Der Burgherr im Morgenmantel


Als Tourismuskauffrauen kennen wir vier die ganze Welt, heute aber wollen wir mal vor der eigenen Haustüre schauen, was unsere Region so zu bieten hat. An einem Samstag, bei strahlend schönem Sonnenschein, machten wir unseren ersten Stopp im beschaulichen Städtchen Braunfels – von unserer Heimat Gießen in Hessen ist das nur einen Katzensprung entfernt. Das historische Gemäuer begrüßte uns schon von weitem – ein atemberaubender Anblick.
Da es ein Schloss so an sich hat, oben auf einem Berg zu liegen, mussten wir in unserem Kleinwagen ersteinmal zahlreiche Kurven und das holprige Kopfsteinpflaster überwinden, wurden dann jedoch mit einem tollen Panoramablick über das Braunfelser Umland belohnt.

Um in den Schlosshof zu gelangen, mussten wir zunächst drei imposante Burgtore durchqueren. Wie mussten sich wohl damals die Burgfräulein gefühlt haben?
Begrüßt wurden wir nicht von einem klapprigen Schlossgespenst, sondern von einer jungen, freundlichen Schlossführerin. Während sich unsere Gruppe so langsam sammelte, genossen alle diese besondere, mittelalterliche Atmosphäre im Schloss.
Schon ging es los. Die Tour begann im alten Schlosshof. Hier erfuhren wir, wie sich das Gemäuer über viele Jahrhunderte von einem einfachen Wachturm zu einem prunkvollen Schloss entwickelt hat. Dann ging es weiter in das Innere des Schlosses. Hier durften wir leider keine Bilder mehr machen, da das Schloss noch in Privatbesitz ist und vom Schlossherren und seiner Familie persönlich bewohnt wird. Und sind wir doch mal ehrlich, keiner möchte ein Foto vom Schlossherren im seidenen Morgenmantel. 😉

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Damit die Böden im Schloss nicht von all den Besuchern ruiniert werden, durfte sich ein jeder über seine übergroßen Besichtigungs-Filz-Pantoffeln freuen. So glitt man mehr oder weniger durch die Räume. Im Rittersaal des Schlosses gibt es neben Rüstungen und Kettenhemden – die aus bis zu 30.000 Drahtringen bestehen – noch viele weitere historische Gerätschaften zu bewundern. Wir durften es zwar nicht fotografieren aber haben euch ein anderes Foto besorgt, damit ihr euch ein Bild machen könnt 😉 . Die Anzahl der Drahtringe ist übrigens nur eine geschätzte Zahl, da leider noch keiner dafür Zeit hatte, die Ringe alle zu zählen. Meldet euch doch beim Schlossherren, wenn ihr neugierig seid und zählen wollt. 🙂 Waren Pferd und Reiter mit einer Rüstung ausgestattet, so wogen alle Metallteile zusammen über 160 Kilo. Übrigens war der Rittersaal selbst ein Geschenk von Fürst Ferdinand an seine geliebte Frau Ottilie zu ihrem 40. Geburtstag. Was für ein Wahnsinns-Geschenk!

Weiter ging es durch imposante Räumlichkeiten mit zahlreichen Gemälden, die teilweise verdammt groß sind und einen Zaubereffekt haben. Zaubereffekt? – Jetzt fragt ihr euch sicher, ob wir vor der Führung schon ein Sektfrühstück hatten. Nein, die Bilder sind nämlich wirklich „verzaubert“. Im sogenannten Jagdzimmer verfolgen euch nämlich ein riesiger Keiler und eine Herde Hirsche mit ihren Blicken, egal wo ihr euch in diesem Raum befindet. Gruselig! Bis jetzt hat noch kein Maler das Geheimnis dieser Bilder lüften können. Unsere Schlossführerin vermutet, dass der Zauber von einem ganz besonderen Zusammenspiel der Farben, Schatten und des Lichtes kommt.

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Wussten Ihr eigentlich, dass Braunfels auch nahezu jedem Texaner ein Begriff ist?
Im Jahr 1842 wurde nämlich der „Verein zum Schutze deutscher Auswanderer nach Texas“ von Friedrich Wilhelm Carl Ludwig Georg Alfred Alexander Prinz zu Solms-Braunfels (ja, so hieß er wirklich) mit gegründet. Der Prinz ist mittlerweile auch bekannt als „Texas-Carl“ und war an der Gründung der Stadt „New Braunfels“ in Texas maßgeblich beteiligt. Um den Ursprungsort ihres eigenen Städtchens kennen zu lernen, kommen auch heute noch immer wieder Texaner in das „echte“ Braunfels zurück.

Die einstündige Führung endete schließlich am Kanonenplatz. Hier konnten wir mehrere Kanonen bestaunen und uns in der Sonne wieder ein wenig aufwärmen. Im Schloss ist es nämlich doch ein wenig frisch, was wir alle vier bei unserer Kleiderwahl nicht bedacht hatten.

Seid Ihr auf den Geschmack gekommen? – Wir können den Besuch nur empfehlen, da uns die Tour durch die alten Gemäuer sehr gut gefallen hat. Außerdem tut man mit seinem Besuch dem Schloss noch etwas Gutes, da es ausschließlich privat finanziert wird. Nach der Führung solltet ihr unbedingt noch einen Abstecher zum historischen Marktplatz in der Altstadt machen, um ein leckeres Eis in der Sonne zu genießen.

Das soll nun aber noch nicht alles gewesen sein! Was wir sonst noch an diesem Tag alles erlebt haben, erfahrt ihr im zweiten Teil. 🙂

Paula Neeb, Jana Schlosser, Stefanie Gohlke, Juliane Damm | Reise-Profis in Ausbildung