Sommerurlaub zwischen Vespa und Olivenöl


Es ist heiß, ich liege am Strand und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Der kühle Wind, der ab und zu an der Küste vorbei saust, macht die Hitze erträglich. In Gedanken bin ich schon beim Abendessen und überlege, welche der vielen italienischen Köstlichkeiten ich denn heute essen könnte. Ich bin im Sommerurlaub in Ligurien, für mich das absolut schönste Ziel, um wegzufahren.

Ligurien ist eine Region, die sich an der italienischen Küste zwischen Frankreich und der Toskana entlangschlängelt. Die Hauptstadt Genua, die ziemlich in der Mitte liegt, teilt Ligurien in zwei Hälften. Die beiden Teile tragen die schönen und auch treffenden Namen Riviera di Levante (Küste der aufgehenden Sonne) und Riviera di Ponente (Küste der untergehenden Sonne). Der Name ist Programm, denn in den warmen Monaten hat man Sonne satt!

Ich bin nun schon zum dritten Mal hier und immer mit dem eigenen Auto unterwegs. Auch wenn die Fahrt sich zieht und man sich wünscht, endlich da zu sein, lohnt es sich auf jeden Fall, denn mit dem PKW oder dem Reisebus ist man einfach viel flexibler. Ich persönlich genieße während meines Urlaubs eine Mischung aus einigen Tagesauflügen, Zeit am Strand und abendlichen Erkundungstouren. Tagsüber ist es hier im Sommer oft zu heiß, um größere Unternehmungen in Angriff zu nehmen. Auch die Einheimischen werden erst aktiv, wenn es kühler wird. Das Leben spielt sich abends und dann bevorzugt auf der Straße ab. Ein Erlebnis, an das ich mich sehr gerne erinnere, ist ein Polka-Abend in einem der kleinen Bergdörfer. Bei so einem Ereignis wird viel getanzt, gesungen und gelacht. Außerdem gibt es kleine Stände, an denen man einheimische Köstlichkeiten probieren kann. Oft weiß man zwar nicht genau, was man da eigentlich isst, aber es schmeckt toll! Ihr braucht übrigens keine Scheu haben, euch dazu zu gesellen, wenn ihr von solch einem Fest erfahrt; als Tourist ist man dort sofort akzeptiert und meiner Erfahrung nach kommt man oft auch mit der deutschen Sprache gut weiter, denn viele Einheimischen haben auf die ein oder andere Weise eine Verbindung nach Deutschland.

Wenn man in der Ecke von San Remo unterwegs ist, sollte man auf jeden Fall den Ort Bussana Vecchia besuchen. Bei einem Erdbeben Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Ort stark zerstört und die verbliebenen Einwohner verließen den Ort. Einige Jahre war Bussana Vecchia eine richtige Geisterstadt, doch schon seit den 1960er Jahren siedelten sich hier internationale Künstler an. Sie restaurierten die Häuser und kümmerten sich um ein funktionierendes Wasserversorgungssystem. Da viele der Künstler nicht registriert sind und die Siedlung bis heute offiziell als aufgegeben gilt, wollten die italienischen Behörden den Ort räumen lassen – die Künstler wehrten sich jedoch dagegen. Bei einem Besuch in Bussana Vecchia kann man viele Ateliers, Galerien und angelegte Gärten besichtigen. Es gibt auch einige Geschäfte, Bars und Restaurants, die von den Künstlern betrieben werden.

Eine wichtige Sehenswürdigkeit sind die berühmten „Cinque Terre“ im Osten Liguriens, das heißt auf Deutsch soviel wie „die fünf Ortschaften“ und das ist auch genau, um was es sich handelt. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, befinden sich alle fünf Orte an der sehr steil abfallenden Felsenküste. Die kleinen Häuschen sind bunt gestrichen, haben hölzerne Fensterläden und die Wäscheleinen sind hoch oben über den Straßen zwischen den Häusern hin und her gespannt. Es sieht wirklich aus wie gemalt! Die „Cinque Terre“ sind nicht nur UNESCO-Weltkulturerbe, sondern auch von einem Nationalpark umgeben, das heißt es darf nichts gebaut oder verändert werden. Deshalb sind die Siedlungen verkehrstechnisch schlecht angebunden. Mit dem Auto oder Bus könnt ihr nur sehr enge, kurvenreiche Straßen befahren, was sehr mühselig ist. Am besten beraten seid ihr daher mit dem Zug. So könnt ihr alle fünf Ortschaften besuchen und bekommt außerdem noch spektakuläre Blicke auf das Meer geboten.

Viele Reisenden bemängeln an Ligurien oft, dass es zu wenig Sand- und zu viele Kiesstrände gibt. Den beliebtesten Sandstrand findet man in Alassio. Der Ort mit knapp 11.000 Bewohnern ist eine Touristenhochburg und dementsprechend ist auch am Strand immer etwas los. Nur verständlich also, dass viele Menschen auch viel Sand im Wasser aufwirbeln. Mir persönlich gefällt ein Kiesstrand viel besser, denn hier ist das Wasser wirklich klar und blau wie aus dem Bilderbuch. Am liebsten bräune ich mich am Kiesstrand von Imperia. Kleiner Tipp: Mittags gibt’s an der Bude einen Espresso für nur € 0,90 ,– !

Natürlich nimmt die Kultur rund um das Essen und Trinken in Italien einen großen Stellenwert ein. Bekannt ist die ligurische Küche vor allem für Ravioli und das „Pesto alla genovese“. Durch die vielen Orte an der Küste, wird natürlich viel viel Fisch zubereitet. Eine tolle Erinnerung ist der Besuch in einem kleinen, familiengeführten Lokal direkt in den Bergen. Für eine Pauschale kann man dort etwas, das ich als italienische Tapas bezeichnen würde, zu Abend essen. Nacheinander kommen die verschiedensten Familienmitglieder – vom Opa bis zum Cousin – mit kleinen Gefäßen und Platten an den Tisch, zeigen euch die Speisen und sobald ihr zustimmt bekommt ihr etwas davon auf euren Teller serviert. Ich habe mitgezählt und es wurden tatsächlich 17 verschiedene Speisen an unserem Tisch vorbeigebracht. Natürlich gab es keine großen Portionen, aber so kann man alles einmal probieren und am Ende war ich trotzdem pappsatt.

Übrigens gibt es in Ligurien zahlreiche Olivenmühlen, die man besichtigen kann. Eine Verkosten der verschiedenen Öle wird oft auch angeboten. Wem das noch nicht reicht, kann das „Museo dell’Olivo“ in Imperia besuchen. Auch hier habe ich noch einen Tipp für euch: Salatbestecke oder Küchenbrettchen aus Olivenholz sind ein tolles Mitbringsel für Familie und Freunde! 😉

A presto – bis bald !

Mario Lenz | Länderprofi für Großbritannien und Irland