Religiöses Miteinander zum Anfassen


Nach Israel zu reisen war für mich ein lang gehegter Traum, der wahr und zu einem ganz besonderen Erlebnis wurde. In Israel treffen drei Welt-Religionen und somit auch die unterschiedlichsten Traditionen aufeinander. Das ist unglaublich spannend und faszinierend. Angst dorthin zu reisen hatte ich nicht. Ganz im Gegenteil, ich habe mich sogar sehr sicher gefühlt; bereits zu Beginn der einwöchigen Rundreise am Frankfurter Flughafen wurden Personen, Gepäck und sogar das Flugzeug selbst ausführlich kontrolliert. In Israel war dann sowohl die Polizei als auch das Militär sehr präsent – jedoch nicht so, dass ich in Panik geraten wäre.

Natürlich hört man als Europäer viel über den Nahostkonflikt und somit auch über den Streit zwischen den verschiedenen Religionen in der Region. Selbstverständlich gibt es auch regelmäßig Unruhen, jedoch nur in bestimmten Gebieten, die man als Tourist ohnehin nicht besucht. Insgesamt habe ich jedoch die Erfahrung gemacht, dass der Großteil der Bevölkerung, egal ob Jude, Moslem oder Christ, vor allem in Jerusalem friedlich nebeneinander lebt und den jeweils anderen toleriert. Sie wollen alle keinen Krieg. Die Unruhen gehen stets von den Machthabern aus. Die Reisegruppe mit der ich unterwegs war, hatte das große Glück, von einem Reiseleiter begleitet zu werden, der deutsch–israelischer Herkunft ist, sodass er uns die Unterschiede der Religionen untereinander aber auch den kulturellen Unterschied zu Deutschland sehr verständlich aufzeigen konnte. Unser moslemischer Busfahrer leistete auch ab und zu einen Beitrag aus seiner Perspektive. Das war sehr interessant – wir hatten drei Welt-Religionen bei uns im Bus und es war so harmonisch! Als offizielle Amtssprachen gelten in Israel übrigens Hebräisch und Arabisch, deshalb sind alle Schilder mindestens zweisprachig. Oft findet man auch die englische Übersetzung ergänzt.

Besonders schön war, dass eine der Teilnehmerinnen unserer Gruppe, die ganz unter dem Motto „Reise auf biblischen Spuren“ unterwegs war, zu vielen Orten, die wir besuchten, einen passenden Bibelvers parat hatte. An einem der historischen Schauplätze, die Geschichten der christlichen Bibel vorgelesen zu bekommen ist ein nicht selbstverständliches Erlebnis. So erkundeten wir beispielsweise den Ölberg und die Via Dolorosa in Jerusalem. Die Via Dolorosa – also der Weg, den Jesus laut Überlieferung zu seiner Kreuzigung ging – ist natürlich vielen bekannt und für die Anhänger ganz unterschiedlicher christlicher Glaubensrichtungen eine beliebte Pilgerstelle, über die auch Thomas Burgert schon in seinem Blogbeitrag über Israel berichtete. Die Route dieses Leidensweges führt durch unzählige kleine Straßen und auch durch das arabische Viertel Jerusalems, bis man an der Grabeskirche ankommt. Da sich hier natürlich viele Menschen aufhalten und es auch mal laut zugehen kann, gefiel mir die Nutzung der Quietvox Geräte besonders gut. Jeder Teilnehmer bekam einen kleinen Knopf ins Ohr sowie eine Gürteltasche mit Empfänger und konnte den Reiseleiter, der nur in ein Mikro sprechen musste, immer und überall hören, egal wie laut es war oder wie weit man von ihm entfernt ist. So konnte man in Ruhe fotografieren und hat trotzdem nichts verpasst.

In der Geburtsgrotte in Bethlehem haben wir uns dann Mitten im März die Weihnachtsgeschichte angehört und gemeinsam Oh Du Fröhliche gesungen. Außerdem besuchten wir den Fluss Jordan und die Stelle, an der Jesus der Überlieferung nach getauft worden ist. Auch bei unserem Besuch ließen sich dort Menschen im Fluss taufen. Das war für mich ein sehr bewegendes Erlebnis. Besonders sehenswert ist auch die Verkündigungskirche in Nazareth. Wo sie heute steht, soll Maria erfahren haben, dass sie schwanger sei. In der Region Galiläa bestiegen wir u.a. den Berg der Seligpreisungen und unternahmen eine Schifffahrt auf dem See Genezareth. Ein Highlight war hier außerdem das anschließende Mittagessen, bei dem wir Petrusfisch serviert bekamen und die Geschichte erzählt wurde, in der Jesus das Volk am See Genezareth lehrte. Nachdem er seine Belehrungen vollendet hatte, wirkte er ein Wunder. Der Fischer Petrus und seine Begleiter, die schon ewig keine Fische gefangen hatten, durften einen gewaltigen Fischfang machen. Petrus folgte daraufhin Jesus als Jünger nach. Die Atmosphäre im Restaurant direkt am Seeufer mit der tollen Erzählung dazu gab dem Essen ein ganz besonderes Flair.

Satt wird man in Israel aber auch ohne Petrusfisch. Sorgen, dass es nur eine geringe Auswahl an Speisen, aufgrund der vielen religiösen Beschränkungen, gibt, sind vollkommen unbegründet. Die Büffets sind sehr reichhaltig und es gibt neben Geflügel auch viel Lamm und Fisch sowie Gemüse in allen nur denkbaren Variationen – Schweinefleisch und Schalentiere werden einfach komplett weggelassen. Besonders zum Frühstück gab es unglaublich viele Sorten frisches Obst und diverse Arten Hüttenkäse – für mich besonders außergewöhnlich, denn zuhause in Deutschland findet man im Supermarkt meist nur eine sehr geringe Auswahl. Auf Empfehlung unseres Reiseleiters waren wir einen Mittag bei einer befreundeten Drusenfamilie zu Gast, die uns in ihrem Hinterhof verköstigt hat. Es gab viele Linsen, Gemüse und auch Brot, aber durch die einheimischen Gewürze schmeckte alles natürlich ganz anders als gewohnt. Gastfreundschaft und Herzlichkeit wird in Israel groß geschrieben. Auch unser Busfahrer kochte in kürzeren Wartepausen einen tollen arabischen Mokka mit viel Kardamom und freute sich über die lächelnden Gesichter in unserer Gruppe.

Das eindrucksvollste Erlebnis in Verbindung mit dem Islam war für mich auf unserer Reise definitiv der Felsendom. Dieser befindet sich, wie auch die Al-Aqsa-Moschee, welche zu den wichtigsten Moscheen des islamischen Glaubens überhaupt zählt, auf dem Tempelberg der Altstadt Jerusalems. Der Felsendom selbst gilt als eines der Hauptheiligtümer im Islam und wurde schon im 7. Jahrhundert erbaut, damit ist er eine der ältesten islamischen Sakralbauten. Ursprünglich nur aus Holz errichtet, wurde der Dom über die Jahre hinweg immer wieder restauriert und umgebaut. Die wunderschönen blauen Muster und Verzierungen in Kombination mit der goldenen Kuppel finde ich atemberaubend schön, ich konnte meine Blicke wirklich nur schwer davon lösen und habe unzählige Fotos gemacht.

Das außergewöhnlichste Erlebnis hatte ich am Sabbat, dem jüdischen Tag der Ruhe. Da der Überlieferung nach Gott am siebten Tag nach der Schöpfung der Erde und ihrer Lebewesen geruht hat, soll auch der Mensch diese Ruhe für einen Tag in der Woche einhalten. Der Sabbat beginnt am Freitag mit dem Sonnenuntergang und endet am Samstag, ebenfalls mit dem Sonnenuntergang. Die Regeln sind sehr, sehr streng, denn nicht nur die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit, sondern jegliche Art von Arbeit ist untersagt, deshalb müssen am Freitag vor dem Sonnenuntergang bereits viele Vorbereitungen getroffen werden. Wir haben den Sabbat in unserem Hotel miterlebt, in dem sich viele strenggläubige jüdische Familien einquartiert hatten. Ich konnte sie nicht nur anhand der traditionellen Kleidung gut erkennen, sondern auch an ihren offenen stehenden Zimmertüren. Denn sogar das Öffnen und Schließen von Türen oder auch das Betätigen irgendwelche Schalter wird als eine Art Arbeit gewertet und ist daher am Sabbat verboten. Deshalb gibt es am Sabbat in Hotels auch mindestens zwei unterschiedlich getaktete Aufzüge, denn auch hier dürfen Knöpfe nicht gedrückt werden. Ein Aufzug hält in allen ungeraden Etagen, der zweite bedient alle geraden. Für Einheimische ist das alles kein großes Spektakel, sondern normal, man toleriert sich und die jeweiligen Traditionen gegenseitig. Besonders witzig war für mich auch das Erlebnis in ganz Israel McDonalds Filialen in unterschiedlichen Farben zu sehen: rot (wie bei uns) steht für „normal“, grün steht für „kosher“.

Zum Abschluss der Reise haben wir uns auch eine kleine Ruhepause am Toten Meer gegönnt. So konnte ich am eigenen Leib feststellen, dass man auf Grund des hohen Salzgehaltes im Wasser tatsächlich nicht untergeht, sondern förmlich auf der Wasseroberfläche treibt. Und das salzhaltige Wasser sowie die Luft ist eine wahre Wohltat für die Haut, aber auch bei Knochen- und Atemwegserkrankungen.

Falls ihr jetzt auch Lust bekommen habt den Sehnsuchtsort der drei großen Weltreligionen mit eigenen Augen zu erkunden, dann schaut euch doch mal folgenden Reisetipp an.

Bis bald,

Sandra Lobbes | Länderprofi für Italien