Der verlorene Garten in Südengland


Gleich zu Beginn unserer Inforeise hat Südengland alle Register gezogen und uns mit mystischen Burgen und Geschichten aus dem Mittelalter begeistert. „Tintagel Castle“, das streng genommen nur noch aus den Überresten einer Burg besteht, ist eine riesige Ausgrabungsstätte. Viele Teile sind zwar schon freigelegt und ihr könnt diese besichtigen, an anderen Stellen sind Archäologen noch fleißig dabei, die alten Gemäuer sichtbar zu machen. Berühmt wurde Tintagel durch die Legende von König Arthur, der hier gezeugt worden sein soll. Unser Guide „John“ hat die weltbekannte Geschichte durch seine Erzählungen so schön aufleben lassen, dass uns nicht einmal der Regen etwas ausgemacht hat, der an diesem Tag quer auf uns herab prasselte. Bei so einem typischen englischen Wetter hilft dann, neben guten Geschichten, wirklich nur noch der Schutz durch eine schicke Kombi aus wasserfester Jacke, Hose und Mütze, denn ein Regenschirm wäre uns direkt aus der Hand geweht. 😉

Interessant und spannend, ging es dann mit einem Besuch und einer Führung in „Healey’s Cyder Farm“ weiter. In gut einer Stunde bekamen wir die gesamte Produktionsanlage gezeigt und wurden in die Braukunst von Cidre (oder auch Apfelschaumwein genannt), Brandy und Whiskey eingeweiht. Besonders gut hat mir gefallen, dass dort auch historische Geräte und Werkzeuge ausgestellt waren, sodass man einen Eindruck davon bekommen hat, was sich im Laufe der Zeit in der Getränkeherstellung verändert hat. Bei dem Wetter haben wir uns nach der Führung eine Verkostung der guten Tropfen definitiv verdient und so ein Cidre eignet sich ebenfalls gut als Mitbringsel für die Daheimgebliebenen. Den Besuch auf der Cyder Farm empfehle ich euch definitiv, denn dadurch, dass das Unternehmen familiengeführt ist, wird Tradition hier noch groß geschrieben. Es ist hier so familiär, dass uns sogar einige Pfaue, Pferde oder Schweine, einen bei der Ankunft hier noch begrüßen.

Ein weiterer wichtiger Touristenmagnet in der Grafschaft Cornwall ist der „St. Michael’s Mount“. Dabei handelt es sich um eine Insel, die je nach Gezeiten eine Verbindung zum Festland hat oder auch nicht. Als wir uns auf den Weg zum Schloss machten, welches sich an der Spitze der Insel befindet, herrschte gerade Ebbe, sodass wir einfach hinüber laufen konnten. Bei Flut könnt ihr euch in einem kleinen Schiff auf die andere Seite bringen lassen. Im Schloss selbst könnt ihr viele Kostbarkeiten bestaunen aber auch kuriose Geschichten hören: Von einer mumifizierten Katze bis hin zum Tee mit der Queen ist alles dabei. 😀 Wenn ihr nach so viel Aufregung hungrig geworden seid, dann empfehle ich euch im „Godolphin Arms“ vorbei zu schauen, das ist ein familiengeführtes Restaurant mit einer wunderschönen Glasfront, die euch einen tollen Blick auf das Schloss und die Insel bietet. Gegessen habe ich dort einen der klassischen englischen Pies, die mit viel Fleisch gefüllt sind – sehr lecker! 🙂

Nach so einer herzhaften Stärkung seid ihr dann auch bereit euer Abenteuer durch Cornwall fortzusetzen. Ein Muss ist dabei die Stadt „St. Ives“, allerdings nicht nur wegen der atemberaubenden weißen Sandstrände, sondern weil die Stadt unter Künstlern aller Art sehr beliebt ist. Die Briten selbst nennen die Stadt manchmal „the jewel of Cornwall’s crown“, also der Edelstein auf der Krone Cornwalls – und das trifft zu, denn die vielen kleinen Gässchen laden wirklich zum Schlendern ein. Sofort bleibt man an den Schaufenstern der Läden hängen und merkt gar nicht mehr wie schnell die Zeit eigentlich vergeht. An jeder Ecke gibt es außerdem süße Cafès in denen ihr das Treiben auf den Straßen bei Tee, Kaffee und Gebäck beobachten könnt. Fans der Schriftstellerin Rosamunde Pilcher werden hier übrigens besonders auf ihre Kosten kommen, denn St. Ives spielt in vielen ihrer Romane eine Rolle. Zwar hat die Stadt in den Romanen selbst einen anderen Namen bekommen, aber in vielen der Verfilmungen diente St. Ives als Drehort und so kann es passieren, dass ihr das Gefühl habt hier schon einmal gewesen zu sein, selbst wenn es sich um euren ersten Besuch im Ort handelt. Wenn ihr gerne mal auf den Spuren von Rosamunde Pilcher wandern wollt, dann schaut euch doch mal diesen Reisetipp an.

Positiv überrascht hat mich übrigens das englische Essen. Oben hatte ich ja schon über den köstlichen Pie berichtet, aber auch sonst sind mir viele Leckereien begegnet. Einen Mittag haben wir im Restaurant „The Sharksfin“ in Saint Austell das typische Gericht Fish&Chips gegessen. Hier gibt es außerdem noch Erbsenpüree dazu, was total lecker ist. Das beste Essen hatten wir allerdings im „Arundell Arms Hotel“, denn hier wurden wir mit einem 5-Gänge Menü verwöhnt, inklusive der bekannten „clotted cream“, wobei es sich um eine typische englische Rahmcreme, ähnlich zur italienischen Mascarpone handelt. Auch die war sehr, sehr lecker!

Mein persönlicher Höhepunkt der Reise war der Besuch in den „Lost Gardens of Heligan“. Diese verlorenen Gärten gibt es eigentlich schon seit Ende des 18. Jahrhunderts, doch wie der Name schon sagt, wurden sie zwischenzeitlich vergessen, denn während des Krieges waren einfach keine Gärtner mehr da, die sich um das Grün hätten kümmern können und so übernahmen Brombeerranken und Efeu das Kommando auf dem Gelände. Ich bin sehr froh, dass das tolle Gelände dann in den 1990er Jahren wieder entdeckt wurde und heute so schön hergerichtet ist, wie es auch früher schon war. Wir haben eine 1,5 stündige Führung durch das Gelände gemacht, es lohnt sich allerdings auch deutlich länger hier zu verbringen. Die Fläche ist einfach riesig und es gibt unglaublich viel zu entdecken. Hierher solltet ihr bei eurem Besuch in Cornwall kommen, und nehmt euch ausreichend Zeit. Denn Neben den Ziergärten, gibt es auch Nutzgärten in denen ihr erleben könnt, wie schon vor ewigen Zeiten Pflanzen und Kräuter angepflanzt und genutzt wurden. In einem Gewächshaus gibt es sogar eine eigene Ananaszucht. Was hier schon alles im Februar blüht, kann man sich kaum vorstellen! Am besten hat mir gefallen, dass an alle Bänke in den Gärten Rollen montiert sind, sodass man sie, gerade auch bei schönem Wetter mit einer größeren Gruppe, genau dorthin stellen kann wo man möchte – in Deutschland wäre das unmöglich! 😀

In den Lost Gardens hat es mir so gut gefallen, dass ich demnächst noch einmal zurück kommen werde – und mir den Garten auch noch in den anderen Jahreszeiten ansehe. Schließlich habe ich selbst noch nicht jede Ecke der tollen Gärten erkunden können – spätestens dann hört ihr wieder von mir! 🙂

Bis bald,

Kirsten Mankel | Länderprofi für Großbritannien