Im Tal der Schlösser


Anfang Juni haben wir drei sehr ereignisreiche Tage an der Loire verbracht. Im Loiretal, welches sich von Orléans bis zum Atlantik streckt, befinden sich weit mehr als 400 Schlösser und Burgen; In rund 20 dieser Schlösser residierten die berühmtesten französischen Könige. Unsere Schlössertour starteten wir in Angers, das westlich von Tours liegt. Im Museum der Festung von Angers befindet sich ein riesiger Wandteppichzyklus, auf dem die Apokalypse dargestellt ist. Ich fand es atemberaubend wie die prophetische Vision des Apostels Johannes hier lebendig wird. Zum Glück hatten wir eine Führung gebucht, denn unser Guide erklärte die Geschichte des Wandteppichensembles richtig gut und sehr verständlich – ich weiß nicht, ob ich das ohne ihn so verstanden hätte 😀

Im Anschluss an die Besichtigung fuhren wir weiter in das idyllische Örtchen Azay-le-Rideau. Auch dieses schöne Städtchen verfügt über ein riesiges Schloss, das wir gemeinsam mit der „Schlossherrin“ besichtigten. Danach hieß es „bon appetit“ und wir genossen ein sehr leckeres Abendessen im ortsansässigen Hotel. Das war ein schöner Tag 🙂

Am nächsten Morgen ging es gleich zu Anfang zum königlichen Anwesen Schloss Chenonceau. Das war das frühe Aufstehen wert! König Heinrich II. machte im Jahre 1547 seiner Geliebten Diana von Poitiers ein besonderes Geschenk und vermachte ihr als Zeichen seiner Aufmerksamkeit das Anwesen „zwischen Himmel und Wasser“. Diana ließ das Schloss nach ihrem Geschmack umgestalten und sie war es auch, die die zahlreichen Gärten anlegen ließ. Nach dem Tod Heinrichs II. wurde seine Witwe Katharina von Medici neue Regentin Frankreichs. Sie zwang schließlich Diana von Poitiers das Schloss Chenonceau, über dem Fluss Cher, gegen das Schloss Chaumont-sur-Loire auszutauschen. Die interessante Geschichte der unterschiedlichen Besitzerinnen hat mich persönlich besonderes gefesselt – ich könnte euch noch so viel mehr davon erzählen… Ein Wandel auf den Spuren der außergewöhnlichen Damen der damaligen Zeit lohnt sich auf jeden Fall!

Nach der Besichtigung des „Damenschlosses“ Chenonceau – denn es waren fast ausschließlich Frauen, die die Geschichte des Schlosses prägten – begrüßte uns der Sommelier des Hauses im Schlossgarten zu einer Kostprobe der regionalen Loiretal-Weine. In dieser traumhaften Kulisse, mit einem feinen Tröpfchen in der Hand, fühlte ich mich fast schon blaublütig. Anschließend erwartete uns ein besonderer Gaumenschmaus im schlosseigenen Restaurant l‘Orangerie. Der Preis ist zwar nicht ganz ohne, aber das Essen hob mich in den siebten „Schlemmerhimmel“!

Mit gut gefülltem Magen ging es dann auf zum Gartenfestival „Festival International des Jardins“ im Schlosspark von Chaumont-sur-Loire. Nach einer kurzen Innenbesichtigung des Schlosses, hieß es dann ab in den Garten! Jedes Jahr bewerben sich zahlreiche internationale Landschaftsgärtner und Künstler um einen Platz beim Festival. Etwa 30 Gewinner werden von einem Gremium gekürt und diese setzen dann ihre Gartenidee nach dem vorgegebenen Thema um. Jeder Landschaftsgärtner bekommt eine vorgegebene Fläche, auf welcher die jeweilige Idee verwirklicht wird. 2016 lautet das Thema „Gärten des kommenden Jahrhunderts“. Von dem Festival waren wir alle sehr begeistert – auch, weil wir uns die Ausstellung ganz anders vorgestellt hatten und dann so positiv überrascht wurden. Wunderschön! Besonders klasse fand ich den Garten zum Thema „Guerilla Gardening“. Hier haben französische Landschaftsgärtner ihre Gartenidee mit Hilfe von Samenbomben umgesetzt und gestaltet – ein sehr chaotischer aber doch harmonischer Anblick. Verrückt.

Am Abend erwartete uns schon das nächste Highlight, denn wir besuchten das Freilichtschauspiel „Sons et Lumières“ im Schloss von Blois. Die Ton- und Lichtshow findet jedes Jahr in den Sommermonaten nach Einbruch der Dunkelheit im Innenhof des Schlosses statt. Hier wird auf eindrucksvolle Weise die Geschichte des Schlosses und der französischen Könige nachgestellt – es ist einfach nur beeindruckend und die Kulisse phänomenal! Denkt an gutes Schuhwerk, ihr müsst während der Vorführung stehen! 🙂

Am letzten Tag standen nur noch zwei Schlösser auf dem Programm. Zuerst besuchten wir das Schloss Amboise, welches sich im Herzen der gleichnamigen Stadt befindet. Von hier aus genießt man einen herrlichen Ausblick auf die Stadt. Da wir jedes Mal einen Einblick in die royale französische Geschichte bekommen fühle ich mich langsam als richtige Expertin. Mein Tipp: Die schönsten Fotos vom Schloss macht ihr am besten von der Insel Île d’Or. Nur wenige Meter südöstlich der Innenstadt befindet sich das Schloss Clos Lucé, der einstige Wohnsitz Leonardo Da Vincis. Der berühmte italienische Künstler genoss hier ein wahrhaft fürstliches Leben, denn er wurde zum „ersten Maler, Architekten und Ingenieur des Königs Franz I.“ ernannt. Im Garten des Anwesens finden sich zahlreiche Erfindungen von Leonardo Da Vinci, welche zum Entdecken und Verweilen einladen. Es ist unglaublich wie fortschrittlich dieser Mann im 15. Jahrhundert bereits war. Zum Mittagessen wurden wir mit einem einzigartigen Essen aus der Renaissance überrascht – einfach deliziös!

leckeres Rennaissance-Essen

Am Nachmittag fuhren wir weiter in die Stadt Tours, wo wir den Tag mit einem Einkaufsbummel ausklingen ließen. Die sehr lebhafte Stadt ist geprägt von den hübschen Fachwerkhäusern aus dem 15. Jahrhundert. Der Place Plumerau in Tours gefällt mir besonders gut. Ich konnte hier wunderbar den sommerlichen Abend genießen und ein Glas Wein in den zahlreichen Bars trinken – in diesem Sinne „à votre santé!“

Am Dienstagmorgen neigte sich unsere königliche Schlössertour leider schon wieder dem Ende entgegen und wir machten uns auf den Weg zum Bahnhof. Wie ihr lesen konntet, lag unser Augenmerk bei dieser Reise auf den Schlössern, die einfach die Highlights im Loiretal sind. Die Region sollte aber nicht nur darauf reduziert werden, denn es gibt noch vieles mehr zu entdecken, zum Beispiel kann ich euch die Champignonzucht oder die Hofreitschule in Saumur empfehlen.

Sarah Rode | Profi für Frankreich

MadeinLoireValley