Slowenien: Von der Adria ins Hochgebirge


Irgendwann einmal habe ich im Fernsehen einen Bericht über die Soca gesehen: Türkisfarben schimmernd und kristallklar schlängelte sich der Fluss durch die Berglandschaft Sloweniens. „Da musst du auch mal hin!“, dachte ich bei diesen Bildern. Aber es hat dann noch einige Jahre gedauert, bis mein Partner und ich konkrete Reisepläne machten. Schon bei den Reisevorbereitungen war ich ziemlich überrascht, wie abwechslungsreich dieses kleine Land doch ist.

Da es von den Julischen Alpen im Norden bis zur Adria-Küste nicht einmal 200 Kilometer sind, beschlossen wir auf unserer Reise, das schneebedeckte Hochgebirge mit mediterranen Küstenflair zu verbinden – auch wenn das Wasser im Mai – zumindest für eine Frierkatze wie mich – noch viel zu kalt zum Baden ist.

Als schönste Stadt an der slowenischen Küste gilt Piran. Also nix wie hin! Die gesamte Küste des Landes ist übrigens nur rund 45 Kilometer lang. Also muss das mit der schönsten Stadt ja nicht viel heißen, denkt ihr vielleicht. Aber Piran ist wirklich ein Schmuckstück. Allein schon die Lage der Stadt auf einer schmalen Halbinsel ist wunderschön. Am besten sieht man das von oben: Nachdem wir die alte Wehrmauer erklommen hatten, bot sich uns ein Anblick wie auf einer kitschigen Postkarte – auf das leuchtend blaue Meer und ein Meer aus roten Dächern. In der Mitte erkannten wir den großen Tartini-Platz – das Herz von Piran – mit seinen stattlichen Gebäuden, die an italienische Städte erinnern. Kein Wunder, denn Italien liegt ja quasi um die Ecke und außerdem herrschten mehrere Jahrhunderte lang die Venezianer in Piran.

Hinter dem Tartini-Platz sahen wir auch das Haus, in dem unser Apartment lag. Das war übrigens recht preisgünstig und erst kürzlich top-modern renoviert worden. Was man allerdings wissen sollte: Das Auto kann man in Piran nur außerhalb der Altstadt parken, wo es zwei große Parkhäuser gibt. Also haben wir am Anreisetag unser Gepäck einen etwa zehn Minuten langen Fußweg hinunter in die Altstadt bugsiert, teils über holpriges Kopfsteinpflaster und einige Treppenstufen in den engen Gassen. Eine der Rollen meines Trolleys hat das übrigens nicht überlebt. Zu dem anderen Parkplatz gibt es – wie wir leider später erfahren haben – übrigens einen Shuttle-Service.

In Piran könnt ihr sogar einige kleine Museen besuchen, zum Beispiel das Schifffahrtsmuseum oder das Unterwassermuseum, in dem es um die Geschichte des Tauchens geht. Für manche Damen vielleicht besonders spannend: Im nahe gelegenen Portoroz gibt es auch ein Handtaschen Museum! Wir fanden das Wetter aber viel zu schön für einen Museumsbesuch und verbrachten unsere Zeit lieber am schnuckeligen Hafen, in einem der netten Cafés auf dem Tartini-Platz oder bei einem Spaziergang entlang der Steilküste. Am frühen Abend sitzt man sehr schön in einer der Bars auf der hübschen Promenade, direkt am Meer – bei einem Gläschen slowenischen Wein und mit Blick auf die untergehende Sonne.

Nach drei Tagen stand für uns dann das Kontrastprogramm an – das Hochgebirge, die Wasserfälle und Schluchten der Julischen Alpen. Wir bezogen ein Hotel in Gozd Martuljek, einem kleinen Nachbarort des bekannten Wintersportortes Kranjska Gora. Wir bekamen ein Zimmer mit Ausblick – und was für einem Ausblick! Steil aufragende Berge drängelten sich am Horizont, darunter der markante, 2472 Meter hohe Spik. „Bei uns schlafen Sie in der ersten Reihe“ wäre ein passender Werbeslogan gewesen, denn durch die großen Fenster konnte ich die Berge sogar vom Bett aus sehen.

In den nächsten Tagen erkundeten wir mit dem Auto die Gegend. Tipp: Unbedingt einplanen solltet ihr bei einer Reise nach Slowenien den Vrsic-Pass: So eindrucksvoll hätte ich mir die Landschaft hier gar nicht vorgestellt! Besonders schön fand ich den kleinen, kristallklaren Jasna See mit seiner mächtigen Bergkulisse und die schroffen Felswände weiter oben an der Passstraße, die auf immerhin 1611 Meter Höhe führt. Die Soca, die wirklich wunderbar türkisfarben schimmert und quasi der Auslöser für diese Reise war, konnten wir bei diesem Ausflug übrigens ebenfalls bewundern. Wir kämpften uns sogar zu ihrer Quelle vor, obwohl die letzten Meter des Weges über eine steil abfallende Felswand führte, bei der ich mich fragte: Wo in aller Welt ist hier ein Weg?

Einen weiteren Ausflug machten wir in das Vrata-Tal, das vor Jahrtausenden von Gletschern geformt wurde. Das Highlight hier war für mich der Pericnik-Wasserfall, der gut 50 Meter über eine überhängende Felswand stürzt. Äußerst fotogen übrigens, auch weil man ihn vom Weg unter dem Felsüberhang von hinten sehen kann. Dabei kommt man den Wassermassen jedoch ziemlich nahe… Gut, dass es ein warmer Tag war, denn durch die Gischt und das von der Decke tropfende Wasser sah ich hinterher beinahe aus, als hätte ich geduscht!

Wir haben noch viele andere tolle Orte gesehen, wie den grünlich schimmernden Bergsee Bohinj und die wildromantische Vintgar-Klamm bei Bled. Wir haben in Slowenien viele freundliche und aufgeschlossene Menschen getroffen, wurden mit leckerem Essen und gutem Wein verwöhnt (das Bier ist übrigens auch nicht schlecht…). Aber das schaut ihr euch wirklich alles am besten selbst an. Also macht eine Reise in dieses kleine, kontrastreiche Land, aber esst nicht zu viele sahnig-süße Bleder Cremeschnitten, denn sonst kommt ihr zwar glücklich wieder nach Hause – aber eben auch kugelrund… 😉

Petra Laux | Profi für Skandinavien