Down Under: Azubine auf Abenteuer


Wenn es im Oktober in Deutschland langsam kühler wird, fängt in Australien gerade der Frühling an. Meine Schwester macht zurzeit einen Au-Pair-Aufenthalt in Melbourne und passt dort bei einer einheimischen Familie tagsüber auf die Kinder auf. Da dachte ich mir, dass ich sie in den Herbstferien besuchen könnte.

Gesagt, getan und schon war ich alleine auf dem sehr langen Weg nach Down Under, um in zweieinhalb Wochen die Süd-Ostküste etwas kennenzulernen. Nach einem 22-stündigem Flug mit Zwischenstopp in Doha war ich endlich in der „most livable city“. Mit der Zeitverschiebung hatte ich auf dem Hinweg kaum Probleme, der Rückweg sollte da schon etwas schwieriger werden. Größtenteils habe ich von Melbourne aus verschiedene Tagesausflüge gemacht und habe mir die Gegend angesehen.

Ich hatte mich im Vorfeld schlau gemacht, was die größten Highlights sind, wenn ich zum ersten Mal im Leben in Melbourne bin. Meine Schwester und ihre Gastfamilie waren dabei natürlich eine große Hilfe. Auf jeden Fall stand die Great Ocean Road als Tagesausflug auf dem Plan. Die Great Ocean Road ist eine 243 km lange Straße entlang der australischen Südküste. Bekannt ist Sie vor allem für die 12 Apostel, die weltberühmten Felsformationen – obwohl die 12 Apostel lange nicht mehr vollzählig sind! Da sie direkt an der Küste stehen, sind sie dem Meer ausgeliefert und das trägt jährlich etwa zwei Zentimeter der Figuren ab bis sie ins Meer fallen! Heute sind nur noch acht Apostel zu bewundern. Das reicht jedoch völlig um einfach atemberaubend auszusehen 😀 – und angeblich sind die Felsen nach Ayers Rock das meistfotografierteste Motiv in Australien!

Melbourne selbst hat sehr coole Attraktionen zu bieten. Manche, wie das hippe St. Kilda oder das bunte Brighton, sind einfach nur tolle Stadtviertel, die eine besondere Stimmung haben. Für den Tag hatte ich mir ein Fahrrad ausgeliehen und bin los geradelt. Der Linksverkehr ist mir nicht geheuer, hinters Steuer eines PKWs habe ich mich daher nicht getraut. Das Fahrrad hatte aber auch den großen Vorteil, dass ich einen Stopp einlegen konnte, wann immer ich wollte! Auf der anderen Seite habe ich aber auch erst nach gefühlten fünf Kilometern gemerkt, dass ich rechts fahre – zum Glück ist Australien so weitläufig und riesig, dass ich während der ganzen Zeit nicht einen anderen Verkehrsteilnehmer getroffen habe.

Zudem bietet Melbourne einen wunderschönen bunten botanischen Garten. Andere Sehenswürdigkeiten die mir gut gefallen haben, sind unter anderem die bekannte Flinder Street, der Federation Square, die Hosier Lane mit den tollen Graffitis an den Wänden und das atemberaubende Crown Casino, wo man tagsüber Essen und abends feiern gehen und spielen kann.

Kurz vor Melbourne liegt Philip Island, eine vorgelagerte Insel, die ein beliebtes Urlaubsziel unter den Australiern ist. Hier könnt ihr mit Koalabären kuscheln und Kängurus füttern. Koalas sind ja so flauschig! Wenn ihr genau hinseht, dann schaut sogar noch ein kleines Baby-Känguru aus der Beuteltasche des Mama-Kängurus raus.

Mein Tipp: Abends gibt es auf Philip Island ein ganz besonderes Erlebnis, dass jedoch nicht fotografiert werden darf! An Frühlingsabenden kommen die kleinen Pinguine aus dem Meer zurück an den Strand, da sie noch nicht stark genug sind um im Wasser zu bleiben. Da kommt also diese Parade an Niedlichkeit aus dem Meer und wandert schnurstracks wieder in das Nest. Es ist unfassbar niedlich. Weil die Kleinen jedoch nicht durch die Lichtblitze der Kameras in der Dämmerung geblendet oder geängstigt werden sollen, herrscht strengstes Fotografierverbot. Da ich mich natürlich daran gehalten habe, gibt es leider kein Bild davon!

Wenn ihr in Australien die vielen verschiedenen Sehenswürdigkeiten abarbeitet, dann werdet ihr zwangsläufig hungrig werden, denn die Wege sind hier etwas weiter und die frische Frühlingsluft gibt euch dann den Rest. In Melbourne habt ihr dabei die Qual der Wahl: Die ganze internationale Küche ist vertreten. Zwei Dinge haben mich aber besonders verwundert. Zum einen scheinen die Australier ein sehr gesundheitsbewusstes Völkchen zu sein, denn es gibt viele vegetarische und sogar vegane Restaurants und zum anderen habe ich kein „typisch australisches“ Essen gefunden. Ich vermute mal, das hat was mit der Entstehung Australiens zu tun, da die ersten Kolonisten aus ganz Europa „strafversetzt“ wurden. 😉
Ein paar typisch australische Produkte gibt es dann allerdings schon: Bei meiner Schwester habe ich Vegemite probiert. Das ist ein Frühstücksaufstrich, der so ein bisschen nach festem Maggie schmeckt. Es ist ganz ähnlich dem britischen Marmite und ist so eine dunkle, fast schwarze Flüssigkeit, fast wie Honig. Anfangs fand ich es nicht so lecker, aber irgendwie habe ich mich ganz schnell daran gewöhnt und sogar ein Glas als Souvenir mit nach Hause genommen. Die leckeren TimTams sind auch typisch für Australien. Das sind Schokowaffeln, die mit Schokolade überzogen sind. Aber irgendwie sind die Waffeln fester und knusprig. Sehr lecker!

Wo ich doch schon mal in „Down Under“ war, wollte ich mir Sydney ebenfalls nicht entgehen lassen (es sind ja schließlich nur noch ca. 900 km 🙂 ).

Kurzerhand buchte ich mir einen Flug um drei Tage lang die größte Stadt des Kontinents anzuschauen. Der Beginn meiner Kurzreise war jedoch furchtbar. Mein Flug wurde gestrichen und erst nach heftigen Debatten mit den Counter-Damen wurde ich einen halben Tag später auf einen anderen Flug umgebucht. Als ich dann in Sydney ankam und ins Hostel eincheckte, traf mich gleich der nächste Schlag: Das Hostel stellte sich als üble Absteige heraus. Es lohnt sich also nicht immer nur nach dem Preis zu buchen! Das Fenster ließ sich nicht richtig öffnen und krachte immer wieder runter – nachts kommt das besonders gut an. Aber ich dachte mir, ich bin jung und nur für zwei Nächte hier, dafür wird‘s gehen! 😀
Sydney ist eine tolle Stadt. Ich fand es nicht ganz so toll wie Melbourne, es hat aber seine Highlights. 😉 Da ich hier keine einheimische Unterstützung hatte, bin ich erstmal zur Touristinformation gegangen. Der Angestellte dort war unglaublich freundlich, was mir schon vorher bei den meisten Australiern aufgefallen war. Er hat sich Zeit für all meine Fragen genommen und mich wirklich super beraten. Danach war ich gut vorbereitet mir die Stadt anzuschauen. Schaut euch unbedingt das berühmte Opera House und die Harbour Bridge an. Sehr fasziniert war ich von dem 309 m hohem Eye Tower (Sydneys höchstes Gebäude). Man hat einen super Ausblick von oben! Anschließend wollte ich dann weiter zum Bondi Beach – der berühmte Surferstrand mit den tollen Wellen. Am Bondi Beach gibt es auch ein öffentliches Schwimmbad, das aussieht wie so mancher Pool in großen Luxushäusern. Direkt am Meer steht dieses imposante Schwimmbad und macht es allen Menschen möglich, ein wunderbares Stranderlebnis zu haben – auch Menschen, die nicht gern ins Meer gehen.

Für euren Australienurlaub solltet ihr euch auf jeden Fall etwas mehr Urlaubsgeld mitnehmen, denn Australien ist im Vergleich zu Deutschland recht teuer. Ich hatte das nicht ganz so unterschiedlich gedacht und wenn ihr, so wie ich, schon mal den weiten Weg auf euch nehmt, dann wollt ihr sicherlich auch so tolle Sachen erleben, wie die vielen Rooftop-Bars, die es in vielen Restaurants gibt, und wo deren „Außenbereich“ auf den Dächern der Gebäude sind. Besonders toll fand ich da den Eureka-Tower in Melbourne. Ich war zum Sonnenuntergang dort und es ist einfach wunderschön, Melbourne so im Sonnenlicht vor mir liegen zu sehen. In Melbourne gibt es ja viele vegetarische Restaurants. Wenn euch das gefällt, probiert doch mal „Lentils as anything“. Das Konzept ist irre: Es gibt ein Buffet, von dem ihr euch nehmen könnt, was euch anspricht und ihr bezahlt dafür, was ihr für angebracht haltet. Keine festen Preise. Das fand ich richtig cool. 😀
Was mir besonders gut in Erinnerung geblieben ist, ist das sämtliche Restaurants gratis stilles Wasser anbieten. Bei uns ist das eher selten aber dort gang und gäbe. Vielleicht gehört das zur australischen Gastfreundschaft, die ich so oft erlebt habe. 😉

Ich werde bestimmt wieder zurück kommen. Zum einen gibt es noch so viel wunderschöne Natur zu sehen und zum anderen finde ich es eine super Möglichkeit, um dem grauen deutschen Winter zu entfliehen.

Wart ihr schon mal in Australien?

Seline Schachta | Service-Reisen Jungprofi