Rückkehr nach Ruanda – Teil 1

Berggorilla-Mutter mit ihrem Kind in Ruanda

Gerade mal ein Jahr hat es gedauert bis Ruanda mich zurück hatte. Die Vorfreude auf einen weiteren Besuch bei den Berggorillas und ein Wiedersehen mit meiner Gastfamilie war einfach zu groß! Diesmal war ich nicht als Teil einer Gruppe von Pauschalreisenden unterwegs, ich habe mich ganz alleine auf die Reise begeben. Das war für mich kein Problem, denn ich habe mich bei meinen vorherigen Reisen durch Ruanda immer sehr sicher gefühlt und nur gute Erfahrungen gemacht. Außerdem kannte ich das Land nun schon ein bisschen und auch das hat mir Sicherheit gegeben. Ein klarer Pluspunkt war, dass die Reise auf eigene Faust natürlich etwas günstiger war, dafür musste ich mich allerdings auch alleine zurechtfinden und organisieren. Da ich mittlerweile aber viele Bekannte in Ruanda habe, konnte ich mich auch immer auf deren Hilfe verlassen.

Auch dieses Mal bin ich bis Kigali geflogen und habe dort zwei Nächte verbracht, denn hier musste ich zunächst wieder meinen „Gorilla Permit“, also die staatliche Erlaubnis und das Ticket für den Besuch bei den Gorillas, abholen. Schon vorab könnt und solltet ihr diese organisatorischen Dinge online beantragen, reservieren und bezahlen, um euch euren Platz zu sichern. Dieses Mal hatte ich sogar großes Glück, denn kurz nach meinem Besuch sind die Preise für die Touren im Vulkan-Nationalpark gestiegen. Statt 750 $ muss man nun 1500 $ ausgeben, um eine Stunde mit den Menschenaffen verbringen zu dürfen. Wer von euch meinen letzten Beitrag gelesen hat, weiß allerdings schon, dass dieses einmalige Erlebnis jeden Cent wert ist – aber dazu später mehr. Nachdem ich meine Erlaubnis dann abgeholt hatte, habe ich den restlichen Tag auf dem Kigali City Market verbracht. Dort gibt es alles an Obst und Gemüse, was man sich vorstellen kann. Aber auch Trockenfisch und die verschiedensten Hülsenfrüchte findet man überall. Besonders spannend war es mit anzusehen, wie die Einheimischen ihre Einkäufe transportieren. Wie ich bereits beim letzten Mal erzählt habe, sind Plastiktüten verboten und so muss jeder seine eigenen Gefäße mitbringen, in die alle Besorgungen dann gefüllt werden.

Um in Richtung der Gorillas und meiner Gastfamilie zu gelangen, bin ich von Kigali aus wieder nach Musanze gereist. Für die circa 100 Kilometer lange Busfahrt mit dem „Virunga Express“ musste ich umgerechnet gerade mal zwei Euro bezahlen. Nach knapp zwei Stunden bin ich dann in Musanze angekommen und habe mein Zimmer in dem Hotel bezogen, das auch schon im vergangenen Jahr mein zuhause auf Zeit war, das Hotel Muhabura. Wie in den meisten Hotels gibt es auch hier fast ausschließlich internationale, statt einheimische Küche. Wenn ihr in Ruanda allerdings echte einheimische Köstlichkeiten probieren wollt, dann empfehle ich euch auf jeden Fall im Restaurant Shakey’s vorbei zu schauen. Für afrikanische Spezialitäten vom Buffet, inklusive einem Getränk, bezahlt ihr gerade mal drei Euro und könnt euch an Kochbananen in allen verschiedenen Variationen satt essen. Ansonsten gibt es viel Maniok und Süßkartoffeln, diese sind allerdings nicht so orange wie man sie bei uns kennt, sondern gelblicher. Fleisch kommt nur selten auf den Tisch, denn das ist hier verhältnismäßig teuer. Innerhalb von Musanze war ich entweder zu Fuß oder mit dem Moped-Taxi unterwegs, was unschlagbar günstig ist, denn ihr bezahlt nur circa 35 Cent pro Fahrt.

Jetzt möchte ich euch aber endlich vom Gorilla-Trekking erzählen! Einmalig kann man die großartigen Erlebnisse schon fast gar nicht mehr nennen, denn schließlich war das schon mein vierter Besuch bei den Menschenaffen. Trotzdem war ich aufgeregt wie ein Kind am Abend vor dem ersten Schultag. Um 06:15 ging es dann pünktlich los und der private Fahrer, den ich mir für zwei Tage gemietet habe, hat mich zum Vulkan-Nationalpark gebracht. Der organisatorische Ablauf war dann wie immer: Erst im Büro registrieren, dann einer Gruppe zugeteilt werden und anschließend eine Einführung in die Verhaltensregeln bekommen. Für mich war das eine sehr komische Mischung aus Routine und tierischer Freude, denn obwohl ich den Ablauf schon kenne, ist es immer noch ein unglaublich besonderes Erlebnis.

Schon der Weg in den Park hinein war dann ganz anders als die Male davor. Mit dem Auto waren wir nur circa 30 Minuten unterwegs, dafür war der Weg extrem holprig und schräg, sodass ich schon fast ein bisschen Angst hatte, dass unser Jeep-artiges Gefährt die Herausforderung nicht bezwingen kann. 😀 Dann ging es zu Fuß erst einmal weiter durch Felder, in denen gerade eine Kartoffelernte im Gange war, was ich sehr spannend mit anzusehen fand. Nach circa 1,5 Stunden und einigen Blessuren, da ich nur eine dünne Hose trug, die den Dornen und Nesseln nicht viel entgegen setzen konnte, wurden wir direkt belohnt, denn die Gorilla-Gruppe, die nach ihrem Silberrücken Agashya benannt ist, war an diesem Tag sehr aktiv. Der Anführer der 26 Mitglieder hat sich viel Mühe gegeben uns gegenüber klar zu machen, dass er hier der Chef ist und hat kräftig auf seiner Brust herum getrommelt. Die beiden Babys der Gruppe, sechs Monate und drei Wochen alt, haben ihm dann aber trotzdem die Show gestohlen – ich denke die Bilder zeigen warum. 😉 Dadurch, dass die Gruppe dieses Mal so aktiv war, konnten wir sie nicht nur an einem Ort beobachten, sondern sind ihnen regelrecht durch das Dickicht hinterhergelaufen. Das war natürlich besonders toll, weil wir so im direkten Unterschied sehen konnten wie schnell und flink sie durch den Wald jagen und wie unbeholfen wir Menschen doch in so einem Gelände unterwegs sind. Nach genau 60 Minuten mussten wir die Gruppe dann auch wieder alleine lassen. Selbstverständlich hätten alle in der Gruppe sie gerne noch stundenlang weiter beobachtet, aber zum Wohle der Gorillas ist es wichtig, dass diese Begrenzung penibel eingehalten wird.

Im zweiten Teil meines Berichts erzähle ich euch dann von meinem zweiten Abenteuer im Vulkan-Nationalpark und von den Erlebnissen mit meiner Gastfamilie.

Michèle Rumpf | Profi für Dänemark und Skandinavien