Ein Land wie aus dem Bilderbuch Teil 2


Wie ich euch schon im ersten Teil meines Blogs berichtet habe, kann man in Bulgarien Szenen wie aus dem Bilderbuch erleben. Wie zurück versetzt in der Zeit fühlt man sich auch im „ETAR“ Freilichtmuseum in der Nähe von Gabrowo. Da unsere Gruppe schon im kleinen „Golyam Izvor“ von unserer Zeitreise in das ursprüngliche bulgarische Leben begeistert war, hat es mich nicht gewundert, dass auch das Freilichtmuseum besonders gut ankam. Anders als bei vielen Museen dieser Art wurde hier nicht einfach ein „ausgestorbenes“ Dorf in ein Museum umgewandelt. Das Besondere ist, dass hier noch Menschen arbeiten nach der ganz alten Lebensweise – es wird zum Beispiel alles komplett ohne Strom gefertigt! Somit kommt man hier gar nicht in ein ausgestorbenes Dorf, sondern kann in die gelebte bulgarische Kultur eintauchen könnt.


Erst einmal gibt es im Freilichtmuseum eine Menge zur Geschichte Bulgariens zu entdecken. Epochenweise könnt ihr in kleinen Häuschen erfahren, wie sich das Land entwickelt hat. Das Schönste war allerdings, den Handwerkern bei ihrer Arbeit zuzusehen. Vor unseren Augen wurden maßgeschneiderte Ledergürtel, handgeschliffene Messer und filigraner Schmuck gefertigt. Diese besonderen Stücke können dann natürlich auch erworben werden – genau wie die Produkte aus der Rosendestillerie sind es meiner Meinung nach ganz außergewöhnliche Souvenirs.

Neben all unseren Ausflügen in das Umland der bulgarischen Hauptstadt dürfen wir Sofia selbst allerdings nicht vergessen. Mir haben die vielen alten Gebäude der Stadt wahnsinnig gut gefallen. Viele von ihnen sind sehr gut erhalten und wurden aufwändig restauriert. Besonders witzig war die Wachablösung vor dem Präsidentenpalast, die wir während unserer Stadtrundfahrt beobachten durften, da wir mit diesem Schauspiel, dass wir sonst nur aus England kannten, nun wirklich nicht gerechnet hatten!
Genauso wenig hätte ich damit gerechnet, dass mich der Besuch im Nationalen Historischen Museum von Sofia so begeistert. Oft kann man die unzähligen Eindrücke, die man in solch große Ausstellungen gewinnt, gar nicht richtig verarbeiten und bleibt meist etwas überfordert zurück. Diesmal war es aber ganz anders, denn unsere Guide war einfach spitze und hat uns gezielt zu den Highlights des Museums gelotst. Am besten hat mir der Goldschmuck der Thraker gefallen. Für mich ist es nach wie vor unglaublich faszinierend, wie Menschen so etwas Filigranes vor unzähligen Jahrhunderten fertigen konnten. Ich lege euch einen Besuch in diesem Museum definitiv ans Herz.


Mein persönlicher schönster Moment in Sofia war der Besuch in der Alexander Newski Kathedrale. Sobald ihr durch den Eingang tretet, werdet ihr euch fühlen, als wärt ihr in eine Parallelwelt eingetaucht. Ein erheblicher Teil der besonderen Atmosphäre war, dass die verschiedensten Sinne in das Erlebnis einbezogen wurden. Die Optik der Kathedrale war einfach märchenhaft und in den alten Gemäuern gab es so viele fremde Gerüche, die ich gar nicht in Worte fassen kann – unangenehm waren sie allerdings nicht. Außerdem haben wir in der Ferne den Gesang von einem Männerchor gehört – das war äußerst faszinierend. Bemerkenswert war auch, dass sich sehr viele Menschen in der Kathedrale aufgehalten haben – jung und alt, Einheimische und Touristen. Es erscheint, als wäre das Gotteshaus ein richtiger Treffpunkt, auch außerhalb der Gottesdienstzeiten. Es wurde gesprochen, gelacht und auch gegessen.


Als letztes möchte ich euch über die Sehenswürdigkeit schlechthin in Bulgarien berichten. Das Rila Kloster liegt etwa zwei Stunden von Sofia entfernt in den Bergen. Es ist wirklich einzigartig und überhaupt nicht mit den Klöstern, die wir aus Deutschland kennen, vergleichbar. Der Unterschied springt direkt ins Auge: Es sind die Streifen auf der Fassade. Sie lassen den gesamten Komplex weniger wie ein Kloster und mehr wie einen Palast aussehen. Einen kleinen Tipp kann ich euch übrigens für den Besuch des Klosters mit auf den Weg geben: Erschreckt bitte nicht, wenn ihr auf der Suche nach dem stillen Örtchen seid. Die „französischen“ Toiletten ohne Türen sind nicht die einzigen Möglichkeiten, um sich zu erleichtern. Auf der rechten Seite vom Haupteingang aus werdet ihr fündig, dort sind zwei europäische Toiletten – mit Türen! 😀


Durch Zufall haben wir für unseren Besuch des Rila Klosters einen ganz besonderen Tag abgepasst, denn der 19. Oktober ist ein Gedenktag an den Heiligen Iwan Rilski, dem das Kloster unter anderem seinen Namen verdankt. Vor etlichen Jahrzehnten wurden seine sterblichen Überreste an diesem Tag auf dem Gelände des Klosters wieder gefunden. Zu diesem besonderen Anlass war auf dem Klostergelände einiges los. Überall liefen Mönche in schwarzen Kutten, mit langen Bärten und großen Hüten umher und trugen unter markanten Gesängen Reliquien über den gesamten Komplex, auf dem es normalerweise sehr ruhig ist. Das war schon sehr beeindruckend und ich hab mich wie in einer anderen Welt gefühlt.
Mich hat Bulgarien restlos begeistert! Lasst auch ihr euch verzaubern, schaut bei unserer Reiseidee vorbei, packt die Koffer und macht euch auf den Weg! 😉
Bis bald,

Katharina Blaha | Abteilungsleitung Alpen-Adria