Peru – Alpakas, Anden und Abenteuer


Im ersten Teil meines Reiseberichts habe ich euch von meiner Zeit auf den Galápagosinseln, vom Schwimmen mit Haien, Begegnungen mit uralten Riesenschildkröten und paradiesischen Sandstränden erzählt. Doch dort endete meine Reise noch nicht – nach einer Woche auf den Inseln ging es für mich für zehn Tage nach Peru, wo ich mich auf die Spuren der Inkas begab und unglaublich viel erlebt habe. Aber seht selbst!

Angekommen bin ich in Lima, der Hauptstadt des Landes. Sofort habe ich mich in die lebhafte Atmosphäre verliebt, die auf der Plaza de Armas herrscht. Eindrucksvoll steht die weiße Kathedrale von Lima mit ihren steinernen Verzierungen, von Palmen umgeben, neben strahlend gelben Gebäuden und dem Präsidentenpalast. Bei einer Stadtführung konnte ich viele schöne Ecken der Stadt kennen lernen, aber die Plaza Mayor hat mir am Besten gefallen!

Wenn ihr beim Erkunden der Stadt hungrig werdet, dann besucht doch das Restaurant Alfresco im Stadtteil Miraflores. Das Essen hier ist einfach erstklassig, vor allem das Nationalgericht Perus, Ceviche, marinierter roher Fisch, solltet ihr probieren. Es war einfach der Hammer. Hier habe ich auch das erste Mal das Nationalgetränk, den Pisco Sour, getrunken. Der sommerlich frische Cocktail ist genau das Richtige bei den heißen Temperaturen, aber Vorsicht, er hat es in sich!

Was würdet ihr machen, wenn ihr beim Bummeln an der Küste plötzlich seht, dass Paragliding am wunderschönen Strand angeboten wird? Schon ewig stand das auf meiner Bucketlist und so habe ich mich ganz spontan dazu entschieden, einen Gleitschirmflug zu machen. Entlang der Steilküste mit einem einzigartigem Blick aufs Meer und auf Lima bin ich durch die Lüfte geglitten – ein wundervoller Start meiner Zeit in Peru.

Nach einem ereignisreichen Tag in Lima, ging es auch schon wieder in den Flieger und weiter nach Puerto Maldonado im Amazonasgebiet. Vom Rio Madre de Dios, dem „Muttergottes-Fluss“aus, fuhr ich zu meiner Lodge am Amazonas, der Corto Maltes Amazonia Lodge. Die Hütte war super ausgestattet mit Balkon, Hängematte und einem Pool, der für Abkühlung sorgte – allem, was man so braucht, um richtig toll zu entspannen.

Aber natürlich war hier nicht nur chillen, sondern vor allem Abenteuer angesagt! Das erste war eine Bootstour, während der ich Kaimane beobachten konnte. Die Tiere, die zur Familie der Alligatoren gehören, sind wirklich respekteinflössend und sie aus nächster Nähe zu sehen war ein wirklich eindrucksvolles Erlebnis. Die Wasserschweine hingegen waren ganz schön witzig und erinnern ein bisschen an überdimensionale Meerschweinchen. Als ich zurück kam, wurde ich in der Lodge von einer riesigen Vogelspinne empfangen.

Eines meiner Highlights war der Ausflug zum Reserva Nacional Tambopata. Um fünf Uhr morgens fuhr das Boot bereits los zum Reservat. Hier bin ich mit einem Guide drei Kilometer weit zum Lago Sandoval gewandert, durch Pfützen und Schlamm, der so hoch war, dass ich mehr als einmal darin stecken geblieben bin und wirklich aufpassen musste, dass ich meine Gummistiefel nicht verlor. Trotz Regencape wurde ich außerdem komplett durchnässt, weil es zeitweise richtig geschüttet hat. Bei der Wanderung konnte ich aber wunderschöne bunte Aras beobachten und bei einer Bootsfahrt auf dem See süße Otter und schwarze Kaimane sehen. Das war es echt wert so nass zu werden! Auf dem Rückweg hatten wir dann auch etwas mehr Glück mit dem Wetter und sind in strahlendem Sonnenschein gestartet. Doch auch hier war es natürlich noch super matschig und ich kam von oben bis unten mit Dreck bedeckt wieder an. Zum Schluss gab es übrigens auch noch einen Stempel in den Reisepass – meiner Meinung nach ein sehr schönes Andenken!

Bei einem weiterem Dschungelspaziergang konnte ich zahlreiche neue exotische Pflanzen kennen lernen und bin in mindestens genauso viele Pfützen getreten – überall war es matschig, also packt besser eure Gummistiefel ein! Besonders toll war es, selbst Paranüsse zu sammeln und zu knacken. Die Nüsse sind von einer dicken Schale geschützt, die riesige Pflanze wird zunächst mit einer Machete abgebrochen, bevor wir die kleineren Nüsse aufknacken konnten. Und die Nüsse sind natürlich super lecker! Neben Pflanzen haben wir auch einen knallbunten Pfeilgiftfrosch und ein Dreifingerfaultier gesehen. Das ist wirklich soooo langsam und irgendwie ganz schön süß.

Ein bisschen langsamer ging es auch im Luftverkehr Perus zu. Während meines Aufenthalts war hoher Besuch im Lande – der Papst besuchte Puerto Maldonado und das sorgte für ordentlich Aufsehen. Ich hatte schon bei meiner Ankunft gemerkt, dass überall in der Stadt Polizei war und dass alles verschönert und viele Gebäude neu gestrichen wurden. Nun bekam ich es aber auch selbst mit, da der Flieger, den ich eigentlich nehmen wollte ausfiel und ich so noch einen Tag länger in der Lodge blieb als geplant. So hatte ich auch früh morgens die Gelegenheit die Collpa-Vögel (kleine Papageien) zu beobachten, die sich nach und nach sammeln, um dann gemeinsam weiterzufliegen.

Ganze 3.416 Meter in der Höhe liegt Cusco und als ich aus dem Flieger stieg, habe ich auch sofort gemerkt, wie dünn die Luft dort oben ist! Mir wurde nämlich schwindelig und ein wenig übel – am besten plant ihr also ein bisschen Zeit zum akklimatisieren ein. Danach könnt ihr euch dann Cusco bei einem Stadtrundgang angucken. Hier gibt es unglaublich viel zu entdecken! Das historische Zentrum lässt sich super zu Fuß erkunden und ihr könnt die Mischung aus alten Inka-Mauern und spanischen Kolonialbauten bewundern. Spaziert doch zur Plaza de Armas und besichtigt die Kathedrale von Cusco. Auf den Stufen, die zu dem eindrucksvollen Gebäude führen, könnt ihr innehalten und das bunte Treiben auf dem Platz beobachten. Die Kathedrale ist Teil des Weltkulturerbes und wurde auf dem Inkatempel des Wiraqucha errichtet. Außerdem ist sie wunderschön und wenn ihr euch für die Geschichte des Landes interessiert, könnt ihr sie auch von innen besichtigen und euch einen deutschen Audioguide leihen, der spannende Informationen über die Geschichte der Kathedrale und die Kolonialzeit liefert.

Ein Besuch auf dem Markt San Pedro darf nicht fehlen. Hier gibt es eine große Auswahl an frischem Obst, viele verschiedene Hülsenfrüchte und alle möglichen Handwerkswaren. Ihr solltet vor allem die gerösteten Maiskörner probieren!
Ganz in der Nähe der Kathedrale befindet sich Qorikancha, der Sonnentempel der Inkas. Heute stehen zwar nur noch die Grundmauern des Tempels, aber diese sind definitiv einen Besuch wert, allein schon wegen der Geschichte dieses ganz besonderen Orts. Einst war dies die heiligste Stelle der Inka, an dem Hochzeiten, Krönungen und Bestattungen stattfanden. Nach der Zerstörung des Tempels wurde auf seinem Fundament eine Kirche, die Convento de Santo Domingo, erbaut, die ihr ebenfalls besichtigen könnt.

Selbstverständlich gibt es aber auch Inka-Bauten, die noch besser als der Sonnentempel erhalten sind. Von Cusco könnt ihr durch die Anden nach Pisac und dann weiter nach Ollantaytambo fahren. Pisac ist eine frühere Bergfeste der Inka, liegt im Heiligen Tal und die Ruinen sehen spektakulär aus! Die roten Steine lassen sehr gut erahnen, wie die Gebäude früher einmal aussahen und sind ein wunderbares Fotomotiv. Wenn ihr von dem Berg, auf dem die Ruinen liegen, mit dem Taxi hinunter in die Stadt fahrt, könnt ihr dort außerdem einen großen Markt besuchen, auf dem Kleidung oder Souvenirs sowie frisches Obst und Gemüse verkauft werden.

Die Ollantaytambo Ruinen sind das einzige verbliebene Beispiel für Stadtplanung in der Inka-Zeit. Die engen Gassen der Stadt, die Gebäude und die Inka-Terrassen – all das befindet sich hier noch in ihrem ursprünglichen Zustand. Ich würde euch auf jeden Fall empfehlen auf dem Weg zu Machu Picchu auch hier einen Stopp einzulegen und diese bedeutsamen Bauten der Inka-Zeit zu bestaunen. Als kleines Plus könnt ihr hier auch süßen Alpakas beim Grasen zusehen. 🙂

Mit dem Zug könnt ihr von Ollantaytambo aus nach Aguas Calientes fahren und dort übernachten. All das habe ich übrigens schon vorher von zu Hause aus gebucht, was ich euch auch empfehlen würde. Nach einer Nacht im Hotel stand ich in den frühen Morgenstunden auf und fuhr mit dem Bus zum absoluten Highlight meiner Reise: Machu Picchu. Natürlich hatte ich schon unzählige Fotos der Inka-Ruinenstadt gesehen, doch wenn ihr vor Ort seid, merkt ihr, dass keines der Bilder der wahren Schönheit des Ortes gerecht werden kann. Schon um 1450 wurde Machu Picchu von einem mächtigen Inka-Herrscher erbaut, mitten in den peruanischen Anden, in 2360 Metern Höhe! Die insgesamt rund 300 Stufen sind immer noch erhalten und ihr könnt euch hier wortwörtlich auf die Spuren der Inkas begeben. Man fühlt sich gleichzeitig mit der Natur und der antiken Geschichte des Ortes verbunden und die Atmosphäre ist unbeschreiblich. Nach zwei Stunden Führung, die ich wärmstens empfehlen kann und bei der ich sehr viel über Machu Picchu lernen konnte, ging es für mich hoch hinaus.

Der Wayna Picchu ragt im Hintergrund der Inkastadt in die Höhe. Wichtig zu wissen ist, dass täglich nur 400 Touristen den Gipfel besteigen dürfen, was streng reguliert wird, da es ansonsten viel zu voll werden würde. Machu Picchu wird nämlich aktuell täglich von ca. 6000 Touristen besucht! Man kann entweder um 8 oder um 10 Uhr mit dem Aufstieg beginnen, wenn man vorher ein Ticket gebucht hat. Überlegt euch also im Vorhinein, wann ihr gerne den Berg besteigen würdet und bucht euren Trip auf Wayna Picchu, gemeinsam mit dem Eintritt zu Machu Picchu am besten mehrere Wochen im Voraus. Ungefähr eine Stunde lang dauerte der Aufstieg, bei dem ich auf Grund der Wolken leider nicht allzu viel sehen konnte. Als ich oben ankam, war ich ein wenig enttäuscht – zunächst konnte ich kaum Fotos machen, weil es so nebelig war. Doch ich blieb ungefähr eine Stunde lang auf dem Gipfel und schließlich hatte ich Glück. Die Sonne kam raus, die Wolken verzogen sich und ich konnte perfekt in die Ferne auf die strahlend grünen Berge blicken und den atemberaubenden Blick auf Machu Picchu genießen. Das werde ich so schnell nicht wieder vergessen! Der Aufstieg war durchaus anstrengend, auch wegen der relativ dünnen Luft, aber wenn ihr fit zu Fuß seid und euch eine längere Wanderung nicht abschreckt, solltet ihr euch dieses Erlebnis nicht entgehen lassen – es lohnt sich definitiv!

Von Cusco aus könnt ihr mit dem Bus in ungefähr zehn Stunden nach Puno fahren. Die Strecke geht über den Pass Abra la Raya, dessen höchste Stelle ganze 4.388 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Am Titicacasee angekommen, konnte ich bei einem Tagesausflug in einer Kleingruppe mit Guide die Uros-Inseln und die Insel Taquile besuchen. Die schwimmenden Inseln der Uros sind in ihrer aufwendigen Konstruktion einmalig und die Nachkommen des Inka Volks leben auf den Inseln aus Totora-Schilf, das am Titicacasee wächst und durch seinen Hohlraum einen hohen Auftrieb im Wasser hat. Da das Schilf nach und nach von unten verfault, müssen oben immer wieder neue Schichten gebaut werden. Bei meinem Besuch wurde mir gezeigt, wie die Uros ihre Inseln bauen und wie auf den Inseln Strom durch Solaranlagen erzeugt wird. All das einmal so hautnah und authentisch zu erleben, war total spannend!

Besonders gut hat mir aber die Titicaca-Insel Taquile gefallen und ich würde euch raten, ihr auf jeden Fall einen Besuch abzustatten. Es ist die Insel der strickenden Männer! Hier könnt ihr sehen, wie sie sich mit Stricknadeln in der Hand auf Quechua, ihrer indigenen Sprache, unterhalten und stricken, was das Zeug hält. Die wunderschönen Strick- und Webwaren verkaufen sie dann am Wegesrand, so dass ihr euch ein tolles Andenken mitnehmen könnt. Besonders interessant: Die Männer tragen auch alle eine Mütze, die ein wenig an eine alte Schlafmütze erinnert und eine ganz besondere Funktion erfüllt – sie sagt etwas über den Beziehungsstatus ihres Trägers aus! Eine rote Mütze bedeutet, der Mann ist schon verheiratet, eine weiße, dass er Single ist und eine rot-weiße Mütze verrät, dass er noch zu haben und heiratswillig ist.
Außerdem hat Taquile eine malerische Landschaft mit wunderschönem Strand zu bieten, die mich bei einer geführten Wanderung über die Insel verzaubert hat.

Nach einem letzten Pisco Sour trat ich letztendlich die Rückreise an. Ein bisschen traurig war ich schon, dass meine Reise zu Ende war, aber vor allem bin ich froh über alles, was ich auf meiner Zeit in Peru und auf den Galápagosinseln erleben durfte. Ich werde bestimmt nochmal nach Peru zurück kommen, da ich längst noch nicht alles gesehen habe. Das nächste Mal möchte ich vielleicht den Süden des Landes bereisen.

Bis bald,

Michèle Rumpf | Reiseprofi für Skandinavien