Finnland: Welterbe und Zungenbrecher


Da Finnland oft als das Land der 1000 Seen bezeichnet wird, vergessen die meisten Menschen die reiche Kultur dieser Nation. Dieser ruhige Staat im Norden birgt nämlich gleich sieben UNESCO-Welterbestätten! Vier davon habe ich während meiner Erkundungsreise letztes Jahr besucht.

Unsere Rundreise startete in Helsinki. Die nächsten fünf Tage sollten unter dem Motto Welterbe stehen. Doch bevor wir dorthin aufbrachen, schauten wir uns erst einmal in Helsinki etwas genauer um. Die Hauptstadt ist nämlich mit etwa 630.000 Einwohnern auch gleich die größte Stadt Finnlands. So richtig warm, wie unsere Sommer, wird es hier oft nicht, da sind Temperaturen um die 22°C schon das warme Sommerwetter. Dafür wird es im Winter aber auch nicht richtig klirrend kalt – typisch maritimes Klima eben.

Für uns ging es nach der Entdeckungstour weiter nach Suomenlinna, südlich von Helsinki gelegen und unser erstes Weltkulturerbe. Auf einer Insel liegt diese Festung von 1748 und durch die strategisch günstige Lage erklären sich auch die vielen geschichtlichen Ereignisse, die hier stattgefunden haben. Diese komplette Insel wurde zur Festung umfunktioniert und ist damit auch heute noch eine der größten Seefestungsanlagen! Die Festungsinsel ist gut erhalten und beherbergt heute ganze sechs Museen mit diversen Ausstellungen, die jedem Besucher die vielschichtige Geschichte Soumenlinnas näher bringt. Ich fand es beeindruckend.

Gerade durch die vielen Seen und der zerklüfteten Küstenlinie Finnlands gibt es abertausende kleine und größere Inseln, die um Finnland herum zahlreiche Archipele, auch Schären genannt, bilden. Mein Lieblingsarchipel und auch gleich das nächste UNESCO-Weltkulturerbe sollte ich gleich am nächsten Tag kennenlernen. Nachdem wir abends noch von Helsinki nach Vaasa geflogen sind und wir morgens zunächst Vaasa selbst erkundeten, machten wir dann eine Bootsfahrt durch das Kvarken-Archipel. Wie bei den schwedischen Schären gibt es hier gefühlt hunderte kleinerer Inseln, die alle unberührt in der Sonne lagen. Das Wetter war einfach traumhaft: die Sonne schien und die Temperatur war perfekt, um etwas zu unternehmen. Unsere Führung erklärte uns dann, dass etwas Seltsames in diesem Archipel passiere: denn es wächst jährlich! Ich konnte mich an der Landschaft gar nicht statt sehen und ging im Kopf schon durch, welche Aktivitäten hier möglich wären: wandern, segeln, Kanu oder Kajak fahren, Fahrradtouren oder einfach zelten.
Ich kann euch nur wärmstens ans Herz legen: Macht eine Bootstour durch diese unfassbar schöne Landschaft! Wenn es geht, fahrt auch am Nachmittag los, dann könnt Ihr im Sonnenuntergang den Wechsel des Lichts erleben. Es war einmalig und mein absolutes Highlight!

Weiter südlich von Vaasa liegt Pori, ein Städtchen, dass vor allem für sein Jazzfestival im ganzen Land bekannt ist. Teil von Pori ist Yyteri. Auch wenn ich bis heute nicht richtig weiß, wie man diesen Namen richtig ausspricht, so ist es doch ein toller Stadtteil von Pori, ein bisschen weiter außerhalb – am Sandstrand! Ich konnte meinen Augen kaum trauen, dass ich hier in Finnland einen so feinen, weißen Strand antreffe! Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, könnte man fast meinen in Italien zu sein. Unser Guide hatte noch etwas besonderes für uns vorbereitet: Wir sind zusammen in den Wäldern über einen Naturpfad gewandert, um Pilze und Beeren zu sammeln und haben dann am Sandstrand, kurz vorm Waldrand ein Lagerfeuer entfacht und zusammen unser Essen zubereitet. Das ist finnische Gelassenheit. 🙂

Es wurde langsam wieder Zeit für eine weitere UNESCO-Weltkulturerbestätte und so fuhren wir nach Rauma. Die ganze Altstadt ist ein einziges Weltkulturerbe, denn die Häuser sind noch originale Holzbauten aus dem 15. Jahrhundert. Wenn ihr hier her kommt, nehmt eure gute Kamera mit, denn ihr erkundet dann die größte Holzstadt Skandinaviens und die lässt sich sehen! Wir sind gemütlich durch die Gassen spaziert und haben das Flair einfach in uns aufgenommen. Rauma ist besonders für die Klöppelspitze bekannt, eine Handarbeitsart, die ich bisher nur aus Plauen kannte. Hier gab es wirklich alles aus Klöppelspitze zu kaufen, sogar eine große Hängematte!

Nahe Rauma findet ihr auch gleich ein viertes Weltkulturerbe: Sammallahdenmäki. Diese unaussprechliche Stätte ist ein prähistorischer Fund, der auf die Bronzezeit zurückgeht. Die Grabstätten sind noch gut zu erkennen – sofern ihr wisst, wonach ihr schauen müsst. Ich war jedenfalls sehr froh, eine Führung mitzumachen, in der mir genau gezeigt wurde, welches Grab wo ist. 😀 Immerhin gibt es 36 Gräber auf etwa genau so vielen Hektar Land! Der Eintritt ist frei, die Versuchung also groß das Gelände auf eigene Faust zu erkunden. Aber trotz der vereinzelten Beschilderung hätte ich nicht halb so viel Interessantes gesehen.

In Finnland kommt wirklich das Angenehme zusammen: Land und Leute sind sehr herzlich und gastfreundlich. Obwohl an der Westküste weniger Touristen sind und daher englisch nicht so weit verbreitet ist wie im Süden, geben sich alle Mühe, den Aufenthalt so schön wie möglich zu gestalten. Ein paar Worte Suomi (also finnisch 😉 ) empfehle ich euch aber dennoch zu wissen. Das ist eine schöne Geste, das sich beide Parteien bemühen miteinander zu kommunizieren und macht immer einen sympathischen Eindruck.

Wenn ihr übrigens einmal auf Labskaus stoßt und es noch nicht von unserer deutschen Küstenküche her kennt, dann probiert es mal! Die Augen können hier leider nur wenig mitessen, aber der Geschmack ist hervorragend! 😉 Labskaus ist ein altes Seefahreressen mit Kartoffeln, Fleisch und roter Beete. Manchmal auch mit einem Spiegelei – einfach lecker.

Übrigens: Die drei UNESCO-Weltkulturerbestätten, die noch fehlten waren zum einen die Kartonfabrik in Verla von 1882 (Südfinnland), die Holzkirche Petäjävesi von 1763 und Teile des Struve-Bogens, dessen Messpunkte von Norwegen über Schweden, Finnland und Russlands ins Baltikum, nach Weißrussland bis in die Ukraine und letztlich Moldawien verteilt sind, um Anfang des 19. Jahrhunderts. die Erde genauestens zu vermessen. Das hebe ich mir für meine nächste Reise auf. 🙂

Britta Sieber | Profi für Skandinavien