Senfgelb im Burgund


Wie ihr vielleicht schon auf Facebook gesehen habt, waren wir – eure Frankreich-Abteilung – im Februar im Burgund unterwegs und haben viele neue Eindrücke mitgebracht. Im Burgund, wie eigentlich überall in Frankreich üblich, werden GENUSS und GUTES ESSEN ganz groß geschrieben und da kamen wir wirklich voll auf unsere Kosten. Besucht haben wir wieder einmal Dijon und Beaune, beides Orte die wir lieben und die besonders sehenswert sind.

Dijon erlebt man am besten mit Beatrix. Beatrix ist ein echter Sonnenschein und eine Einheimische, die selbst einen Regentag strahlen lässt. Das brauchten wir auch, denn das Wetter hat sich leider nicht „Service-Reisen-Like“ gezeigt. Sehenswert ist der „Jardin Darcy“, mit tollen uralten Bäumen und vielen Skulpturen – sowie einer grossen Brunnenanlage. Bei besserem Wetter ein Ort in dem sich Einheimische treffen und wo Dijon wirklich lebt. Sehenswert!

In Dijon fallen im Stadtbild besonders die Strassenbahnen auf. Immerhin sind diese im knalligen Lila lackiert, was man sich erst einmal trauen muss. Inspiriert wurde die Farbe übrigens von den Trauben der umliegenden Weinberge, was natürlich auch eine Logik hat.

Auf unserem Weg durch die Altstadt sind uns immer wieder die kleinen goldenen Pfeile mit Eulen aufgefallen, interessant für alle, die Dijon auf eigene Faust erkunden wollen. Im Office de Tourisme bekommt man kostenlos einen Stadtplan mit dem „Weg der Eule“, auf dem man seinen eigenen Stadtrundgang machen kann, indem man immer den Pfeilen folgt. Tolle Idee, oder? Auch dieser Rundgang beginnt übrigens am Place Darcy (neben dem Park). Was es genau mit der Eule auf sich hat? Dazu komme ich gleich.

Dijon hat wirklich einige prächtige Gebäude zu bieten. Eines davon ist das alte Posthaus. Noch befindet sich in dem Gebäude das Postamt, aber da immer weniger Menschen Briefe schreiben, soll das herrschaftliche Gebäude zukünftig anderweitig genutzt werden. Geplant sind unter anderem ein Hotel und eine Art Einkaufszentrum. Die alte Fassade soll dabei erhalten werden. Zum Glück, denn die Fassade ist tatsächlich absolut sehenswert.

Die alte Markthalle lohnt sich als nächster Stopp. Wenn sich während des Spazierganges durch die Stadt der Hunger meldet, ist man hier genau richtig – und ganz besonders bei Regen. Zahlreiche Restaurants sind direkt an der Halle aber schöner ist es direkt an die Stände zu gehen. Ok – hier und da solltet ihr vielleicht wegschauen oder schnell weiter gehen, zum Beispiel wenn euch das Schwein in der Auslage noch anschaut…das ist nichts für schwache Nerven!

Die alten Markthallen von Dijon – deren Pläne übrigens von Gustave Eiffel entworfen wurden, werden immer dienstags, donnerstags, freitags und samstags am Vormittag zum Leben erweckt. Dann finden sich hier und um die Markthallen herum zahlreiche Stände mit allem, was die Region an Köstlichkeiten zu bieten hat. Hier gibt es Käse aus dem Burgund und der Region Franche-Comté und den in allen möglichen Varianten. Es kommt wirklich jeder auf seine Kosten: Obst, Gemüse, Backwaren, Fleisch, Fisch, Käse, Honig, typischer Gewürzkuchen, Senf und natürlich auch Wein. Und mittendrin auch eine Deutsche, die den Franzosen gutes Brot und viele andere Spezialitäten aus ihrer Heimat näher bringt.

Unser Tipp: Essen gehen in Dijon ist nichts für einen Sonntag, denn es könnte sonst passieren, dass ihr hungrig zurück ins Hotel müsst. In Dijon haben fast alle Restaurants geschlossen und selbst Einheimische, die sich gut auskennen, haben Probleme an einem Sonntag ein geöffnetes Restaurant zu finden.

Natürlich darf ein Stopp in der Kathedrale von Dijon nicht fehlen. Könnt Ihr erraten, wie sie heißt? Richtig – Notre Dame (wie gefühlt jede zweite Kathedrale in Frankreich, da waren die Namensgeber nicht wirklich einfallsreich). Die Fassade über dem Haupteingang ist faszinierend. In kleinen Abständen sind über die komplette Breite Wasserspeier angebracht. Wasser speien können sie zwar nicht, aber jede Figur symbolisiert eine Sünde – Geiz, Völlerei, Habgier – das ist schon sehr imposant.

Auf unserem Weg um die Kathedrale, begegnen wir dann wieder einer Eule. Versteckt an der seitlichen Fassade ist eine kleine Steineule angebracht, die, wenn man sie mit der linken Hand berührt, einen Wunsch erfüllen soll – natürlich nur, wenn man den Wunsch niemandem verrät. Tatsächlich ist die Eule nur noch mit etwas Fantasie als Eule zu erkennen, sie musste schließlich schon sehr viele Wünsche erfüllen.

Und wenn ihr nach Dijon kommt, dann besucht unbedingt die Senf-Boutique der Moutarderie Fallot. So viele Senfsorten hat von uns noch niemand auf einmal gesehen und an einer Theke im hinteren Bereich kann man sich durch die vielen Sorten probieren. Und die Zapfanlage ist der Knaller. Da kann man tatsächlich wie in der Kneipe statt Bier Senf zapfen! Unser Favorit war der Senf „Provencale“ mit einem herrlichen Kräuteraroma. Die Variationen sind schier unendlich, aber probiert Euch doch am besten selbst durch.

Bevor wir Dijon in Richtung Beaune verlassen geht es noch zum Herzogspalast, der von besonders schönen Patrizierhäusern umgeben ist. Danach „müssen“ wir leider schon zu unserer Weinprobe, das Weingut Domaine Derey, ein Stück südlich von Dijon, hat uns wir zu einer Weinprobe eingeladen. Das Weingut ist recht klein, der Wein dort hat uns allen gut geschmeckt. Das Beste: Die Frau des Besitzers ist Deutsche und kann uns (und allen anderen deutschsprachigen Gästen) die Besonderheiten der Lagen und Bezeichnungen französischer Weine bestens erklären.

Nach einer erholsamen Nacht in Beaune starten wir zu einer Besichtigung im Hotel Dieu. Das bekannteste „Hotel“ Beaunes ist kein „Hotel“, sondern ein ehemaliges Krankenhaus, welches bereits 1443 gegründet wurde. Damals, kurz nach dem Hundertjährigen Krieg, waren viele Einwohner der Stadt dem Hungertod nahe und hatten auch kein Geld für medizinische Versorgung. In dieser Notlage machte es sich das Hotel Dieu zur Aufgabe, allen Kranken der Stadt eine ärztliche Behandlung zu verschaffen. Bekannt ist das Gebäude vor allem für die bunten Ziegel auf den Dächern im Innenhof – ein wunderschöner Anblick, selbst bei grauem Februar-Wetter. Am Eingang bekommen gibt es Audio-Guides, mit denen man die Besichtigung bequem im eigenen Tempo machen kann. Hier und da noch zusätzliche Hintergrundinfos abrufen – so erlebt jeder das Hotel Dieu nach Zeit und Interesse.

Ein kurzer Rundgang durch Beaune darf natürlich ebenfalls nicht fehlen. Auch hier sieht man überall, dass Genuss in Burgund sehr ernst genommen wird. Ähnlich Dijon, nur ein wenig kleiner, gibt es auch hier eine Markthalle, in der man frische Lebensmittel aus der Region kaufen kann. In der Innenstadt reiht sich ein hübsches Gässchen ans nächste – und Café folgt auf Restaurant und umgekehrt. Natürlich haben wir einen kurzen Zwischenstopp in einem der kleinen, typisch französischen Cafés eingelegt und dabei die selbst gemachten Macarons bestellt. Lecker (übrigens auch als Mitbringsel…)!

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Und danach stand – Überraschung! – die nächste Weinprobe auf dem Programm. Das Chateau de Meursault, im Gebiet der Côte de Beaune, wird vielen Weinliebhabern etwas sagen und es ist genau, was man sich unter einem Weingut im Burgund vorstellt.
Ein herrschaftliches Anwesen mit pompöser Einfahrt und imposantem Herrenhaus, umgeben von Weinbergen und unter dem kompletten Anwesen liegen die riesigen Weinkeller, von denen einige noch aus dem 12. Jahrhundert stammen. Im größten davon können bis zu 800 Fässer Wein gelagert werden! Die ältesten Weine, die wir entdeckt haben, stammten aus dem Jahr 1984. Das sind Dimensionen, mit denen nicht jedes Weingut mithalten kann. Der Kellermeister tischt uns hier sechs tolle Weine zum Probieren auf, das bekommen hier übrigens auch „normale“ Besucher. Wenn Ihr euch für den Besuch im Chateau de Meursault entscheidet, solltet Ihr aber in jedem Fall einen Guide zum Übersetzen mitnehmen. Die Führungen dort gibt es nämlich nur auf französisch und englisch.

Ihr seht – beide Weinproben kann man nicht vergleichen. Wenn ihr euren Gästen eine Weinprobe anbieten wollt, kommt es immer auf das Budget an, und welche Atmosphäre die Gäste bevorzugen. Von gemütlich-familiär, bis imposant-edel ist im Burgund alles möglich.

Nach der Weinprobe geht es für uns zur letzten Übernachtung nach Chalons-sur-Saône und am nächsten Morgen wieder zurück in die Heimat – unsere Kunden warten schliesslich! Es war wieder eine durchweg imposante Reise mit vielen tollen Eindrücken, von denen wir Euch gerne persönlich berichten in eine Region die wir wärmstens empfehlen.

Eure Christine Scherhag | Profi für Frankreich