Vom Speed-Boot bis zum Schloss


Großbritannien im Februar bedeutet monotones Regenwetter – von wegen! Bei unserem Städtetrip durch London und Cardiff hatten wir vom „Weltuntergangs-Sturm“ bis zum strahlenden Sonnenschein alles dabei. Und genauso vielfältig wie das Wetter waren die Aktivitäten und Erlebnisse unserer Reise. Aber der Reihe nach …

Los ging es in London, eine meiner absoluten Lieblingsstädte – egal ob jung oder alt, Musikfan, Kunstliebhaber oder Shopaholic; für jeden ist hier was dabei. London ist eine Stadt, in die man immer wieder reisen sollte und in der man ständig etwas Neues erlebt. Diesmal war ich mit meiner Familie in London und habe deshalb eine Mischung von allem geboten, was mir an London gefällt. Innerhalb von nur vier Tagen eine sehr schwierige Aufgabe, denn London ist unglaublich toll! Bei einem ersten Besuch gehören natürlich die klassischen Touristenattraktionen aufs Programm, deshalb sind wir mit dem Riesenrad London Eye am Ufer der Themse gefahren und hatten vom höchsten Punkt einen Wahnsinnsblick über die ganze Stadt. Abends, wenn es schon dunkel ist und alles von den vielen Lichtern der Stadt glitzert, finde ich es besonders schön.

Eine Spur spektakulärer war dagegen unsere Bootstour auf der Themse. Die haben wir in einem Speed Boot unternommen. Unser Bootsführer hat mit uns waghalsige Wendungen in engen Kurven der Themse hingelegt, während im Hintergrund die Titelmelodie von James Bond, Agent 007 lief. Das war ein starkes Erlebnis! (Vor lauter Action habe von unserem tollen Boot gar kein Foto gemacht! :-() Ich kann mir gut vorstellen, dass die rasante Fahrt nicht für jeden etwas ist, aber eine Bootsfahrt über die Themse gibt es zum Glück auch in einer etwas ruhigeren Version. 😉 Egal wie ihr euch entscheidet, ich kann es nur empfehlen, denn man bekommt vom Wasser aus noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Stadt und die vielen Sehenswürdigkeiten.

Ein ganz besonderes Highlight war unser Hotel in London. Das Courthouse ist ein renoviertes und umgebautes Gerichtsgebäude. Viele historische Hingucker sind erhalten geblieben, aber es wurden auch moderne Elemente untergebracht. In der Bar zum Beispiel gibt es kleine Separees in der Form von alten Gefängniszelle und der komplette Raum wird nach Öffnungsschluss mit Gittertüren verschlossen. Das schafft wirklich eine tolle Atmosphäre und spiegelt super den vielfältigen Charakter Londons wieder! 

Unser zweiter Halt Cardiff, die Hauptstadt von Wales, hat dagegen einen ganz anderen Charme. Eine U-Bahn gibt es nicht und man braucht auch gar keine, denn alles ist fußläufig wunderbar zu erreichen. Es gibt ebenfalls keine Hochhäuser, stattdessen viele kleine Einkaufspassagen, in denen man schnell das Gefühl hat gut 50 Jahre in die Vergangenheit befördert worden zu sein. Besonders schön ist hier die High Street Arcade. Es gibt unzählige kleine Boutiquen, Weinläden, Cafés und „Teahouses“ mit gemütlichen, zusammengewürfelten Ledersesseln. Dass alles nicht so überlaufen ist, verstärkt sicherlich meinen Eindruck der Niedlichkeit. Generell sind die Menschen in Wales viel offener und entspannter als an allen anderen Orten, die ich bis jetzt in Großbritannien kennen gelernt habe. Alles ist ein bisschen langsamer und man nimmt sich Zeit füreinander.

Das haben wir auch bei unserem wohl skurrilsten Erlebnis wieder vor Augen geführt bekommen. Im Februar ist in Cardiff wirklich absolute Nebensaison und es waren keine Touristen in der Stadt. So kam es, dass wir bei unserer Hop-On-Hop-Off Bustour durch die Stadt die einzigen Gäste waren und einen ganz eigenen, persönlichen Sprachkommentar von unserem Fahrer bekommen haben. Jetzt kennen wir nicht nur alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt, sondern auch Cardiffs Klatsch und Tratsch. 🙂

Normalerweise bin ich der Meinung, wenn man ein Schloss in Großbritannien gesehen hat, dann kann man sich schon denken, wie alle anderen aussehen. Das Cardiff Castle ist hier allerdings eine willkommene Ausnahme. Der Eintrittspreis kann Deutsche mit 15 Pfund durchaus abschrecken – aber es lohnt sich, denn jedes Mal wenn man den Raum wechselt, hat man das Gefühl an einen komplett anderen Ort katapultiert zu werden. Die 17 Prunkräume sind jeweils in einem komplett anderen Stil gehalten. Etwas ganz außergewöhnliches ist zum Beispiel der arabische Raum, ganz im orientalischen Stil dekoriert. Für Poesieliebhaber ist der interessanteste Raum sicherlich der Chaucer Raum, der mit aufwendigen Glasmalereien die Canterbury Tales von Geoffrey Chaucer darstellt. Diese Erzählungen sind die ältesten, englischen, niedergeschriebenen Texte, die uns heute bekannt sind. Die Bibliothek ist ebenfalls ein Highlight, denn sie inspirierte J. K. Rowling zu vielen der Schauplätze in den Harry Potter Büchern, insbesondere zur Bibliothek.

Mein persönlicher Tipp für individuelles Reisen nach Großbritannien ist definitiv der Fernbus. Damit ist reisen wahnsinnig unkompliziert und vor allem günstig und mit dem Bus fahre ich natürlich ohnehin sehr gerne. Und mit dem Fernbusanbieter National Express habe ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Im Gegensatz zum Zug, denn man muss die Tickets nicht sehr lange im Voraus buchen, um dennoch einen guten Preis zu bekommen. Gerade das ermöglicht es einem auch mal spontan zu reisen, was mir in Großbritannien ganz besonderen Spaß macht. Außerdem kann man im Bus viel mehr von der wunderschönen Landschaft entdecken als etwa mit dem Mietwagen, was ihr gerne sicherlich ebenfalls bestätigt. In Großbritannien selbst mit dem Auto zu fahren ist dann eben doch noch einmal etwas anders – ganz davon zu schweigen, dass der Linksverkehr nicht jedem so geheuer ist.

Ich kann mich an Großbritannien einfach nicht satt sehen, deshalb ist mein nächster Trip dorthin auch schon wieder geplant.

Bis bald,

Sarah Hentschel | Profi für Großbritannien

P.S.: Falls ihr Lust habt eure Gruppe mit auf eine Schnupperreise nach London zu nehmen, dann empfehle ich euch diese Reiseidee. Wenn ihr jedoch viel mehr Lust habt Wales mit eurer Gruppe zu erkunden, dann schaut euch doch mal diese Reiseidee an.