Lampionfest, Bibimbap und Strände in Südkorea


Seit Jahren fasziniert mich der Süden der koreanischen Halbinsel schon sehr. Nicht nur die Menschen und die Kultur fand ich spannend, sondern auch die Sprache. Deshalb habe ich mich entschieden, Koreanisch zu lernen. Mit meinen frisch erlernten Sprachkenntnissen habe ich mich dann als Backpacker auf die Reise begeben, um die beiden großen Städte Seoul und Busan zu erkunden. Ende April 2017 ging es dann endlich los. Für meine Reise hatte ich eine ideale Zeit ausgewählt, denn Ende April/Anfang Mai findet traditionell die jährliche Feier zum Geburtstag Buddhas statt. Da Südkorea ein buddhistisch geprägtes Land ist, handelt es sich bei diesem Fest sogar um einen gesetzlichen Feiertag. Ich habe das Fest in Seoul verbracht. Dort veranstalten die Menschen viele Lampion-Umzüge. Diese starten meist an den Tempeln und breiten sich von dort durch die ganze Stadt aus. Besonders gut haben mir die sogenannten Kong-Ming-Laternen gefallen, die bei uns Himmelslaternen genannt werden, weil sie angezündet in den Himmel aufsteigen. Außerdem werden in vielen Tempeln an diesem Tag Mahlzeiten und Tee für alle Besucher verteilt.

 

Eine der Mahlzeiten, die man an Buddhas Geburtstag serviert bekommen kann, ist „Bibimbap“ – eigentlich ein klassisches „Reste-Essen“, aber sehr beliebt und lecker! Die Grundlage ist, wie bei so vielen koreanischen Gerichten, Reis. Dazu gibt es Rindfleisch und verschiedenes Gemüse, meist Gurke und Sojasprossen. Das Beste ist allerdings das Spiegelei, das oben auf alles andere drauf gelegt wird und das Gericht abrundet. Ansonsten gibt es in Südkorea sehr viel Fisch – auch schon zum Frühstück! Das fand ich persönlich etwas gewöhnungsbedürftig. Aber auch für Menschen, die keinen Fisch mögen, findet sich dabei etwas Leckeres. Etwas Besonderes könnt ihr in einem an sich klassisch koreanischen Restaurant erleben, denn die Technikbegeisterung der Südkoreaner breitet sich auch hier immer weiter aus. Einige Lokale sind mittlerweile so ausgerüstet, dass ihr an einem Automat bestellt und bezahlt, und euer Gericht dann über ein automatisches Schienensystem an euren Platz serviert bekommt. Da fühlt man sich schon fast wie in einem Science-Fiction Film. 😀

Im Metro-System von Seoul merkt ihr die Technikbegeisterung ebenfalls, denn mit mehr als 300 km Streckennetz und WLAN-Verbindung auf allen Linien ist es eines der größten und effizientesten auf der ganzen Welt. An vielen Stationen sind Bahnsteig und Gleis außerdem mit einer Glaswand voneinander getrennt. Die eingebauten Türen öffnen sich erst, sobald der Zug vollständig eingefahren ist und angehalten hat. Neben Schutz vor Staub und Lärm bietet das vor allem die Sicherheit, dass bei Gedränge niemand auf die Gleise fallen kann. Die Idee, und dass diese Lösung nun auf alle Bahnhöfe ausgeweitet werden soll, finde ich einfach super!

Um euch einen ersten Überblick über Seoul zu verschaffen, ist eine Stadtrundfahrt mit dem Bus viel besser geeignet. So könnt ihr innerhalb kürzester Zeit viele Eindrücke von den einzelnen Vierteln sammeln und dann die für euch interessanten Orte gezielt erkunden. Ich würde euch empfehlen, auf jeden Fall einen Abstecher zum Gyeongbokgung Königspalast zu machen. Der Name bedeutet übersetzt soviel wie „strahlende Glückseligkeit“. Hier könnt ihr klassische koreanische Architektur und Gartenkunst bestaunen, denn seit 1990 wird das Anwesen Stück für Stück restauriert. Eine weitere Sehenswürdigkeit, die ihr nicht verpassen dürft, ist der „Seoul Tower“ auf dem Namsan Berg. Der Fernsehturm ist öffentlich zugänglich und bietet eine atemberaubende Aussicht über die Stadt. Hinauf gelangt ihr am besten mit der Standseilbahn, wer sportlich ist, kann allerdings auch hoch wandern. 😉 Den Myeongdong Distrikt solltet ihr ebenfalls besuchen, er ist ein wahres Shoppingparadies und perfekt, um Souvenirs und Mitbringsel einzukaufen.

In Seoul findet ihr außerdem den größten überdachten Freizeitpark weltweit – Lotte World Adventures. Neben den vielen Achterbahnen gibt es an jeder Ecke quietschbunte Mangafiguren, denen man den ganzen Tag lang zuschauen könnte, da jede ein anderes verrücktes Kostüm trägt. Ungewöhnlich fand ich, dass es zwei verschiedene Sorten Tickets für den Park gibt – mit dem einen kann man alle Attraktionen nutzen, bei dem anderen sind die Achterbahnfahrten nicht mit im Preis inbegriffen, man kann also nur durch den Park gehen und zuschauen. Nachdem ich die ewig langen Schlangen an den Achterbahnen gesehen habe, wurde mir schlagartig klar, warum es diese Teilung gibt, denn den ganzen Tag anzustehen, um dann nur wenige der angebotenen Attraktionen zu erleben, ist eben nicht Jedermanns Sache. Mein persönliches Highlight während der gesamten Reise war allerdings der Besuch in der Ausstellung zur koreanischen Musikrichtung „K-Pop“. Sie charakterisiert sich vor allem durch die koreanischen Liedtexte und durch die bunten Outfits der Künstler. Da die „K-Pop“ Künstler und Bands für viele Menschen Idole sind, kann man sich in dieser Ausstellung sogar mit ihnen fotografieren lassen, allerdings nicht in echt, sondern als Hologramm. Ihr merkt, die Südkoreaner lieben es, Technik clever überall einzusetzen!

Den zweiten Teil meines Aufenthalts habe ich etwas entspannter in der Küstenstadt Busan am japanischen Meer verbracht. Das Ambiente dort hat mir sogar noch etwas besser gefallen als in Seoul, denn die Menschen scheinen hier entspannter und auch etwas hilfsbereiter zu sein als in der Hauptstadt. Von Seoul nach Busan reist ihr übrigens am besten mit dem Zug. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug KTX (Korean Tran eXpress) könnt ihr die Strecke, für die man früher mehr als vier Stunden gebraucht hätte, in weniger als zweieinhalb Stunden zurück legen. Wer die Berge und das Meer mag, ist hier auf jeden Fall richtig, denn die Stadt hat auf der einen Seite traumhafte Strände zu bieten und ist auf der anderen vom Höhenzug Geumjeongsan gesäumt.

Die beiden tollsten Strände, die ich euch empfehlen kann, heißen Haeundae und Gwangalli. Nachmittags kann es in der Sonne sehr warm werden, aber morgens kann man sich gut und gerne an paar Stunden an den Strand legen. Mit zu vielen Einheimischen solltet ihr allerdings nicht rechnen. Da helle Haut in vielen asiatischen Ländern als Schönheitssymbol gilt, bleiben die meisten Südkoreaner der Sonneneinstrahlung lieber fern.
Mein letzter Tipp für euch ist ein Besuch auf dem Fischmarkt in Busan. Selbst wenn ihr nicht die größten Fans von Meeresfrüchten seid, gibt es hier sehr viel Außergewöhnliches zu sehen, und tolle Eindrücke vom alltäglichen Leben der Südkoreaner zu sammeln.

Ich hoffe, mein Bericht konnte euch neugierig machen, sodass ihr nun auch Lust habt Südkorea zu besuchen. Ich werde definitiv wieder kommen, das nächste Mal im Herbst und dann zum Wandern im Seoraksan Gebirge! 🙂

Viele Grüße,

Christian Löffler | Teilnehmer „Die Reise deines Jahres“