Roadtrip durch die Highlands


Zwei Mädels, ein Auto und die Mission, so lange nördlich zu fahren, bis es nicht mehr geht! Nachdem ich euch in meinem letzten Post ja bereits verraten habe, dass ich in Schottland studiert habe, erzähle ich euch heute von einer Rundreise an der Küste entlang durch die Highlands bis zur nördlichsten Festlandspitze.

Von Edinburgh aus ging es erstmal in Richtung Stirling, in dem das „Schwesterschloss“ Edinburgh’s steht. Die beiden Schlösser sollen sich bis in die kleinsten Details gleichen. So genau wollten wir es aber gar nicht wissen und haben uns eher die Innenstadt angeschaut. Im kleinsten Café, das wir finden konnten, dem Darnley Coffee House, haben wir uns Mittagessen „to go“ geholt und sind bei dem Sonnenschein hoch an die Burg gewandert um dort den schönen Ausblick während dem Essen zu genießen. Von Stirling aus kann man nämlich schon das William Wallace-Denkmal sehen. Ich hab ja gehört, dass die Schotten den Film „Braveheart“ nicht so toll fanden. Zum einen weil die geschichtlichen Fakten verdreht werden damit die Story spannender wird, zum anderen weil ein Australier einen Schotten spielt. Prioritäten!

Nach vielem Pläuschelm und dem Essen ging es dann weiter Richtung Isle of Skye. Nicht etwa, weil wir auf die Insel wollten, sondern um an die Westküste zu kommen und dort dieses kleine sehr versteckte Fischerdorf zu finden, dass so malerisch in einer Bucht liegt. An einem Tag kamen wir leider nicht komplett bis in den Norden nach Skye, daher machten wir einen Zwischenstopp zum Übernachten in Invergarry. Dort hat ein Hostel frisch aufgemacht und alles war in weiß und rot gehalten. Sehr süß inmitten all dem Grün. Am nächsten Tag machten wir uns wieder auf die Socken. Zum Glück hatten wir mit dem Mietwagen viel Freiheit um überall, wo es uns beliebte, anzuhalten und einfach zu staunen, fotografieren und wirken zu lassen. Zum Beispiel am berühmten Eileen Donan Castle, an dem wir bei strahlendem Sonnenschein ankamen (ja, so was gibt es in Schottland auch 😀 ). Diese Kulisse, die macht mir ja zu schaffen, so unfassbar schön!

Endlich kurz vor Skye suchten wir die „Abfahrt“ zu dem kleinen Fischerdorf. Abgesehen davon, dass ich sehr froh war, dass uns nur einmal ein Auto entgegen kam, war die Strecke zur Bucht allein einfach unfassbar urig. Die Beschilderung ist ja recht abenteuerlich, wenn man deutsche Schilderwälder gewohnt ist, aber mir macht so was ja Spaß! Angekommen wollten wir uns etwas die Füße vertreten und Fotos machen. Eine kleine vorgelagerte Insel bot bei Ebbe ein super Ziel also wanderten wir rüber. Es gab Palmen! Aber noch surrealer – ich musste auch herzhaft lachen – war die typisch englische Telefonzelle, die ich mitten am Hang entdeckte. Während wir also die Umgebung bestaunten vergaßen wir zwei Mitteldeutschen, dass es so was wie Gezeiten gibt! Barfüßig und mit hochgekrempelten Hosen kamen wir gerade noch wieder ans Festland. Ein paar andere Touristen hatten es noch vor uns geschafft und standen nun lachend am Strand und feuerten uns an 😀 Es passiert anscheinend öfters, denn ein Mann zeigte uns lässig einen öffentlichen Wasserhahn, an dem wir den Sand von den Füßen spülen konnten. Grandios!

Danach ging es für uns weiter nach Kinlochewe zum Beinn Eighe Nationalpark. Der Beinn Eighe ist ein hoher Berg und da wollte ich gern hinauf. Nun, ich weiß, wir kennen uns nicht, aber ich bin nicht sportlich und gehe auch nicht regelmäßig wandern. Da die Berge in den Highlands aber so nach sanften Riesen aussehen hab ich mir in meinem Leichtsinn nicht viel bei gedacht. Aber Halleluja, der Berg hat’s in sich! Ich zeige euch hier feierlich mein „Ich-hab-es-überlebt“-Siegerfoto – tadaa!

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In einem Bunkhouse (das sind wirklich nur Mehrstockbetten und du kannst einen Schlafsack mieten), dass an einen Pub angeschlossen ist, haben wir dann die Nacht verbracht. Geschafft, aber glücklich 🙂 Denn tagsdarauf ging es nach Ullapool. Eine „größere Stadt“ in den Highlands. Das war ein goldiger Tag. Wir wollten uns an einem heißen Tee und Scone aufwärmen und sind in das hutzeligste Café gestolpert, dass hab ich mir nicht mal vorstellen können. Hauptsächlich kommen nur Einheimische in der Nebensaison dorthin, daher konnten wir genau zuhören, von wem die Besitzerin diesen schönen Blumenstrauß bekam, woher sie das tolle Custard-Rezept hat und was sie und ihr Mann letztes Wochenende gemacht haben. Wir saßen ganz still da und haben uns das Lachen verkniffen. So ein schönes Erlebnis.

Aber jetzt mal ab zur nördlichen Küste! Schließlich hatten wir – ihr erinnert euch – eine Mission. Auf nach Durness!
Es ist unfassbar, welche Landschaften sich plötzlich vor dir zeigen und wenn du die Temperatur nicht spüren würdest, könntest du glatt vergessen in Schottland zu sein. Und dann wären da noch die Schafe oder Kühe. Die sind eine sehr gute Erinnerung, dass du in Schottland bist 😀

Auf dem Hinweg hatten wir schon ein Schild zu einer „Highland Chocolaterie“ gesehen. Leckermäulchen, die wir sind, machten wir noch einen Abstecher vor der Weiterfahrt. Zum Glück! Die perfekte Stärkung bevor es die etwa 80 Kilometer zum Dunnet Head und passendem Leuchtturm ging, an die nördlichste Spitze Großbritanniens! Das Schöne an Küsten sind ja die vielen Regenbögen. Es regnet ab und an mal, aber es scheint auch schnell wieder die Sonne. Eigentlich ist es ein spannender Wechsel, aber kaum kommen wir am eigentlichen Ziel unserer Reise an, fängt es an zu regnen und dicke Wolken lassen die Sonne nicht mehr durch. Typisch!

Der letzte Abschnitt unserer Etappe war auch gleichzeitig der längste. Nachdem wir in einer alten, zum Hostel umgebauten, Kirche übernachtet hatten ging es für uns am Morgen einmal vertikal durch Schottland zurück nach Edinburgh. Zum Glück mag ich Autofahren sehr, sodass mir die lange Strecke auch nichts ausgemacht hat. Nur zum Nachmittag wollten wir noch mal frische Luft schnuppern und haben in Perth auf ein Käffchen angehalten.

Der Roadtrip war einfach viel zu schnell vorbei. Ich plane sogar schon, ihn noch einmal mit meiner Familie zu wiederholen um ihr all die schönen Landschaften zu zeigen. Zum Schluss noch ein Hinweis für euch: Packt in Schottland immer die Sonnenbrille als auch den Regenmantel mit Kapuze ein. Ihr werdet höchstwahrscheinlich beides mehrfach am Tag brauchen 🙂

Luisa Schreiber | Profi für Marketing

P.S.: Ein letztes Foto für die Game of Throne’s-Fans unter euch:

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