Zwischen Ärmelkanal und Atlantik


Mein Nordfrankreich-Roadtrip ist inzwischen schon eine Weile her, aber ich bin nach wie vor so begeistert von der Region, dass ich euch nun endlich mal davon erzählen muss. Klar, bin ich begeistert von Frankreich – schließlich bin ich auch für eure Frankreich-Reisen verantwortlich… Aber ich verspreche euch: Spätestens nach diesem Bericht bekommt auch ihr Lust, ans französische Ende der Welt zu Reisen. 😉

Ende September habe ich mir meine beste Freundin und mein Auto – übrigens auch ein Franzose – geschnappt und bin von Deutschland aus los gefahren. Gestartet sind wir im Regen und je näher wir Rouen kamen, desto schöner wurde das Wetter. Die Hotelsuche war etwas abenteuerlich, weil das Hotel mitten in der Altstadt und damit mitten in der Fußgängerzone lag. Die einzige für Autos zugelassene Straße zur Hotelgarage war gesperrt – juhu! Französische Polizisten am Straßenrand – unser persönlicher Freund und Helfer – wiesen uns schließlich den Weg zum Hotel.

Kurz frisch machen und los geht’s die Stadt entdecken. Vorbei an der Kathedrale und den hübschen Fachwerkhäusern bis zum Seine-Ufer und weiter zum Marktplatz mit gefühlt unzähligen Restaurants. Hier ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas zu finden.
Durch die Haupteinkaufsstraße, die Rue du Gros Horloge, geht es zurück zur Kathedrale. Die Rue du Gros Horloge hat ihren Namen vom Glockenturm, der hier steht. Die Straße führt unter dem Torbogen des Turms durch und oberhalb des Torbogens findet ihr eine der ältesten astronomischen Uhren überhaupt. Mit viel Gold verziert ist sie schon ein Hingucker in der recht schmalen Einkaufsstraße.

Mein ganz besonderer Tipp für euren Besuch in Rouen: Die abendliche Illumination an der Kathedrale von Rouen.
Jedes Jahr von Anfang Juni bis Ende September, jeweils nach Einbruch der Dunkelheit, füllt sich der Platz vor der Kathedrale. Der Grund dafür ist eine mit Musik untermalte Lichtprojektion auf die Hauptfassade der Kathedrale, die eine Geschichte erzählt. Bei unserem Besuch gab es einen „Film“ über die Wikinger, die im 9. Jahrhundert Rouen niederbrannten und entlang der Seine fast bis Paris eine Spur der Verwüstung hinterließen, und einen weiteren über Jeanne d‘Arc, deren Geschichte bekanntlich auf dem Scheiterhaufen von Rouen endete.
Wer sich die Fassade der Kathedrale im Hellen anschaut – mit vielen Schnörkeln und Verzierungen – denkt sich vielleicht (so wie ich übrigens auch): Wie soll man auf so unebenem Hintergrund eine vernünftige Lichtprojektion machen? Doch die Verzierungen auf der Kathedralenfassade wurden perfekt in das Spektakel eingebunden. Wir waren jedenfalls restlos begeistert – das Erlebnis lässt sich mit Worten nur schwer beschreiben. Schnappt euch also eine Decke und eine Flasche guten französischen Wein und genießt das Spektakel!

Am nächsten Tag ging es von Rouen aus an die Küste. Leider bei nicht mehr ganz so schönem Wetter, aber an einem Tag musste sich das normannische Wetter ja mal von seiner „typischen“ Seite zeigen. Auf unserem Weg an die Küste hatten wir fast immer links und rechts von uns weitläufige grüne Wiesen und Kuhweiden. Genau so, wie man sich die Normandie vorstellt. Ab Fecamp sind wir entlang der Küste bis nach Etretat gefahren, mit kurzem Stopp bei den Kreidefelsen und anschließend über die Pont de Normandie bis nach Honfleur – wo dann übrigens auch die Sonne wieder raus kam. Perfektes Timing!

Für Honfleur solltet ihr euch unbedingt Zeit nehmen. Allein rund um den hübschen „vieux port“ (dt. alter Hafen) kann man sich wunderbar die Zeit vertreiben. Restaurants, Cafés und kleine Souvenirshops stehen hier dicht an dicht und im Hafenbecken liegen zahlreiche kleine Segel- und Fischerboote.
An der einen Seite des Hafens sind die Häuser teilweise bis zu sechs Stockwerke hoch. Wenn ihr durch den Ort lauft und die Rückseite der Häuser seht, werdet ihr feststellen, dass die Häuser alle am Hang gebaut sind und von hinten meist nur zwei Stockwerke sichtbar sind.
Wenn ihr Zeit für ein wenig Souvenir-Shopping habt, solltet ihr euch auf jeden Fall eine Flasche normannischen Cidre, Calvados oder Apfelsaft kaufen. Später könnt ihr euch eure Urlaubsfotos dann bei einem leckeren Getränk aus der Region anschauen – was gibt‘s Besseres? 🙂

Mit Übernachtungsstopp in Caen ging es weiter an die berühmten Landungsküsten.
Arromanches-les-Bains fand ich besonders spannend. Aus Richtung Caen/Ouistreham kommend gelangt man zunächst zum Parkplatz oberhalb des Ortes. Der Aussichtspunkt bietet einen tollen Ausblick aufs Meer, auf die Überreste des alten Hafens am Strand von Arromanches und auf das Inland. Im Ort selbst gibt es unzählige Souvenirshops rund um die Landung der Alliierten und den zweiten Weltkrieg. Das Musée du Débarquement (Landungs-Museum) beherbergt ein Kino, in dem ein Film über den Bau des provisorischen Hafens während des zweiten Weltkriegs gezeigt wird. Für deutschsprachige Besucher sogar mit Übersetzung per Kopfhörer.

Über Bayeux führte uns der Weg zum „Wunder des Abendlandes“, dem Mont-Saint-Michel. Schon von der Autobahn aus erhascht man immer mal wieder einen Blick auf den Klosterberg – unsere Eindrücke davon könnt ihr in meinen letzten (B)Logbuch-Eintrag lesen.

Weiter ging es nach Saint-Malo, wo wir auch übernachteten. An einem Aufenthaltstag kann man so viel machen – wir entschieden uns für einen ganz gemütlichen Tag mit Stadtbummel und Strandspaziergang. Die Altstadt von Saint-Malo ist klein und übersichtlich, bietet viele hübsche Geschäfte und bei gutem Wetter lädt der Platz vor dem Rathaus mit seinen zahlreichen Cafés und Restaurants zum Verweilen ein. Wir haben uns im La Licorne (zu deutsch: „Das Einhorn“) eine typisch bretonische Galette gegönnt – mit Speck, Kartoffeln und Käse. Sehr lecker 🙂

Am nächsten Tag stand die Fahrt ins Hinterland der Bretagne auf unserem Programm. Über Saint-Brieuc ging es in den regionalen Naturpark Armorique nach Huelgoat – ein ganz kleiner Ort mitten im Nirgendwo. Vom Ort aus – der übrigens sehr idyllisch an einem See liegt – geht man ein paar Schritte entlang eines Baches in den Wald rein und sieht dort riesige Felsbrocken, von denen man meinen könnte, ein Riese hätte sie einfach dort hin geworfen – und genau davon erzählt auch die Sage. Die Bretonen erzählen, der Riese Gargantua habe auf seiner Reise die Waldbewohner um Gastfreundschaft gebeten, aber nur Buchweizenbrei zu essen bekommen. Vor lauter Wut schleuderte er alle Felsbrocken, die er fand umher und das heutige „Felschaos“ entstand. Das ist so schön, das müsst ihr mit eigenen Augen sehen.

An der bretonischen Südküste angekommen besuchten wir die Pointe du Raz. Ich habe schon gehört „Warum zur Pointe du Raz fahren? Man sieht vor lauter Nebel nichts.“ Wir haben viel gesehen – nur keinen Nebel. Die Fahrt zur Pointe du Raz dauert einen Moment und man muss vom Parkplatz aus etwa fünf bis zehn Minuten zu Fuß laufen, aber die zerklüfteten Felsen und der einmalige Ausblick auf den Atlantik lohnen die Mühe allemal.

Mit Übernachtung in der hübschen Fachwerkstadt Quimper war der nächste Stopp Vannes. Vannes ist für mich mit Abstand die schönste Stadt der Bretagne: ein gemütlicher kleiner Hafen mit ein paar Cafés und Sitzmöglichkeiten, eine Altstadt mit unzähligen Fachwerkhäusern und niedlichen kleinen Gassen und eine alte Stadtbefestigung.

Na, habt ihr Lust auf die Bretagne bekommen?

Kleiner Tipp: Meine Reise findet ihr, für Gruppen geeignet, in unserem Hauptkatalog 2017 auf Seite 447 oder auf unserer Homepage.
Die Reise war in Vannes übrigens noch nicht zu Ende, sondern ging an der Loire entlang zurück. Aber davon erzähle ich euch ein anderes Mal… 🙂

Christine Scherhag | Profi für Frankreich