Vancouver Island Sunshine Coast


Unsere Reise ist schon eine Weile her, aber sobald ich die Bilder sehe ist es, als wäre ich erst zurückgekommen.

Ich stehe mit meinem heißen Kaffee etwas abseits von unserem Mietwagen in Tsawassen und warte auf unsere Fähre nach Swartz Bay. Etwas wehmütig blicke ich zurück Richtung Vancouver. Es ist noch leicht frisch, aber für Mai dafür seit Tagen recht trocken. Mit uns warten eine nicht endende Schlange von riesigen LKW’s und natürlich die Pendler und ein paar Touristen. Unser SUV sieht neben den Trucks aus wie ein Kinderwagen.

Die Fähren sind bereits in die Tage gekommen und nicht unbedingt schön. Also nichts wie raus aus dem Wagen und rauf aufs Oberdeck. Wir sichern uns einen guten Platz und haben somit freien Blick auf eine unglaublich schöne Passage vorbei an Inseln, auf denen ich auch gerne ein Blockhaus hätte 🙂 . Da wir erst nach Victoria wollen, ist diese Strecke in doppelter Hinsicht besser, denn Swartz Bay ist näher an Victoria und die Fähre fährt an diversen vorgelagerten Inseln vorbei und stimmt uns schon auf Vancouver Island ein.

Nach anderthalb Stunden haben wir wieder Land unter den Füssen und fahren auf dem Patricia Bay Highway (kurz Hwy) Richtung Victoria, der Hauptstadt von British Columbia. Die Stadt liegt am Südzipfel der Insel und hat ihren Ursprung in einem Handelsposten der Hudson’s Bay Company.

Stellt euch vor, ihr kommt aus Vancouver und dann das: ein Zeitsprung zurück ins England der Könige und Ritter! Nein, nicht ganz so schlimm aber in vielen Ecken ist es doch sehr „British“. Wir haben zwei Tage hier in Victoria eingeplant, aber das war eigentlich zu kurz. Es hat unglaublich viele schöne Ecken, Gärten, Museen. Mein Tipp: Plant mindestens drei Tage vor Ort ein und fahrt auch mal einen Teil der West-Coast Road in Richtung Port Renfrew.

Wir verlassen die Stadt schon wieder Richtung Campell-River, zu unserem Lodge Hotel auf Quadra Island. Das sind knapp 300 Kilometer, aber entlang der Sunshine Coast gibt es einfach zu viel zu sehen um hier nach deutscher Manier durchzubrettern.

Mein Tipp: Nehmt bis Nanaimo den Hwy 1A und nicht den vielbefahrenen Hwy1. So kommt ihr an vielen kleinen Küstenabschnitten mit einem wunderschönen Blick auf die vorgelagerten Inseln vorbei. Hammer!

Wir haben Nanaimo hinter uns gelassen und fahren jetzt auf der alternativen Route über die 19A anstatt über den großen Hwy 19. Es ist schwer nicht dauernd stehen zu bleiben und wir machen doch mehr Stopps als geplant. Mhhh unser Zeitplan ist ins Unendliche verschoben…

Uhh, Geschafft, es ist 19 Uhr und wir stehen in Campell River an der Ferry Ramp nach Quadra Island. Die Schönheit der Insel und die entschleunigte Lebensweise der Leute hier ist einfach nur „Wow“!

Mhhh, wo geht’s denn bitte zur Tsa-Kwa-Luten Lodge? Keine Verkehrsschilder und leider kein Navi im Auto, was hier sicher auch nicht gehen würde. Die Insel will, dass wir mit unseren Instinkten navigieren, was dann nach einer Stunde Irrfahrt auch klappt.

Ich sag nur, „der Hammer“! Natur pur, super freundliche Menschen und einen Blick vom Zimmer auf die „Inside Passage“ (für Nicht-Kreuzfahrer: das ist die schönere Schiffsroute nach Alaska).

Auf unserem Bett liegt ein großer Zettel mit Warnhinweisen zum „Wildlife“. Gut, das wir eine „BärBell“ dabei haben, eine Glocke, die beim Wandern lärmt, die Bären vor unserer Ankunft warnen sollte. Nun, eigentlich will ich ja Bären sehen, das passt irgendwie nicht zusammen. Aktuell ist aber die Angst noch größer als die Neugier.

Die erste von unseren vielen Touren durch die Insel war geprägt durch eine doch sehr erhöhte Aufmerksamkeit, ob nicht ein Bär oder Berglöwe um die Ecke auf uns wartet. Mit der Zeit werden wir immmer entspannter und können die Natur um uns herum einsaugen.

Allein auf Quadra Island könnte man eine Woche verbringen, die Zeit haben wir aber leider nicht und machen uns an Tag drei auf den Weg in den Strathcona Provicial Park.

Ich sage euch, im Mai ist hier absolut nix los und wir hatten zeitweise das Gefühl, es gibt nur uns und eventuell ein paar Bären, die sich aber verstecken. Wir haben uns entschieden, nicht den ganzen Park zu durchfahren sondern lieber etwas mehr Zeit für Wanderungen zu nutzen.

Wenn Ihr Camping und Natur liebt, dann könnt ihr hier locker eine Woche verbringen. Was ich super finde, selbst im gefühlten „Nichts“ steht an Parkplätzen ein kleines „WC Blockhaus“, das sogar frisches Klopapier hat. Generell achten die Kanadier sehr auf die Natur und Umwelt.

Es ist spät geworden und auf dem Rückweg treffen wir noch den Park Ranger, der uns ein paar wilde Bären Stories erzählt und uns rät, immer ein großes Buschmesser dabei zu haben. So langsam glaube ich das sind alles nur Mythen, oder liegt es an der „BärBell“, dass wir bis jetzt keinen gesehen haben.

Wir erwischen eine der letzten Fähren und lassen den Tag auf unserer Terrasse mitten im Nichts ausklingen. Es ist kurz vor Mitternacht und da sehen wir aus dem Unterholz was auf uns zukommen: ein Bär???, nein, nur eine Rotwild Familie.

Wollt Ihr auch den anderen, wilden Teil von Vancouver Island kennen lernen? In meinem nächsten Blog geht’s dann weiter Richtung Pacific Coast.

Ralf Wernicke | Profi für Marketing