um auch andere Gegenden von Südafrika kennenzulernen. Daheim gebliebene Freunde waren oft etwas verwirrt und neidisch zugleich, wenn ich erzählte, dass ich heute während der Arbeit von der höchsten Bungee-Brücke der Welt springen würde. Das war schon klasse!

Doch bevor ich nach Kapstadt gezogen bin, hatte ich natürlich schon ein bisschen Bammel. Was ist, wenn ich keine vernünftige Wohnung oder keinen Anschluss an die Einheimischen finde? Zum Glück waren die Sorgen unbegründet, denn die Kapstädter, die Multikulturalität leben, sind super offen und haben mich schnell integriert. Auch eine Wohnung habe ich rasch gefunden, meine Chefin kannte jemanden, der jemanden kennt und so bin ich in einer tollen Wohngemeinschaft gelandet und hatte morgens sogar schon einen Blick auf den Tafelberg, wenn ich das Haus verlassen habe. Schlussendlich hat es mir in dem Land mit den elf Sprachen so gut gefallen, dass ich zum Schreiben meiner Bachelor-Arbeit noch einmal für drei Monate zurück gekommen bin.

 

Besonders das kulturelle Angebot in Kapstadt hat mich umgehauen. Jeden ersten Donnerstag im Monat haben zum Beispiel alle Galerien und Kunsthäuser bis zwei Uhr morgens geöffnet und in der regelmäßig stattfindenden Museeumsnacht öffnen alle Museen der Stadt kostenlos ihre Tore. Beim sogenannte „Open Street“ wird eine Straße in einem Viertel komplett gesperrt und es werden viele kleine Stände aufgebaut. An machen verkaufen die Kapstädter Essen auf die Hand, an anderen stellen sich lokale Sportvereine vor und werben um neue Mitglieder. Wie ihr euch bestimmt gedacht habt, darf bei einem richtigen Straßenfest auch die Musik nicht fehlen. Apropos Musik, in Kapstadt kann man zum Beispiel im botanischen Garten weltbekannte Musiker für einen „einen Apfel und ein Ei“ spielen sehen. Jeder bringt einfach eine Picknickdecke und ein paar Snacks mit und dann wird es sich gemeinsam gemütlich gemacht. Ich selbst war bei vielen Konzerten, gerade an dem Wochende, an dem es für mich nachhause ging, spielte Passenger und man musste für die Karte gerade mal umgerechnet 10 Euro ausgegeben, da wäre ich super gerne noch dabei gewese!. Außerdem gibt es auch noch eine Inline Skates Nacht in der Stadt, bei der mindestens genauso viele Menschen dabei sind, wie beim berühmten Gießener Tuesday Night Skating. 😀

Außerhalb meiner Arbeit war ich mit meinen neu gewonnen Freunden auch viel in der Natur unterwegs, denn Outdoor-Aktivitäten sind in Kapstadt besonders beliebt. Macht ja auch Sinn, denn die vielen Berge sind wie geschaffen für’s Mountainbiken und Wandern. Für uns wurde es zum Ritual, uns einmal die Woche auf den Aufstieg zur Spitze des Lions Head oder des Tafelbergs zu machen, um dort gemeinsam den Sonnenuntergang zu sehen. Wichtig ist natürlich, dass man eine Taschenlampe dabei hat, damit man den Weg nach unten auch wieder meistern kann. Tagsüber solltet ihr den Tafelberg allerdings auch unbedingt besuchen, denn von hier oben hat man einen tollen Blick auf die umliegenden Berge, wie zum Beispiel die Zwölf Apostel, und die Strände vom Stadtteil Campsbay.

Tolle Strände gibt es aber auch in Muizenberg, einem Vorort von Kapstadt. Dort kann man auch Surfen lernen, allerdings muss ich euch raten, immer auf die Flaggen am Strand zu achten, denn ab und an kann sich hier her auch mal ein Hai verirren. Wenn ihr mit dem Auto eine schöne Tour nach Muizenberg fahren wollt, dann macht ihr euch am besten erst auf in Richtung Hout Bay und nehmt dann den „Chapman’s Peak Drive“. Wenn ihr diese berühmte Straße entlangfahrt, kann es sein, dass euch einige Ecken bekannt vorkommen, denn der kurvige Weg wird sehr oft für den Dreh von Autowerbespots genutzt. Dort angekommen solltet ihr einen Abstecher zum bekannten Food Market machen (Achtung: Leider hat dieser nur Sonntags geöffnet). Auf eurem Weg nach Muizenberg liegt dann Simon’s Town, wo ihr am Strand Pinguine bestaunen könnt, und nach einem Ausflug nach Muizenberg kann ich euch dann noch empfehlen, weiter in Richtung Stellenbosch zu fahren, denn das dortige Weinanbaugebiet ist nur einen Katzensprung entfernt. Ich habe mich dort schon fast gefühlt, als wäre ich in der Toskana, denn die Landschaft verändert sich total und es gibt sogar eine kleine Bummel-Bahn, mit der man die über 50 Weingüter in aller Ruhe besuchen kann. Wenn ihr etwas mehr Zeit mitbringt, dann kommen auch noch weitere Ausflüge wie zum Beispiel nach Port Elizabeth, nach Johannesburg, zum Kap der guten Hoffnung oder zu einer Safari in Frage.

Kulinarisch gibt es in Kapstadt auch so einiges zu genießen. Im Alltag wird hier vor allem unheimlich viel gegrillt. Grillen nennt sich hier allerdings nicht wie auf Englisch üblich „BBQ“ sondern „Braai“. Dinge wie Käse oder Gemüse kommen den Südafrikanern allerdings nicht auf den Grill, hier geht es tatsächlich um das Fleisch, das in so ziemlich jeder Mahlzeit enthalten ist. Strauß und Kudu (eine afrikanische Antilopenart) wird sehr häufig serviert, etwas seltener gibt es Zebra. Ihr solltet keine Angst haben, euch dieser neuen Erfahrung zu stellen und dieses Fleisch zu probieren. Man schmeckt zwar, dass es sich um Wild handelt aber alles wird toll gewürzt und ist sehr lecker. Etwas gewöhnungsbedürftig ist dagegen ein Gericht, das sich „Smiley“ (vom Englischen „to smile“ also „lächeln“) nennt und aus einem gegarten Schafskopf besteht. Den bekommt man allerdings nur in ausgewählten Restaurants serviert. Die große Ausgehmeile in Kapstadt ist die Longstreet. Hier gibt es Bars und Lokale für jeden Geschmack. Meine Lieblingsbar ist „The Dubliner“, denn hier herrscht immer gute Stimmung. Wenn ihr etwas schicker essen gehen mögt, kann ich euch das „Azure Restaurant“ im „The Twelve Apostels Hotel“ empfehlen, wenn es etwas gemütlicher sein soll, geht doch lieber in das „Roundhouse“.

Ich denke die Überschrift hat nicht zu viel verraten, denn wie ihr seht, kann man in und um Kapstadt wirklich alles machen, außer eben Eisbären sehen. 😉

Bis bald,

Sandra Schacherer | Länderprofi für Skandinavien

P.S.: Einen ganz wichtigen Tipp habe ich noch für euch. Wenn die Südafrikaner „now“ also „jetzt“ sagen, dann handelt es sich meist um einen Zeitraum von jetzt bis irgendwann in zwei Stunden. Wenn es allerdings um jetzt sofort geht, dann sagen die Einheimischen „now now“. 😀 Wenn ihr das schon mal wisst, dann bleibt euch unangenehme Wartezeit hoffentlich erspart. 🙂