Hinter den Kulissen von Neapel


Leben und Arbeiten, wo andere Urlaub machen – das stellen sich viele traumhaft vor – ist es auch! Wahnsinnig gerne blicke ich auf meine Zeit am Golf von Neapel zurück, wo ich durch meine Tätigkeit als Reiseleiterin fast fünf Jahre verbracht habe. Die gesamte Zeit ist rückblickend ein einziges großes Erlebnis, da ich durch die permanente Arbeit mit vielen Menschen Land und Leute noch viel besser kennen (und lieben) gelernt habe als anfangs gedacht.

Während meiner Zeit in Italien habe ich auf der Insel Ischia gelebt, die ist ungefähr doppelt so groß wie die deutsche Nordseeinsel Norderney. Die Einheimischen bilden hier eine eingeschworene Gemeinschaft. Bevor ich mich überhaupt orientieren konnte, wussten diese schon, wer ich bin, was ich mache und wo ich wohne. Insgesamt bin ich auf sehr viel Hilfsbereitschaft getroffen, denn die Menschen am Golf von Neapel sind quasi „zum Anfassen“ und generell viel offener als ich etwa die Römer erlebt habe.

Oft hört man über die Mentalität in südeuropäischen Ländern viele Stereotypen und Klischees. Ich habe während meiner Zeit in Italien festgestellt, dass einige davon tatsächlich zutreffen. Wer zum Beispiel Wert auf Pünktlichkeit legt, der braucht hier schon starke Nerven! „Piano, Piano“ – also „langsam, langsam“ – lautet die Devise, wenn man beispielsweise einen Handwerker bestellt. Wenn dieser versichert in spätestens eineinhalb Stunden da zu sein, wird man ihn recht sicher innerhalb der nächsten 14 Tage irgendwann zu Gesicht bekommen. Natürlich ist das am Anfang neu und ungewohnt, mir persönlich fiel es dennoch nicht schwer, mich daran zu gewöhnen. Manchmal wird der oft doch sehr hektische Beruf der Reiseleiterin durch genau diese Mentalität entschleunigt und ausbalanciert.

In der Gästebetreuung erlebt man viel Action und auch die ein oder andere skurrile Situation. Jemanden um zwei Uhr nachts am Flughafen abzuholen, ist da im Vergleich zu einem gebrochenen Bein oder einem Ehestreit, bei dem einer der beiden mitten in der Nacht abreisen möchte, absolut harmlos. Es kommt auch vor, dass man Gäste wieder einsammeln muss, die auf eine falsche Fähre oder in den falschen Bus gestiegen sind. Wenn man täglich in solch einem Trubel arbeitet, ist es natürlich umso seltsamer, wenn im Winter so gut wie keine Touristen in der Gegend sind. Am Ende der Saison habe ich immer erst einmal die Ruhe genossen, ziemlich schnell wurde es dann auch schon langweilig und ich habe mich immer darauf gefreut, wenn es endlich wieder losgeht!

Was natürlich zu einer Reise in die Region rund um Neapel unbedingt gehört, ist das Sightseeing. Neben klassischen Tagesausflügen an die Amalfiküste, nach Capri oder nach Ischia, solltet ihr einen Besuch des antiken Pompejis auf jeden Fall einplanen. Pompeji wurde im Jahr 79 n. Chr. bei einem Ausbruch des Vesuv komplett verschüttet und durch die Zusammensetzung des Lavagesteinsmantels konserviert. Im 18. Jahrhundert wurde die antike Stadt wiederentdeckt und ist jetzt eine riesengroße und fantastische Ausgrabungsstätte.  Selbst wenn Pompeji so bekannt ist, ist es wirklich beeindruckend – und auch für Wiederholer immer wieder sehenswert. Dieselbe Geschichte hat der Ort Herculaneum, dieser ist allerdings eher unbekannt und daher noch immer ein kleiner Geheimtipp.

Außerdem kann ich eine Stadtführung durch Neapel sehr empfehlen. Besonders spannend finde ich, dass es tief unter den lebhaften Gassen ein zweites Neapel gibt – ein unterirdisches. Das circa 80 km lange Netz aus Höhlen, Tunneln und Brunnen wurde im Laufe der Zeit sehr vielfältig genutzt. Entstanden ist es bereits im 4. Jahrhundert vor Christus und wurde zunächst als System zur Wasserspeicherung angelegt. Dieses wurde später durch die Römer ausgebaut, die das System erweiterten, so dass Wasser durch die Tunnel transportiert werden konnte. Aber auch Könige ließen sich Tunnel als direkte Fluchtwege vom Schloss zum Meer hin graben. Im zweiten Weltkrieg suchten viele Neapolitaner dann unterirdisch Zuflucht vor den Bomben, viele blieben permanent in den Katakomben und so entstanden sogar vereinzelt einige Siedlungen. Nach Ende des Krieges wurden die Gänge und Räume hauptsächlich mit Schutt und Müll gefüllt, da es keine Möglichkeit gab, diesen abzutransportieren. Aber auch die Justiz und die Mafia nutzte die Höhlen – die einen als Lagerort für beschlagnahmte Güter, die anderen als Versteck für Schmuggelware. Danach galten die Katakomben schon fast als vergessen, bis 1979 ein unterirdisches Feuer ausbrach und man wieder auf das unterirdische Neapel aufmerksam wurde.

Erwähnenswert ist selbstverständlich auch die traumhafte italienische Küche: Antipasti, Bruschetta, Pizza und Pasta in allen Variationen. Genau wie man es sich vorstellt – nur noch besser. 😉 Außerdem isst man abends für deutsche Verhältnisse erst sehr spät und oft auch zwei Mal eine warme Mahlzeit am Tag. Eins meiner Lieblingsgerichte, das ich in Neapel zum allerersten Mal gegessen habe, nennt sich „Parmigiana de Melanzane“. Dabei handelt es sich um einen köstlichen Auberginen-Auflauf mit Tomaten, Mozzarella, frisch geriebenem Parmesan und reichlich Basilikum.

Eine Spezialität der Insel Ischia ist „Coniglio alla Cacciatore“, was soviel wie Kaninchen nach Jägerart bedeutet. Traditionell wird das Gericht immer sonntags gegessen und jede Familie hat ihr eigenes, natürlich streng geheimes Rezept. Außerdem gibt es speziell nur auf Ischia einen Likör aus Rucola. Dieser nennt sich „Rucolino“, schmeckt fantastisch und ist sehr bekömmlich – perfekt nachdem man sich an den italienischen Spezialitäten satt gegessen hat. Unter Kennern ist er mittlerweile so beliebt, dass man ihn sich auch über das Internet bestellen kann. So hält das Urlaubsgefühl auch zu Hause noch ein bisschen an. 😉

Nach wie vor mag ich die Region sehr gerne und versuche einmal pro Jahr dort zu sein. Obwohl ich mich sehr gut auskenne, lerne ich auch dann immer noch etwas dazu. Habt auch ihr eine Geschichte zur Region um Neapel, die ihr teilen möchtet?

Bis bald,

Diana Wölk | Profi für Kunden