Abenteuer in Bolivien – Teil 2


Im ersten Teil von „Abenteuer in Bolivien“ habe ich euch schon von einigen Momenten mit Nervenkitzel erzählt und genauso soll es jetzt weitergehen, denn in Potosí, einer der höchstgelegenen Städte der Welt, habe ich eine echte Touristenattraktion besucht, denn hier gibt es eine der wenigen aktiven Silberminen, die für Touristen zugänglich sind. Los ging der wilde Ritt auf dem sogenannten „Miner’s Market“. Das ist der einzige Ort weltweit, an dem man legal Dynamit kaufen kann. Eine Stange kostet umgerechnet circa zwei Euro. Der Guide, mit dem unsere Gruppe unterwegs war, hat uns empfohlen, in eine Stange Dynamit pro Person zu investieren. Warum – das werdet ihr gleich noch erfahren.

Mit unserem gekauften Sprengstoff im wahrsten Sinne des Wortes „bewaffnet“, ging es dann in die Mine. Die Sicherheitsstandards sind – ich drücke es vorsichtig aus – nicht vorhanden. Der Eingang des Bergwerks ist lediglich ein Loch im Felsen, überall hängen lose Kabel an den Wänden und an der Decke, aus denen es auch mal ein paar Funken sprühen kann. Belüftungsschächte gibt es übrigens keine und da die Mine noch aktiv zum Silberabbau genutzt wird, rieseln bei jeder Explosion links und rechts ein paar Steinchen vor eurer Nase herunter. Schon in diesem Moment habe ich mich gefragt „Was mache ich hier eigentlich?“, aber es kommt noch dicker, denn wir hatten schließlich noch unser Dynamit dabei. Nachdem wir ein gutes Stück in den Berg gegangen waren, hat unser Guide den von uns gekauften Sprengstoff in vorgebohrte Löcher gesteckt und angezündet. Ganz perplex haben wir uns alle angeschaut und wussten gar nicht so recht wie uns geschieht, bevor der Guide dann nur noch meinte „Und jetzt lauft!“, was wir dann natürlich auch getan haben. Aus etwas Entfernung konnten wir „unsere“ kleine Explosion dann auch hören. Als wir die Tour dann nach zwei Stunden beendet hatten, haben wir alle glücklich die Helme abgesetzt und waren froh heile aus der Mine herausgekommen zu sein. Ob wir wirklich in Gefahr waren, kann ich nicht sicher sagen, angefühlt hat es sich allerdings sehr waghalsig! Noch heute Frage ich mit „Wie verrückt war das denn eigentlich?“. Trotzdem ist es ein einmaliges Erlebnis gewesen, das ist nicht missen möchte.

Ein weiteres wundervolles – diesmal nicht ganz so gefährliches – Erlebnis war mein Besuch im Dschungel Boliviens. Schon zu Beginn meiner Weltreise war für mich klar, dass ich für eine gewisse Zeit Freiwilligenarbeit leisten möchte. Mein Wunsch war es außerdem, mit Tieren, insbesondere Affen, zu arbeiten. Durch andere Reisende, die ich auf meiner Route bis dahin getroffen hatte, wurde ich dann auf das eines der Wildtierzentren, die leider nicht alle einen eigenen Namen haben, aufmerksam. In der Auffangstation finden Wildtiere, die von gemeinnützigen Organisationen und Privatpersonen verletzt aufgefunden, als Haustiere gehalten oder vor dem illegalen Tierhandel gerettet wurden, ein zuhause und werden wieder aufgepäppelt. Besonders emotional für mich war die Geschichte eines Affen, der in einer Bar an der Leine gehalten wurden. Abgesehen davon, dass dort geraucht wurde und die Lautstärke für den kleinen Kerl viel zu hoch war, konnten die Besucher Geld dafür bezahlen, um den Affen schlagen zu dürfen – einfach unglaublich! Viele der Tiere, um die sich die circa 20 anderen Freiwilligen kümmerten, kennen das Leben in der Wildnis gar nicht mehr oder haben es nie erlebt. Deshalb gibt es viele Affen, Nasenbären und sogar Leoparden, denen im Auffangzentrum ein artgerechter Lebensabend ermöglicht wird. Abgesehen von den besonderen Erlebnissen mit den Tieren, war die Arbeit im Dschungel eine ganz schöne Umstellung für mich. Nach elf Monaten auf Achse, war ich plötzlich für zwei Wochen am selben Ort und hatte einen geregelten Tagesablauf. Das hat richtig gutgetan und nach meiner Zeit im Wildtierzentrum konnte ich mit neuer Kraft weiter reisen.

Meinen letzten Stopp in Bolivien habe ich in der größten Salzwüste der Welt, der Salar de Uyuni verbracht. In der Nacht vor meiner Tour habe ich in einer sehr günstigen Jugendherberge am Rand der Wüste geschlafen. Mein Zimmer dort hatte nicht einmal ein Fenster. Morgens um 7 Uhr klopfte es an meiner Tür und ironischerweise fragte mich die Dame, ob ich denn schon gesehen hätte, was draußen los ist – hatte ich natürlich nicht! 😀 Ich saß in dem kleinen Ort fest, denn in der Salzwüste hatte es nachts geschneit und keiner kam raus oder rein. Am nächsten Morgen hatte sich der Schneesturm zum Glück gelegt und wir konnten starten. Als es früh morgens noch bewölkt war, gab es auf der 10.000 Quadratkilometer großen Fläche allerdings nicht viel zu sehen außer Schnee. Erst mittags, als die Sonne den Schnee zum schmelzen brachte, zeigte sich das wunderbarste Schauspiel, dass ich jemals gesehen habe. Dadurch, dass das Schmelzwasser nicht in den circa 10 Milliarden Tonnen Salz versickern konnte, entstand ein riesiger Spiegel auf der gesamten Fläche. Als dann wieder einige Wolken über der Wüste aufzogen, wusste man plötzlich nicht mehr, ob man auf der Erde steht oder schon in den Wolken läuft – sogar die Guides haben so ein Naturphänomen noch nie gesehen.

Mit dieser wunderschönen Kulisse hat Bolivien sich von mir verabschiedet. Mich hat das Land im Herzen Südamerikas völlig in seinen Bann gezogen. Ich hoffe, ich konnte euch zeigen, wie vielfältig Bolivien ist und es auf der Liste eurer Wunsch-Reiseziele ein bisschen nach oben rücken lassen. 😉

Bis bald,

Sandra Schacherer | Länderprofi für Skandinavien