San Juan, Estado Libre Asociado de Puerto Rico


Hohe Temperaturen und ich, nun das passt eigentlich schon mal gar nicht zusammen. Ich sitze am Flughafen in Madrid und warte darauf, dass mein Flug nach San Juan aufgerufen wird. Die Zeit vergeht schnell, denn ich schaue dauernd auf das Wetterradar in meinem Handy, es ist schließlich Hurricane Season in der Karibik und da braut sich was Böses zusammen.

Endlich, wir werden aufgerufen und gehen an Bord eines alten und schmuddeligen A340. Wir sind erstaunlicher Weise gut gelandet und auch mein Gepäck ist da, was bei der gewählten Airline eher nicht selbstverständlich ist.


Ihr habt es ja vielleicht schon geahnt, Puerto Rico ist US-amerikanisches Außengebiet, was bedeutet, dass ihr hier durch US Customs gehen müsst. Zum Glück sind die hier mega cool drauf, also alles wird gut.

Wir sind draußen und es ist, gar nicht sooo heiß. Der nach Miami abdrehende Wirbelsturm schickt uns starke Winde, was die Temperaturen erträglich macht. Nach einer kurzen Taxifahrt kommen wir im Hotel direkt am Meer an, wo uns ein karibisches Blau und tosende Wellen begrüßen.

Ich habe wie immer einen Jetlag und bin schon früh um vier Uhr wach. Zum Glück gibt es eine Kaffeemaschine im Hotelzimmer. Ich bin extra einen Tag früher angereist, um noch was von der Stadt zu haben, bevor ich auf mein Kreuzfahrtschiff, die Azamara Journey gehe. Ich mache mich daher früh auf den Weg, natürlich zu Fuß. Von unserem Hotel bis zur historischen Altstadt (Old San Juan) sind es gut vier Kilometer.

Auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel sah alles sehr amerikanisch aus und ich bin gespannt wie den wohl der historische Teil aussehen wird. In einem Starbucks vor unserem Hotel besorge ich mir die Grundausstattung für meine kleine Wanderung, ein Brötchen, Zitronenkuchen und einem doppelten Espresso „to go“.


Schon nach kurzer Zeit habe ich die austauschbaren Neubauten hinter mir gelassen und nähere mich dem alten San Juan. Wow! Das karibische Flair nimmt mich in seinen Bann und ich muss andauernd stehen bleiben. Bis auf die fleißigen Gärtner, die die Parks reinigen, ist kaum jemand unterwegs. Ich schaue auf die Uhr, es ist 8:30. Ok, hier schläft man wohl länger aus ☺.

Seit 1983 steht die Altstadt von San Juan in der Liste des UNESCO-Welterbes. Die um 1630 errichtete Stadtmauer folgt den Konturen der Halbinsel und du hast hier fantastische Ausblicke auf das Meer und die Festung. Die meisten Straßen sind rechtwinklig angeordnet, ich finde mich dadurch gut zurecht.


Beim Bummel durch die von bunten Häusern gesäumten Straßen kommt trotz Jetlag gute Laune auf und ich merke gar nicht, wie heiß es geworden ist. Nach einiger Suche finde ich einen Coffee Shop, der geöffnet hat, klimatisiert ist und auch noch Wasser und guten Espresso hat. Nach einer kleinen Pause mache ich mich nun auf den Weg hoch zur Festung. Die Festung San Felipe del Morro – spanisch El Castillo San Felipe del Morro oder kurz El Morro – stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist seit 1983 Weltkulturerbe.


Auf dem Weg zur Festung sehe ich von weiten kleine Gebäude, die von der Festung zum Meer hin stehen – denke ich jedenfalls. Als ich näher komme, kann ich es kaum glauben: Das ist ein Friedhof, eingebettet zwischen der Festung, der Stadtmauer und dem Meer. Der Cementario Santa Maria Magdalena de Pazzi ist wunderschön.

Ich verbringe unbewusst fast eine Stunde nur damit durch die schmalen Gänge zwischen den Gräbern zu laufen und die Ruhe und Anmut zu genießen. Ich raffe mich auf weiter zur Festung zu laufen. Wow, was für ein beeindruckendes Bauwerk.


Die Festung hatte eine Schlüsselposition und kontrollierte den Seeweg in die südliche Karibik. 1595 konnte die Festung einen Angriff von Francis Drake abwehren. George Clifford, der Duke of Cumberland, konnte drei Jahre später dann aber die Festung erobern. Der letzte Beschuss erfolgte während des spanisch-amerikanischen Krieges. Die Festungsanlage ist riesig und schnell habe ich mich zwischen hohen Mauern und kleinen Gängen verirrt. Es gibt unglaubliche Ausblicke aufs Meer und auf die Hafeneinfahrt.


Es ist bereits Nachmittag und ich habe die Hitze durch den Wind nicht so gespürt und definitiv zu wenig getrunken. Mein Kreislauf macht sich bemerkbar und ich besorge mir erst mal zwei Liter Wasser, setzte mich in Schatten und schließe die Augen. Fast kann ich das Donnern der Kanonen und die Kämpfe hören, die hier stattgefunden haben. Für die Festung alleine könnt Ihr locker einen halben Tag einplanen, ein echtes Highlight.

Es ist Zeit, wieder ins Hotel zu gehen und ich nutze einen dieser kostenlosen Trolleybusse um die Strecke zum Hotel etwas zu verkürzen. Der Fahrer erklärt mir wo ich besser abends nicht laufen sollte, denn angrenzend an die gut überwachte Altstadt liegen Stadtviertel mit sozialen Brennpunkten. Auf dem Weg zum Hotel halte ich mich an die großen belebten Straßen und genieße das Laufen in der Abendsonne.


Leider hatte ich nur einen Tag in dieser wunderschönen karibischen Stadt, denn am nächsten Morgen geht es auf ein kleines und feines Kreuzfahrtschiff, die Azamara Journey. Ich lassen den Abend mit diversen Cocktails am Hotelstrand ausklingen und lausche bei geschlossenen Augen dem Meer und sehe dabei die Piratenschiffe vorbeisegeln, hoffentlich kein böses Ohmen für die Kreuzfahrt.


Es ist sechs Uhr morgens, die Kaffeemaschine läuft schon und ich habe über Nacht eine fette Erkältung bekommen. Ich creme meine rote Nase gut ein und am Hafen angekommen versuche ich die Erkältung zu verbergen. Beim Kreuzfahrt Check-in versuche ich die Fragen kreativ zu beantworten, denn sonst kann es passieren, dass mich die übervorsichtigen US-Kollegen nicht an Bord lassen.

Puhhh, geschafft! Ich habe meine Balkonkabine bezogen und freue mich auf die Tour Richtung Barbados. Durch den Hurricane der Richtung Miami gedreht ist, erwartet uns eine raue See. Laut unserem Kapitän können wir die Route aber aktuell wie geplant fahren.

An der Reling stehend nehme ich Abschied von einer Stadt, für die ich viel zu wenig Zeit eingeplant hatte und zu der ich sicher noch mal zurückkommen werde.

Ralf Wernicke | Profi fürs Marketing